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Musikstadt Nashville : Erst hier lernt man den Parthenon wertschätzen

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Mitten in Nashville, nicht über Athen, steht dieser Parthenon. Bild: Imago

Nashville galt einmal als „das Athen der Südstaaten“ und hat sogar eine exakte Kopie des Parthenons erbaut. Doch heute werden die meisten Touristen von etwas anderem angezogen: der Musik.

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          Mitten in Nashville, Tennessee – also in den Südstaaten der Vereinigten Staaten, im harten, kargen Kernland –, auf einem kleinen Hügel, eingefasst von Bäumen, Hecken und Blumen, steht der Parthenon. Die Leute hier sagen, man habe den antiken Parthenon, das Original, das seit zweieinhalbtausend Jahren hoch auf der Athener Akropolis thront, so lange nicht in seiner vollen Größe und Anmut wahrgenommen, bis man es einmal in Midtown von Nashville, Tennessee, gesehen habe.

          Nashville nennt sich selbst „Music City“, weil hier so vieles seinen Anfang nahm, was die Musik- und Kulturgeschichte der Vereinigten Staaten und auch den Weltenlauf so beeinflusste – von Johnny Cash über Elvis Presley bis Dolly Parton, sie alle nahmen hier auf, und dieser Teil der Geschichte wird im Stadtbild mit allen Mitteln zur Schau getragen und vermarktet. Doch eigentlich trug Nashville ein halbes Jahrhundert lang, ungefähr ab 1850, inoffiziell einen viel poetischeren, sinnlicheren Namen: „Athens of the South“, das Athen der Südstaaten. Es klingt so erhaben wie enthoben, ein bisschen nach Luxusdampfer, wie „Freedom of the Seas“. Noch heute tragen viele alteingesessene Unternehmen „Athens“ im Firmennamen.

          Nashville erwarb sich diese Ehre, weil die Stadt früher als andere auf Bildung gesetzt hatte, auf öffentliche Schulen, auf Forschung, Kultur und Geist. Die Stadtväter eiferten dem antiken Ideal der Veredelung des Menschen nach – schon am Ende des 19. Jahrhunderts verfügte Nashville über sechs Universitäten, darunter die 1873 durch den Unternehmer Cornelius Vanderbilt gegründete gleichnamige Universität, die in der Folge zahlreiche Nobelpreisträger hervorbrachte und heute zu den Top-Eliteuniversitäten des Landes gehört. Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1865 galt die Stadt als eine der edelsten und gebildetsten.

          Bild: F.A.Z.

          Der unternehmerische Wille zur Selbstvermarktung beziehungsweise zur Fortschreibung am eigenen Mythos war früh ausgeprägt, und so entschied die Stadt 1895, anlässlich der Feierlichkeiten zum einhundertjährigen Bestehen, eine Art Expo zu veranstalten – als zentraler Ausstellungsort wurde im Maßstab 1 : 1 eine exakte, aber temporäre Kopie des Parthenons errichtet. Auf jedes Detail hatten sie geachtet, sogar die Säulen maßen die korrekte Entasis, die vom unteren Drittel an nach oben hin zulaufende Verjüngung des Säulendurchmessers.

          Die Bürger von Nashville waren so begeistert von ihrem neu zusammengezimmerten klassizistischen Bauwerk aus Holz, dass sie dreiundzwanzig Jahre lang mit zivilem Ungehorsam und Protesten den geplanten Abriss verhinderten. 1920 dann gaben die Stadtplaner nach und begannen, die Materialien des Gebäudes Schritt für Schritt durch Beton zu ersetzen – nun war es, wie das Original, mehr oder weniger für die Ewigkeit gebaut.

          Denn mit dem echten Parthenon ist es ja gerade so, dass er nicht durch Entropie und Vergänglichkeit in den recht kümmerlichen Zustand von heute geriet, sondern durch eine Explosion im Jahr 1687, als er den Osmanen im Krieg gegen die Republik Venedig als Munitionslager diente. Seither ist nur noch in Ansätzen zu erkennen, was er einmal war: der Tempel der Stadtgöttin Athena, gebaut aus pentelischem Marmor, mit einer dreizehn Meter hohen Skulptur aus Gold und Elfenbein in seiner Mitte. Nur ist davon heute eben nichts mehr zu sehen, und so kraxeln die ungezählten Akropolis-Besucher im Grunde genommen recht sinnlos die beschwerliche, arg rutschige Anhöhe hinauf.

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