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Neuengland : Sägt die Bäume ab, um die Wälder zu retten!

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Pinus strobus, die Weymouth-Kiefer, war das Objekt der besonderen Begierde. Denn die geraden und leicht elastischen Stämme der „white pines“, doppelt so hoch wie ihre europäischen Pendants in Norwegen und im Baltikum, eigneten sich hervorragend für die Masten auf den Schiffen der Royal Navy. In den Zeiten der Rahsegler waren diese Hölzer maritime Spitzentechnologie. „King’s pines“ hießen sie, nachdem die Admiralität alle großen Exemplare in den Wäldern der Kolonien als militärisch wichtig und deshalb zum ausschließlichen Eigentum der Krone erklärt hatte. Kolonialbeamte markierten diese Bäume auch auf dem privaten Land der Siedler mit einem großen Pfeil.

Die Unzufriedenen des Pine Tree Riot

Das stieß auf den Widerstand der Kolonisten, die das Holz für ihre eigenen Zwecke nutzen wollten und die königlichen Ansprüche als aufgezwungene Besteuerung ansahen. Illegaler Holzeinschlag und Raub waren die Folge. Zwar gilt allgemein die Boston Tea Party vom Dezember 1773 als Auslöser der Amerikanischen Revolution, doch war es ein Jahr zuvor der Pine Tree Riot, der als erster gewaltsamer Ausbruch von Unzufriedenheit in die amerikanische Geschichte einging. Besitzer von Sägemühlen in New Hampshire weigerten sich, die Strafe für illegales Baumfällen zu zahlen, und jagten die königlichen Inspektoren in die Flucht. Pinus strobus zierte kurz darauf auch die erste Fahne der amerikanischen Revolutionäre.

Als man die Kiefern fällte, entstand erst der Platz für langsam wachsende Arten und somit der typische bunte Mischwald.

Ob unter britischer Hegemonie oder in forscher amerikanischer Unabhängigkeit – zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts hatten die Siedler einen großen Teil der Wälder Neuenglands abgeholzt und abgebrannt, um das Land für Weiden und Äcker zu nutzen. Zum Vorschein freilich kam auf der verbrannten Erde ein steiniger, wenig fruchtbarer Boden, der nach einigen Jahren ausgelaugt war. Die Bauern zogen deshalb weiter gen Westen, wo das Land mehr Ertrag versprach, oder strömten im Zuge der Industrialisierung zu Tausenden in die Fabriken der Großstädte.

Der Wald aber kehrte in Form schnell wachsender Kiefern von ganz allein zurück und mit ihm eine andere Spezies Mensch: die Urlauber. Der Tourismusboom in den White Mountains von New Hampshire war einer der ersten und zugleich fieberhaftesten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts schafften die Eisenbahnen Tausende von Besuchern aus den Ostküstenmetropolen zwischen Boston und New York, Philadelphia und Baltimore in die abgelegene Berglandschaft. Grandhotels entstanden damals im Dutzend, viele mit eigenem Bahnanschluss und einer Kapazität von mehr als dreihundert Betten. Oft versorgten sie sich selbst mit Trinkwasser und Elektrizität, während eigene Farmen den Nachschub an Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukten erzeugten. Die Gäste entstammten vorwiegend der amerikanischen High Society. Industrielle wie John D. Rockefeller, John Jacob Astor und Thomas Edison kamen ebenso in die Wälder wie die Präsidenten Pierce, Grant und Garfield.

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