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Fotografien vom Ausgang : Nichts wie raus

Bild: Florian Reinhardt

Zehn Jahre lang hat Florian Reinhardt überall auf der Welt Ausgangsschilder fotografiert.

          1 Min.

          Es stimme da etwas nicht, dachte sich Florian Reinhardt, als er außen an einem Haus ein Schild „Exit“ entdeckte, und er machte, was in solchen Fällen immer eine gute Idee ist: nämlich ein Bild. Dann folgten weitere Fotos, keineswegs um das Rätsel zu lösen, sondern weil er von dem Motiv nicht mehr lassen konnte – oder das Motiv von ihm. Zehn Jahre lang ging das so. Nun hat er 1024 Bilder von Ausgangsschildern beieinander, aufgenommen überall auf der Welt, jedes ein wenig anders gestaltet, in den verschiedensten Farben und mit ganz unterschiedlichen Typographien – aber der Hinweis immer auf Englisch formuliert. Vier Buchstaben. Nicht mehr. Auch wenn man in Gedanken bisweilen „Exist“ lesen mag.

          Freddy Langer
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Und da geht es schon los. Denn was Florian Reinhardt womöglich ganz und gar emotionslos abfotografieren wollte, fast so, als gebe es doch so etwas wie eine objektive Darstellung der Welt, sorgt ganz von sich aus für gehörige Emotionen. Einerseits sollen die Schilder nüchtern sein, damit sie im Ernstfall nicht als Dekoration missverstanden werden, sondern unmissverständlich ihre Aufgabe erfüllen, den kürzesten Weg von der Gefahrenzone in die Sicherheit zu weisen. Andererseits müssen sie bunt sein, um überhaupt aufzufallen, und leuchten deshalb in den grellsten Tönen von Orange über Türkis bis Violett, denn nur in den seltensten Fällen sind sie um Leuchtstreifen im Boden ergänzt, wie man es aus den Ansagen im Flugzeug kennt.

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