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Wandern : Abschied vom Alpenfex

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Ein "neuer Wanderer" geht um in Europa. Er ist jung, beruflich erfolgreich und genußfreudig. Kein Wunder, daß die Hotellerie auf diesen finanzkräftigen Urlauber aufmerksam geworden ist.

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          Ein "neuer Wanderer" geht um in Europa. Er ist jung, beruflich erfolgreich, gesundheitsbewußt und genußfreudig. Beinahe zehn Prozent der Deutschen über vierzehn Jahre nennen das Wandern als beliebtestes Freizeitvergnügen, und der Anteil der Zwanzig- bis Vierzigjährigen macht bereits die Hälfte aller Wanderurlauber aus. Aktuellen Studien zufolge haben vor allem Menschen aus den gehobenen Bildungs- und Einkommensschichten das Wandern für sich entdeckt. Kein Wunder, daß die Hotellerie auf diesen finanzkräftigen Urlauber aufmerksam geworden ist. In Österreich, Südtirol und der Schweiz haben sich inzwischen sechzig Häuser unter dem Namen "Europa-Wanderhotels" zu einer Angebotsgruppe zusammengeschlossen. In diesem Jahr sind zum ersten Mal auch zwei deutsche Hotels aus dem Schwarzwald und dem Sauerland vertreten. Insgesamt stehen fast viertausend Gästebetten zur Verfügung.

          Eckart Mandler, Geschäftsführer der Gruppe und selbst Bergführer und Hotelbesitzer in Kärnten, sieht die statistischen Erhebungen im Urlaubsalltag bestätigt: "Die überwiegende Mehrheit der Wanderer entspricht nicht mehr dem Klischee des typischen Alpenfexes, im Gegenteil: Unsere Gäste sind in der Regel keine Gipfelstürmer, sondern Wohlfühlsportler. Sie bevorzugen mittlere Höhen, ein gemächliches Tempo und mäßige Streckenlängen zwischen zehn und fünfzehn Kilometern pro Tag. Und sie legen Wert auf gutes Essen und regionale Küche."

          Rucksack zum Leihen

          Auf diesen neuen Typ des Wanderers haben sich die Hotels eingestellt und einen Kriterienkatalog erarbeitet, den jedes angeschlossene Haus erfüllen muß. Eine schöne Lage in einer traditionellen Wanderregion ist Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft. Rucksäcke, Trinkflaschen und Wanderstöcke können in jedem Hotel kostenlos ausgeliehen werden. Es gibt eine Wander-Infothek mit Karten, Naturführern und Pflanzenbüchern, außerdem einen Wander- und Vitalshop mit Produkten rund um Wandern und Wellness. Hinzu kommen kostenloser Transport zum Bahnhof bei Ausflügen in die weitere Umgebung, Entspannungsmöglichkeiten in Sauna und Dampfbad sowie regionale und gesunde Kost im eigenen Restaurant.

          Die Hotels befinden sich im Familienbesitz, und die Gastgeber sind selbst begeisterte Wanderer. Sie verstehen sich als "Wander-Coaches" und individuelle Betreuer ihrer Gäste, bieten persönliche Tourenberatung an und veranstalten mindestens dreimal pro Woche kostenlos Wanderungen unter eigener Führung oder mit einem ausgebildeten Bergführer. Dabei wird auch auf die Vielfalt geachtet: Anstrengende Bergtouren für erfahrene Wanderer stehen ebenso auf dem Programm wie naturkundliche Spaziergänge, Kurse im Nordic Walking und leichte Touren für Einsteiger. Und fast überall gehört Schneeschuhwandern zum Angebot, denn der neue Wohlfühlwanderer hat längst auch den Winter als Saison für sich entdeckt.

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