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Namibia : Streit um des Kaisers Bart in Swakopmund

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Die Vergangenheit ist gegenwärtig Bild: srt / v. Poser

Der namibische Küstenort gilt als deutscheste Stadt südlich des Äquators - jetzt soll aufgeräumt werden mit dem angestaubten Kolonialimage.

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          Es ist kalt an diesem Augustmorgen in Swakopmund. Draußen vor dem Fenster, das von schweren Samtvorhängen umrahmt wird, hängen dichte Nebelschwaden. Vom Meer her weht eine salzige Brise. Die Schuhe auf dem Balkon sind klamm, die Pflanzen im Garten überzieht ein Flaum aus feinen Wasserperlen. Über die Mattscheibe des Fernsehers flimmert das ARD-Morgenmagazin. "Wie zu Hause", denke ich, und sinke zurück in das plüschige Kopfkissen, das mit dem Namen Hansa-Hotel bestickt ist.

          Die Zeiger der Holzuhr stehen erst auf halb neun, doch in der Roon Straße herrscht bereits Hochbetrieb: Die Parkwächter weisen ein Auto nach dem anderen in die Parklücken ein. Eine Mutter zerrt ihre beiden strohblonden Kinder in den Supermarkt. Im Hotel Atlantik gegenüber ist eine Reisegruppe mit dem Auschecken beschäftigt: Hektisch zieht der Kofferträger einen vollbeladenen Wagen hinter sich her, drängen die älteren Herrschaften in den Bus. Die meisten Gäste zieht es wegen des deutschen Erbes nach Swakopmund. Zwischen einem Besuch der riesigen Namib-Dünen von Sossusvlei und einer Safari in der Etosha-Pfanne im Norden ist die Stadt ein idealer Zwischenstopp, um deutsche Kolonialluft zu schnuppern.

          Im August 1893 landete der deutsche Major Curt von Francois mit 120 Soldaten und ein paar Dutzend Siedlern an der Mündung des Swakop-Flusses und legte den Grundstein für die Stadt. Etwas mehr als ein Jahrzehnt später war Swakopmund bereits eine Ansiedlung mit fast 2000 Einwohnern. Doch die deutsche Epoche währte nicht lange, denn schon 1915 wurde Namibia im Zuge des Ersten Weltkriegs von südafrikanischen Truppen besetzt. Über 70 Jahre stand Namibia unter dem Einfluss Südafrikas, die letzten Soldaten verließen das Land erst 1989.

          Antiquitätengeschäft mit bedenkenswerten Auslagen

          Deutsches Erbe

          Trotz der kurzen Besatzungszeit hinterließ die deutsche Kolonialherrschaft weitaus tiefere Spuren als die später folgende der Südafrikaner. Noch heute tragen die Straßen in Swakopmund deutsche Namen: Kaiser Wilhelm Straße, Bismarck Straße, Bahnhof Straße. Die Innenstadt schmücken Dutzende von alten Jugendstil- und Barockfassaden wie die des Alten Amtsgerichts, der Post aus dem Jahre 1906 oder des Hohenzollernhauses, dessen Front an Sonnentagen wie ein gelber Monolith in den stahlblauen namibischen Himmel ragt. Auch andernorts ist das deutsche Erbe sichtbar: In Peters Antiquitätenladen türmt sich Literatur aus der Kaiserzeit und aus dem Dritten Reich. Die Reichsflagge schmückt alle Ecken des kleinen Lädchens, so mancher Buchumschlag trägt ein Hakenkreuz.

          Als ein Stück Deutschland zwischen Wüste und Meer wird Swakopmund gerne bezeichnet. Doch viele Bewohner wollen aufräumen mit dem angestaubten Image der alten deutschen Garnisonsstadt - vor allem die Anhänger der Regierungspartei SWAPO. Seit zwei Jahren ist eine heiße Diskussion über die Abschaffung der kolonialen Straßennamen im Zentrum entbrannt. Der Streit um des Kaisers Bart dreht sich um Schilder wie Moltke-Straße und Garnisonstraße, Bismarck-Straße und Kaiser-Wilhelm-Straße. Sie sollen endlich verschwinden, meinen die einen; das deutsche Erbe ziehe viele Touristen an, argumentieren die anderen. Am Ende wird wohl die Mehrheit entscheiden - und das sind im Zweifelsfall die etwa 60 Prozent schwarzen Bewohner.

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