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Nordirland : Gärtner haben keine Zeit für Lebenskrisen

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In Nordirlands Gärten grünt und blüht es trotz des ungemütlichen Klimas. Die Gärtner der Insel haben ihre Strategien, um ihre Schützlinge vor den Stürmen zu schützen, so wie hier in Mount Steward. Bild: Stefanie Bisping

Der Wind ist der einzige Feind: Trotz des ruppigen Wetters blüht es üppig an der Küste Nordirlands – dem Golfstrom und den Gartenmauern sei Dank.

          Gärtner gehen nicht in den Ruhestand“, weiß Mike Snowden. Einmal versuchte er es doch, aber nach zwei Wochen erhielt er einen Anruf: ein verfallener Garten sollte aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Er sagte zu. Heute fehlen Gartenführer, weil der „Walled Garden“ von Glenarm an diesem hellen, windigen Sommertag von Besuchern geradezu gestürmt wird. Der Achtzigjährige mit dem eindrucksvollen weißen Bart hat auch da nicht nein gesagt. Jetzt steht er auf dem „Mound“, einem zum Genuss der Aussicht angelegten Hügel, um den sich der Pfad zur Spitze wie eine doppelt geschlungene Kette windet. Von hier blickt er in den ummauerten Garten von Glenarm Castle, seit dem siebzehnten Jahrhundert Stammsitz der Grafen von Antrim an der nordöstlichen Küste Irlands.

          Seit fünfunddreißig Jahren lebt der im englischen Lincolnshire geborene Gärtner in Nordirland. Zwanzig Jahre lang war er hier für den verträumten, vom National Trust verwalteten Garten Rowallane bei Belfast verantwortlich. Zuvor war er unter anderem in Bodnant in Nordwales und in den herrschaftlichen Grünanlagen von Harewood House in Yorkshire tätig. Denn: „Gärtnern lernt man nur, indem man sich zwischen Gärten bewegt und viele sehr gut kennenlernt.“

          Spalierobst bringt besonders reiche Ernte

          Mit der Freude eines Menschen, für den seine Arbeit Leidenschaft und Leitmotiv seines Lebens ist, spricht er von den Geheimnissen des Gärtnerns: dass die Zukunft eines Gartens stets in seiner Vergangenheit liege. Dass es sehr leicht sei, einen Garten zu ruinieren, indem man einführt, was nicht passt. Und dass dieser Walled Garden, einer der ältesten Irlands, das Schicksal vieler seiner Art teile. Angelegt wurde er im 18. Jahrhundert als reiner Nutzgarten, um Haus und Herrschaft mit Obst, Gemüse und Schnittblumen für die Tafel zu versorgen. Später machte der Einzelhandel ihn überflüssig. „Viele dieser Gärten verfielen, oft nutzten die Besitzer des Herrenhauses sie, um ihre Autos darin zu verstecken.“

          Achtzig Jahre sind doch kein Alter, wenn man Gärtner ist: Mike Snowden pflegt den Walled Garden von Glenarm.

          Heute haben ummauerte Küchen- und Blumengärten vor allem dekorativen Charakter. Nebenbei illustrieren sie, wie dem ruppigen Klima zu trotzen ist. Ihre Mauern reflektieren Licht und Wärme und nehmen dem Wind die Schärfe, der an der meist frostfreien Küste Nordirlands Gärtnern das Leben schwermacht. Zusätzlichen Schutz bieten im Garten von Glenarm hohe Hecken. So gedeihen Pfirsiche und Nektarinen, ein Rosengarten und am Fuß der Südmauer üppige Rabatten. Ein Wald von fächerartig aufgespannten Spalieräpfeln und -birnen streckt sich an den Mauerwänden aus und überzieht sie im Frühling mit einem hellen Blütenschleier. „Wenn man seine Äste streckt, fühlt sich das für den Baum an, als zöge ein Tier daran, das seine Blätter frisst“, erklärt Snowden. „Er blüht dann heftig, weil die vermeintliche Bedrohung sein Bedürfnis zur Fortpflanzung beflügelt.“ Entsprechend reich falle die Ernte aus.

          Ein Garten von surrealer Magie

          2005 wurde der wieder zum Leben erweckte Walled Garden von Glenarm Castle fürs Publikum geöffnet. Das Schloss hingegen, das der in London wohnhafte Viscount Dunluce, Sohn des neunten Earls, und seine Familie nur am Wochenende nutzen, behält alle Geheimnisse für sich. Nur gelegentlich ist es zu besichtigen; zumeist müssen Besucher sich mit dem Anblick des schönen steinernen Torhauses begnügen, vor dem eine der schmalen Straßen des Dorfs Glenarm endet.

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