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Die neue Frankfurter Altstadt : Die Sehnsucht nach dem Gestern

Ein Areal, nicht größer als ein Fußballfeld: Der Zugang zur Frankfurter Altstadt vom Römerberg Bild: Carlos Bafile

Vor einem Jahr wurde in Frankfurt die Neue Altstadt eröffnet – unter den lauten Stimmen ihrer Kritiker. Ein Jahr später mag das Viertel mit dem Neobarock und der Fachwerkromantik niemand mehr missen.

          8 Min.

          Spricht man von der Neuen Frankfurter Altstadt, gerät oft aus dem Blick, wie klein das Gelände ist. Es entspricht gerade einmal der Größe eines Fußballfeldes. Mehr ist es nicht. Siebentausendsiebenhundert Quadratmeter. Es ist kein Stadtteil entstanden. Kein neues Revier. Es hat einfach nur ein einziges monströses Gebäude Platz gemacht für fünfunddreißig kleine Häuser, die so eng beieinanderstehen, dass das Ensemble baupolizeilich überhaupt nur deshalb genehmigt werden konnte, weil es im Bauantrag wiederum als ein einziges Gebäude beschrieben ist. Etwa so, wie wenn auf der grünen Wiese ein Einkaufszentrum entsteht, das später „Village“ genannt wird, ohne wirklich ein Dorf zu sein.

          Freddy Langer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das „Reiseblatt“.

          Vielleicht auch deshalb schien es nicht unangebracht, dass die Neue Altstadt mit Festreden, Aufführungen und Musik vor genau einem Jahr zwei Tage lang offiziell eröffnet wurde, obwohl die Bauzäune zu der Zeit schon eine ganze Weile verschwunden waren und jeder, der wollte, sich hatte umschauen können. Der Bau, der vier Jahre dauerte und etwa zweihundert Millionen Euro gekostet hat, wurde von der eigens gegründeten Dom-Römer-GmbH überwacht. Und jetzt verwaltet sie das Areal wie eine große Immobilie. Zuständig ist sie unter anderem dafür, dass die mehr als zwanzig Läden, Cafés und Restaurants an die richtigen Pächter vermietet werden, damit das Quartier gut besucht wird. Internationale Ketten sind ausgeschlossen, einheimische Pächter mit einheimischen Produkten werden bevorzugt behandelt. Sorgen, dass niemand kommt, musste man sich freilich nie machen. Von Anfang an schoben sich wahre Menschenmassen durchs Quartier. Nun strebt das Tourismusamt die Zahl von drei Millionen Besuchern im Jahr an. Bisweilen kann man den Eindruck gewinnen, sie seien schon da – und alle am selben Tag.

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