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Reiseblogs : Dauerpräsent und hypersubjektiv

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Man nimmt es dann mit anderen Dingen, auf die der anonyme Journalist penibel achtet, auch nicht mehr so genau. „Es gibt eine Grenze, an der Rechtschreib- und Grammatikfehler kritisch werden. Aber ich finde, es gibt Wichtigeres: Wenn der Inhalt stimmt, die Bilder geil sind, dann sind ein paar Rechtschreibfehler doch zweitrangig“, sagt Biesalski. Der Eindruck, den die meisten Blogs vermitteln, unterstreicht Biesalskis Einstellung und lässt nicht nur daran zweifeln, dass hier journalistische Grundprinzipien, sondern überhaupt auch nur ein paar Rechtschreibprinzipien beherrscht werden. Bei einigen scheint schlicht die Lust oder Zeit zu fehlen, den Text noch einmal durchzulesen, und so landet er mit verdrehten Buchstaben oder vergessenen Wörtern auf der Seite. Andere jedoch streuen Kommata willkürlich wie mit dem Salzstreuer und scheinen sich sämtlicher grammatikalischer Regeln nicht mehr zu erinnern.

Kunden werden opulent dargestellt

Dennoch hat sich die Spielwiese mittlerweile selbst einen Zaun gebaut. Es gibt den sogenannten „Reisebloggerkodex“, eine Website, die deutlich machen will, dass sich alle dort aufgezählten Reiseblogger – und das sind eine Menge – an Regeln halten. Diese besagen vor allem, dass gesponserte Reisen und Werbekooperationen, die als „probate Mittel“ zur Recherche oder Geldeinnahme bezeichnet werden, deutlich auf dem Blog gekennzeichnet werden müssen – und dass die „journalistische Freiheit“ der Blogger von jeder Kooperation unangetastet bleiben soll. Dort wird auch formuliert, dass Blogtexte von der subjektiven Sicht der Autoren leben und „eine eigene Meinung ... wesentlich“ ist.

Die südafrikanische Bloggerin Chanel Cartell zeigt auf jedem ihrer Bilder an, wie viele Kilometer sie von zu Haus entfernt ist. Man findet sie auf Instagram unter @howfarfromhome.

Brita Segger, Geschäftsführerin der Hamburger PR-Agentur „Society Relations & Communications“, sieht heute keinen Unterschied mehr zwischen Reisebloggern und -journalisten. „Die allermeisten Blogger arbeiten im Jahr 2016 nicht minder professionell und sind absolut auf Augenhöhe mit Journalisten“, sagt sie. Daher organisiert ihre Agentur regelmäßig Bloggerreisen und -events. Dabei zeigten sich Blogger äußerst engagiert und interessiert. „Der Journalist kennt seinen Platz, hat vorgegebene Bahnen, in denen er sich durch das Printmedium bewegen muss. Ein Blogger hingegen hat die Entscheidungshoheit über sein Blog, kann so viele Texte und Fotos von einem Thema, das ihn begeistert, auf den verschiedenen Kanälen online stellen, wie er möchte. Das ist eine Opulenz, mit denen Kunden dargestellt werden, die natürlich einen besonderen Reiz hat“, sagt Segger.

Deshalb muss der Blogger begeistert werden. Allerdings wird nicht jeder, der ein bisschen über seinen letzten Urlaub schreibt, gleich zu einer Reise eingeladen. „Wir schauen auf der einen Seite danach, wie viele Leser und Follower der Blogger hat, aber hier existiert ja das Problem, dass sich mittlerweile einige Blogger ihre Leser kaufen, um mehr Aufträge zu erhalten. Deshalb kann man auf diese Zahlen nicht blind vertrauen“, sagt Segger. Ihre Agentur lege daher mehr Wert darauf, wie ein Blogger zu einem bestimmten Thema berichtet, wie viele Gedanken er sich macht oder wie viel Liebe zum Detail er hegt. „Unbekanntere Blogger berichten oftmals engagierter, deshalb gilt für uns: Qualität statt Quantität“, so Segger.

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