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Toskana mit Kindern : Niente lamento

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Wenn die Landschaft den Erwartungen stand hält, ist alles andere halb so schlimm: die mittelalterliche Stadt San Gimignano im Chianti-Land Bild: dpa

Urlaub mit Kindern in der Toskana kann wunderschön sein. Doch was macht man, wenn sich die Herberge als müffelige Höhle entpuppt? Viel Eis essen, die Natur genießen und improvisieren.

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          Wir wollten Dolce Vita, einen Urlaub, bei dem sich das Leben zwei Wochen lang ausschließlich von der süßen Seite zeigt, für uns Eltern und für unsere beiden kleinen Kinder. Was lag da näher, als den vielen Familien vor uns zu folgen und in die Toskana zu fahren? Die Vorteile lagen auf der Hand: mit dem Auto relativ bequem erreichbar, sonnenverwöhnt, kinderfreundlich. Getreu dem Motto "Sind deine Kinder froh, dann bist es auch du", buchten wir im Internet "Ferien auf dem bäuerlichen Familienbetrieb". Ein nettes Appartement war da auf Fotos zu sehen, ein Pony und ein Esel zum Streicheln, und der Sohn und die Tochter der Wirtsleute schienen zwei richtig süße Racker und genau im passenden Spielalter für unseren Nachwuchs zu sein.

          Doch als wir nach der nächtlichen Autofahrt endlich am Ziel waren, konnten wir nur noch hoffen, es läge eine Verwechslung vor. Es schüttete aus Kübeln, der Esel tot, das Pony verkauft, die Bauernkinder hatten längst den Führerschein gemacht und der ländlichen Einsamkeit den Rücken gekehrt. Es mag ja sein, dass die Zeit rasend schnell vergeht und man auf einem Bauernhof anderes zu tun hat, als ständig die Internetseite zu aktualisieren. Was wir aber wirklich übelnahmen, war die Chuzpe, unser Appartement dort als "Oase zum Wohlfühlen" zu beschreiben.

          Matratzen von Nonna

          Jeder Mensch hat individuelle Ansprüche und andere Ansichten darüber, was eine Wohlfühloase ist. Mit Betten aus Großmutters Inventar hatten wir gerechnet, auf der Internetseite war unsere Herberge schließlich als "Haus im ländlichen Stil" beschrieben worden. Dass aber die Nonna und wer weiß wie viele Generationen vor ihr sich offenbar auch schon auf deren Matratzen zur Ruhe gebettet hatten und diese seitdem nicht mehr gereinigt worden waren, lag außerhalb unserer Vorstellungskraft. Um es kurz zu fassen: Die Bude war eine düstere Höhle, müffelte, und man hatte vor unserer Ankunft allerhöchstens ein wenig Staub gewischt.

          Was also tun? Weinend zusammenbrechen? Fluchen? Flüchten? Das Beste aus der Situation machen? Für Letzteres hatten sich offenbar schon Gäste vor uns entschieden, jedenfalls deuteten darauf die von der Decke baumelnden Lavendel-Duftbäumchen hin. Sie gaben uns Mut. Jetzt heißt es, Schwächen in Stärken umwandeln, sagten wir uns. Dies ist eine Chance, unseren Kindern zu zeigen, dass übertriebenes Anspruchsdenken ein Laster der Zeit und weniger mehr sein kann. Also los: den monströsen elektrischen Luftentfeuchter im Schlafzimmer dem Nachwuchs als freundliche Aufmerksamkeit des Vermieters verkauft - der hält den Modergeruch in Zaum. Praktisch sein: die schmierigen Filzüberdecken im Schrank versenkt, nachts einfach ein paar warme Socken angezogen. Umsicht walten lassen: das Bad mit Desinfektionsmittel ausgesprüht, die toten Fliegen zusammengekehrt und gut durchgelüftet. Dann jeden Abend ausreichend dem phantastischen toskanischen Rotwein zugesprochen - und schon sah die Welt wieder richtig rosig aus.

          Glühwürmchen als Stimmungsaufheller

          Nicht umsonst heißt es, dass man Glück nach einer Phase der Enttäuschung besonders intensiv empfinden kann. Wir freuten uns unbändig über die herrliche toskanische Natur und ihre Früchte, hielten bei Ausflügen an jeder Eisdiele an und berauschten uns an den Glühwürmchen, die uns die italienischen Nächte schenkten. Umso härter traf uns daher nach all unseren elterlichen Beweisen von Abenteuertauglichkeit und Improvisationstalent der kritische Blick unseres dreijährigen Sohnes. Stirnrunzelnd stand er am dritten Tag vor uns und fragte: Wann fangen wir denn endlich mal mit dem Ferienmachen an? kig

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