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Nasenaffen in Malaysia : Da ist was im Busch

Der beste Schwimmer unter den Primaten: Der Nasenaffe. Bild: Getty

Es gibt viele gute Gründe zu fliehen. Das wissen nicht nur die Nasenaffen auf Pulau Gaya, einer kleinen malaysischen Insel im Norden Borneos.

          Der Affe zeigt sich nicht. Das Einzige, was man an diesem Morgen sieht, ist ein Käfer. Schwarz und dick wie ein Champagnerkorken kommt er gleich nach Betreten der üppig bewaldeten Insel um die Ecke geflogen, um unter großem Sumsumsum auf einer der untertassengroßen Blüten der Pergola zu landen, er verschwindet sogar darin, woraufhin die Blume heftig zu wackeln beginnt. Es sieht aus, als würde sie ihn fressen. Kann man den Pflanzen trauen? Was ist hier los?

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf Pulau Gaya, der 15 Quadratkilometer großen Insel vor der Küste Kota Kinabalus in Sabah, im malaysischen Nordosten der Insel Borneo, soll es sieben Naturwunder geben, so wird einem das angekündigt, und tatsächlich scheint nichts hier normal zu sein. Und während man sich noch wundert, brummt es irgendwo anders auf eine Art und Weise, die man noch nie gehört hat. Rashid steht da und sagt: „Carpenter bee.“ Eine Holzbiene. „Hat keinen Stachel. Sie bohrt sich in Holz, um zu nisten.“ Rashid arbeitet für die Umweltabteilung, ohne die ein Aufenthalt auf Pulau Gaya nur halb so interessant wäre.

          Aber die anderen Naturwunder verstecken sich an diesem Morgen erst einmal, überhaupt ist das große Thema in diesem Inselurwald Verstecken und Flucht: Wer sich zu lange sehen lässt, lebt gefährlich. Das gilt besonders für das bekannteste Tier Borneos, den Orang-Utan – aber der lebt, sehr dezimiert, weit weg in anderen Landesteilen, meist in Auffangstationen oder Schutzgebieten. Die wenigen wilden Exemplare haben gelernt, sich vom Menschen und seinen Maschinen fernzuhalten, er bringt Unheil. Der Anblick eines Orang-Utans löst im Betrachter längst Sinn- oder, genauer gesagt, Palmölkrisen aus: Wieso giert die Welt so nach dem Energieträger, für dessen Anbau die Regenwälder abgeholzt werden, wie viel davon ist im eigenen Kühlschrank, wieso müssen Holzfällerstraßen auch die entlegensten Gebiete Borneos wie Krampfadern durchziehen?

          Der besondere Primat

          Tatsächlich hat uns aber die Aussicht auf einen ganz anderen Primaten nach Pulau Gaya gelockt – einer, der sich nicht in Zoos halten lässt, weil so viele spezielle Blätter auf seinem Speiseplan stehen, die es nur hier gibt: Nasalis larvatus. Wer sein Antlitz einmal auf Fotos gesehen hat, vergisst dieses Tier nie wieder, schon allein weil er das, was ihn von allen anderen Primaten am deutlichsten unterscheidet, mitten im Gesicht trägt: einen birnenförmigen Hautsack.

          Seine Habitate sind überall auf Borneo bedroht: Von der weltweiten Gier nach wertvollem Tropenholz und billigem Palmöl.

          Darüber sitzen Augen, die furchtbar menschlich wirken, vermutlich weil sie so eng stehen, melancholisch, aufgeregt, nachdenklich, ganz unglaubliche Blicke wirft einem dieses Tier schon auf Fotos zu. Das Fell ist rotblond und grau an den Beinen, als trüge er Strumpfhosen. Meistens hat er auch einen nicht zu übersehenden Blähbauch, weil dort die Blätter – wie im Magen einer Kuh – fermentieren. Und wenn er dann noch in hockender Haltung dasitzt, wie ein austrainierter Yogi, ist man endgültig fasziniert. Naheliegenderweise heißt er Nasenaffe und ist nicht zu verwechseln mit den Stumpfnasenaffen, in deren Gesichtsmitte genau das fehlt, wovon der andere zu viel hat. Der nasenarme Kollege lebt in China und Vietnam und ist deutlich kältetoleranter, aber Abholzung und die Vernichtung seiner Habitate machen auch ihm das Überleben schwer. Wie viele Nasenaffen auf Pulau Gaya leben, weiß keiner so genau, auch, weil sie sich so ungern zeigen und schwer zu verfolgen sind.

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