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Tisch und Bett : Hotelzimmer mit Lieblingsautor in Zürich

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"Zimmer 209, zweiter Stock, am Ende des langen Flurs rechts." Der Hinweis des Portiers läßt nichts Ungewöhnliches vermuten. Doch hinter der Tür wartet eine Überraschung. Das ganze Zimmer ist Thomas Mann gewidmet.

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          "Zimmer 209, zweiter Stock, am Ende des langen Flurs rechts." Der Hinweis des Portiers läßt nichts Ungewöhnliches vermuten. Doch hinter der Tür wartet eine Überraschung. Das ganze Zimmer ist Thomas Mann gewidmet. Ein wandgroßes Gemälde zeigt Dinge und Szenen, die mit seinem Leben in Verbindung stehen: ein Bücherregal, ein handschriftliches Manuskript, das Haus auf der Kurischen Nehrung, Abschiede und Exil symbolisiert durch ein Propellerflugzeug. Auf dem Schreibtisch liegt eine illustrierte Biographie mit Texten, Fotos und Handschriften, daneben eine Faksimile-Ausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung" aus dem Jahr 1936, in der ein ausführlicher Artikel über den Dichter erschienen war. Und dann die Bücher des Autors: sinnigerweise ganz vorn der "Felix Krull" mit seinen Hotelgeschichten, dahinter Romane und Erzählungen, um den Gast eine Woche lang im Zimmer festzuhalten.

          Klagen über verpaßte Geschäftstermine sind der Direktion bisher nicht zu Ohren gekommen, doch mancher Tourist hat schon einen Stadtbummel verschoben oder einen Museumsbesuch geopfert, um sich der Lektüre zu widmen. Die Unterkunft wird unversehens selbst zum Erlebnis. Denn Thomas Mann steht hier nicht allein: Alle sechsundsechzig Zimmer des "Rigihofs" sind Menschen gewidmet, deren Leben und Werk einmal mit der Stadt Zürich in Verbindung standen und, so das Auswahlkriterium des Hotels, "für einen weiten Kreis Wertvolles, Unvergeßliches oder Typisches geschaffen oder erfunden haben".

          So kann man in Nummer 101 die Romane und Dramen von Max Frisch lesen, in anderen Zimmern seine Zeit mit den Büchern von Ricarda Huch, James Joyce, Georg Büchner und Gottfried Keller verbringen oder den Aufenthalt zu Studien über Pestalozzi, Röntgen oder Gottfried Semper nutzen. Mancher mag sich auch für die Confiseure Rudolf Sprüngli und Emil Hegetschweiler interessieren, deren Erzeugnissen in den Cafes und Konditoreien an der Züricher Bahnhofstraße gehuldigt wird.

          Als der "Rigihof", 1931 im Bauhaus-Stil errichtet, vor fünf Jahren von Grund auf umgebaut und renoviert wurde, entschloß sich die Direktion nicht nur zu einer Wiederbelebung der Bauhaus-Tradition an der Rezeption, in den Fluren und im Restaurant, sondern auch zur besonderen Dekoration der sogenannten Zürich-Zimmer. Einige Stammgäste, so heißt es, buchten ausschließlich das Zimmer ihres Lieblingsschriftstellers, andere arbeiteten sich langsam durch die illustre Gesellschaft der hier vertretenen Namen hindurch.

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