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Namibia : Spröder Charme der Namib

  • -Aktualisiert am

Elefanten lassen sich nur ungern beobachten Bild: srt/Fabian v. Poser

Auf Elefantenmist trifft man in der Regel häufiger als auf die Dickhäuter selbst: sie gehen ihren eigenen Weg und lassen sich nicht gerne in die Karten schauen.

          Die Namib ist für Wanderer ein heißes Pflaster. Deshalb schultern wir unsere Rucksäcke meist schon im Morgengrauen. Auf alten Zebra- und Rhinopfaden führt uns Joe schlafwandlerisch sicher durch die endlose Weite. Beim ersten Blick sieht das Auge meist nur eins: gähnende Leere. Mal türmen sich am Horizont ein paar Felsen, mal schimmert irgendwo ein sandiger Streifen. Sonst nichts.

          Erst bei genauem Hinsehen entfaltet die Wüste ihren Charme. Am Horizont grast gelassen eine Zebraherde, in sicherer Entfernung traben einige Oryx davon. Unerwartetes Leben auch am Boden: Zwischen Kakteen und Tsama-Melonen tummeln sich Scharen von Kleintieren, von der Agame bis zum Chamäleon.

          Wüstenmenü mit zwei Gängen plus Digestiv

          Nach einer anstrengenden Tagesetappe erreichen wir das Barab-Revier. Es ist fünf Uhr nachmittags, Zeit die Zelte aufzubauen und das Abendessen vorzubereiten. Mit flinken Handgriffen gräbt Joe am Rande eines Wasserlochs eine Kuhle. Bald ist ein kleiner Pool mit glasklarem Trinkwasser gefüllt. Sorgfältig schöpft er das dem schlammigen Boden abgetrotzte Wasser Schluck für Schluck in einen der grün gepinselten Alutöpfe aus Armeebestand. Nur Augenblicke später köchelt das zweigängige Wüstenmenü: Nudeln mit Bergzebrafleisch, als Nachspeise Trockenfrüchte. Zum Sonnenuntergang macht Joes Whiskyflasche die Runde.

          Beim Aufspüren von wilden Tieren ist man im Jeep manchmal erfolgreicher als zu Fuß

          Elefant Shit ahead!

          Am nächsten Morgen ist die Welt draußen in Einsamkeit erstarrt. Am Himmel leuchten noch die Sterne. Nach einigen Müsli-Happen stehen wir mit 20 Kilogramm auf dem Rücken in voller Montur Spalier. Ein Zebrapfad führt den Flusslauf hinauf durch das Barab-Revier. Das Klicken der Wanderstöcke ist in der morgendlichen Stille das einzige Geräusch. Die Beine tragen uns über mächtige Felsplateaus, riesige Geröllebenen und goldgelbe Sanddünen. Stundenlang trotten wir im Gänsemarsch hintereinander her. Bis Joe plötzlich inne hält. "What's up?", flüstert Francisco. "Elefant shit", erwidert Joe ihm. "Three days old." Elefantenmist, drei Tage alt.

          Spuren im Sand bleiben wochenlang sichtbar

          Unsere Freunde waren also mal wieder vor uns hier. Für den Laien scheint es verwunderlich, dass man in der Weite der Namib, wo man jeden Strauch aus mehreren Kilometern Entfernung sieht, nur selten auf Elefanten stößt. Aber auch sie sind nur schwer auszumachen und folgen abhängig von der Jahreszeit ihren ganz eigenen Routen. Immerhin 250 Wüstenelefanten soll es in der Region noch geben. Auch Löwen und Hyänen begegnet man nur sehr selten. Dafür stößt man überall auf ihre Spuren. Im trockenen Wüstensand erhalten sich die Fußabdrücke Wochen, ja Monate lang.

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