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Neues Tarifsystem : Übersicht: Die neuen Sparpreise der Bahn

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Das neue Tarifsystem der Deutschen Bahn soll Familien aus dem Auto und in die Züge locken.

          Es könnten ruhig mehr sein: Mit nur 40 Prozent Auslastung sind die Züge der Deutschen Bahn beileibe nicht so voll, wie sie meistens wirken. Das neue Tarifsystem der Bahn soll vom 15. Dezember 2002 an mit Sonderpreisen Abhilfe schaffen und mehr Kunden, besonders leidenschaftliche Autofahrer, anlocken. Doch startete die Bahn bereits ab dem 1. November den Vorverkauf für entsprechende Fahrscheine - wohl um das auch für die Bahn lukrative Weihnachtsgeschäft voll nutzen zu können. Das neue Tarifmodell setzt auf einen Grundpreis, drei gestaffelte Sonderpreise und eine neue Bahncard als Generalschlüssel zu Preisnachlässen. Als Extras gewährt die Bahn mehrere Mitfahrerrabatte und eine umfassende Familienregelung, bei der Kinder bis 14 Jahren sogar umsonst ihre Eltern begleiten können.

          Die wichtigsten Punkte im Überblick:

          Grundpreis: Er muss für „spontane“ Reisen gezahlt werden. Zum Bahnhof gehen, Karte lösen, in den nächsten Zug steigen. Die Preise sinken zum 15. Dezember bei Langstrecken über 180 Kilometer, bei kürzeren Strecken werden sie jedoch bis zu zehn Prozent höher. Im Nahverkehr bleiben die Preise unverändert. Mit einer Bahncard erhält der Reisende eine Ermäßigung von 25 (bisher 50) Prozent. Rückerstattung und Umtausch der Tickets sind vor dem Tag der geplanten Reise kostenlos.

          Plan&Spar 10: Den Grundpreis gibt es um 10 Prozent günstiger, wenn sich der Kunde auf einen Zug festlegen kann und einen Tag im Voraus bucht. Rückerstattung und Umtausch der Fahrkarte kosten extra. Mitfahrer- und Bahncard-Rabatt sind genauso hoch wie beim Grundpreis.

          Plan&Spar 25: Der Grundpreis wird um 25 Prozent günstiger, wenn der Reisende schon drei Tage vor Abfahrt bestimmte Züge für die Hin- und Rückfahrt bucht. Rückerstattung und Umtausch der Tickets kosten extra. Mitfahrer- und Bahncard-Rabatt sind genauso hoch wie beim Grundpreis.

          Plan&Spar 40: Hier gibt es den höchsten Abschlag vom Grundpreis. Die Bahn erlässt 40 Prozent des Ticketpreises, wenn der Kunde sich auf Zug, Hin- und Rückfahrt festlegt und sieben Tage im Voraus bucht. Außerdem muss zwischen Hin- und Rückfahrt ein Wochenende liegen. Rückerstattung und Umtausch kosten extra. Mitfahrer- und Bahncard-Rabatt sind genauso hoch wie beim Grundpreis. Insgesamt sind für alle Plan&Spar-Preise in jedem Zug mindestens 10 Prozent der Sitzplätze reserviert.

          Neue Bahncard: Die Ermäßigung schrumpft von bisher 50 auf 25 Prozent auf Grundpreis und Sondertarife, dafür sinkt der Preis für die Karte. Neu ist, dass der Rabatt auch auf die Sonderpreise der Bahn gewährt wird. Die Bahncard kostet vom 15. Dezember an 60 Euro (bisher 140 Euro) für die 2. Klasse und 150 Euro (bisher 280 Euro) für die 1. Klasse. Sie muss bei Familien künftig nur für ein Elternteil zum vollen Preis gekauft werden; für Partner und Kinder bis 17 Jahren gibt es Zusatzkarten gegen eine Bearbeitungsgebühr von 5 Euro.

          Alte Bahncard: Jede Bahncard des alten Typs (gewährt Ermäßigung von 50 Prozent auf Normalpreis) gilt vom Kauf-Datum an noch ein Jahr lang. Letztmalig kann sie am 14. Dezember 2002 gekauft werden. Supergünstig wird es damit jedoch nicht: die alte Bahncard kann nicht mit den Plan&Spar-Preisen verbunden werden. Es gilt: entweder immer 50 Prozent sparen oder hin und wieder 33 bis 55 Prozent sparen (Plan&Spar-Preis für Einzelperson plus neue Bahncard). Faustregel: für Einzelpersonen ist die alte Bahncard die günstigere Lösung, für Familien die neue. Die alte Bahncard kann ab einem Restwert von mindestens 15 Euro kostenlos in eine neue umgetauscht werden.

          Familien: Kindern in Begleitung eines Eltern- oder Großelternteils wird die Bahnfahrt geschenkt: Bis zum 14. Geburtstag können sie kostenlos mitfahren. Bisher war das nur für Kinder unter 4 Jahren möglich, bis zum 11. Lebensjahr kostete die Fahrt die Hälfte des Erwachsenenpreises. Reisen die Kinder allein, zahlen sie 50 Prozent, mit Bahncard nur noch 25 Prozent des jeweiligen Grund- oder Sonderpreises.

          Reisen mit Begleitung: Reisen für bis zu fünf Personen werden deutlich günstiger. Bis zu vier Begleiter eines Reisenden zahlen nur die Hälfte des Grund- oder auch der Sonderpreise. Mit der Bahncard kann der Preis um weitere 25 Prozent reduziert werden. Beispiel: Fünf Reisende mit Plan&Spar 40 sparen pro Person bis zu 73 Prozent gegenüber dem Grundpreis.

          Nahverkehr: Bei Verkehrsverbünden und Tarifgemeinschaften ändert sich nichts am Preissystem. Im Entfernungsbereich bis 100 Kilometer bleiben die Preise stabil. Die neue Familienregelung gilt auch im Nahverkehr. Die Bahn weist allerdings darauf hin, dass 60 Prozent der Verbindungen im Nahverkehr von Verkehrsverbünden gestaltet werden. Bei ihnen bemühe man sich um die Anerkennung der regulären Bahncard-Rabatte.

          Umtauschgebühren: Sind für Sondertarife happig: Wenn ein Kunde seinen gebuchten Zug nicht nutzen möchte, kann er die Plan&Spar-Fahrkarte umtauschen. Er muss dafür 15 Euro bis zum Ende der Vorverkaufsfrist und 30 Euro einen Tag vor Reiseantritt zahlen. Ändert der Kunde noch am Reisetag seine Pläne, muss er einen Plan&Spar-Zusatz für 45 Euro zuzüglich der Differenz zum Normalpreis zahlen. Damit will die Bahn erreichen, dass Spar-Kontingente nicht durch „Luftbuchungen“ blockiert werden. Wenn also jemand den Zehn-Prozent-Plan&Spar-Preis nutzt und statt 100 nur 90 Euro zahlt, das Ticket aber am Reisetag umtauschen will, müsste er 45 Euro Zusatz zahlen plus die Spardifferenz von zehn Euro. Er zahlt damit 90 Euro plus 55 Euro. Ohne Umtauschgebühr wären 190 Euro fällig, da das alte Sparticket verfallen und ein neues 100 Euro gekostet hätte.

          Gestrichen: Mit der Tarifreform werden Sonderangebote wie "Sparpreis" und "Super-Sparpreis" sowie das "Guten-Abend-Ticket" abgeschafft.

          Fragen zum neuen System beantwortet die Bahn ab sofort über eine „Hotline“ unter der Rufnummer 01805/35 55 53 für 12 Cent pro Minute.



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