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Tourismus : Kampfplatz Sonne, Strand und Sicherheit

  • -Aktualisiert am

Strenge Sicherheitskontrollen in Amerika verängstigen viele Touristen Bild: AP

Der Tourismus sucht seine Zukunft: Der Markt der Reisebranche stagniert, und die Reiselust nimmt bei Urlaubern ab. Dabei spielt nicht nur der Terrorismus eine Rolle, sondern auch fragwürdige und würdelose Sicherheitskontrollen.

          7 Min.

          Was ist nur los bei den Weltmeistern im Reisen? Der Höhepunkt ihrer Reiselust zur Jahrtausendwende liegt nun schon sechs Jahre uneingeholt zurück, ihr Traumland Amerika hat sich in einen Einreise-Albtraum verwandelt, die drei großen „S“ der Pauschalreiseindustrie wechselten auf verwirrende Weise ihre Bedeutung: Statt an Sonne, Strand und Sex wie in den unschuldigen Sturm-und-Drang-Zeiten der jungen Branche Tourismus, denkt der Urlauber nun eher an Sonne, Strand und Sicherheit. Und jetzt wird auch noch die Heilige Dreifaltigkeit der nachkriegsdeutschen Urlaubswelt, die Pauschalreise mit Hotel, Transfer und Charterflug, ins Werksmuseum verabschiedet - pikanterweise vom Erben ihres Gründervaters.

          Zweiundvierzig Jahre nachdem der Konsumpionier Josef Neckermann industrielle Methoden aufs Flugreisegeschäft übertrug und damit die billige Flugpauschalreise für jedermann erfand, erklärt sein heutiger Nachfolger Thomas Holtrop dieses Zeitalter für beendet. „Innerhalb des Veranstaltergeschäfts bietet die klassische Pauschalreise kein Wachstumspotential mehr“, verkündete der neue Mann an der Spitze des Reisekonzerns Thomas Cook, zu dem der Veranstalter Neckermann und die Fluggesellschaft Condor von ihren Müttern Karstadt und Lufthansa zusammengefügt wurden, öffentlichkeitswirksam bei der Branchentagung des Deutschen Reiseverbands auf Teneriffa. Wie nicht anders zu erwarten, stach er mit der neuen Doktrin seines Hauses in ein Wespennest.

          Veranstalter haben ihr Herrschaftswissen verloren

          Denn die Pauschalreise nach deutschem Muster ist kein Himmelsgesetz, sondern ein Kind der Luftverkehrspolitik. Sie entstand sozusagen als Trick, weil die billigen Charterflugpreise auf dem regulierten deutschen Luftverkehrsmarkt mit seinen vom Staat festgesetzten, viel höheren Tarifen nicht bekanntgemacht werden durften. Nur als Teil eines Pakets von drei Leistungen - Hotel, Transfer und Flug - wurde der günstige Charterflug vom Verkehrsministerium genehmigt. Spätestens seit der Liberalisierung des Luftverkehrs im Jahr 1993 ist es mit dieser Geschäftsgrundlage vorbei: Jede Fluggesellschaft kann fliegen, wohin sie will, jede kann jederzeit neue Preise bestimmen und sie dem Publikum von einer Minute zur nächsten direkt anbieten. Was seitdem vorhersehbar war, ist nun tatsächlich Wirklichkeit geworden. Jeder macht alles, und eine Reise buchen, das kann die Kundschaft überall: bei der Fluggesellschaft, beim Veranstalter, an der Tankstelle, beim Kaffeeröster, im Hotel, im Reisebüro, im Internet, am Telefon. Tickets für Bahn und Flug besorgt man sich zu Hause am Computer. Und seit ein paar Tagen bietet die Lufthansa ihren Passagieren an, sich auch den Sitz für ihren Flug am PC zu Hause oder im Büro auszusuchen und ihre Bordkarte dort direkt auszudrucken.

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