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Tirol : Mit Sitzheizung durch das Revier des Steinadlers

Auf dem Weg ins neue Großglockner-Resort Kals Matrei Bild: GGR, Kals-Matrei

Osttirol rüstet nach: Das neu eröffnete Großglockner- Resort verbindet die Orte Kals und Matrei - und überwindet den Graben zwischen Moderne und Tradition.

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          Ende Oktober 1980 eröffnete das Matreier Skigebiet Goldried. Für knapp vierzig Millionen Schilling - heute umgerechnet drei Millionen Euro - wurden zwei Doppelsesselbahnen auf den Berg gestellt. Den Großteil des Gelds hatte ein schwedischer Investor aufgebracht, während sich die Gemeinde nur mit einem Sechstel der Summe beteiligte. In den neunziger Jahren wurde das Skigebiet an eine schillernde Figur aus dem Zillertal verkauft: an Heinrich Schultz, genannt "Millionenheini". Der hatte als Sohn eines lettischen Einwanderers das Kunststück vollbracht, erstens das Herz einer heimischen Bauerstochter zu gewinnen und zweitens sich mit seinem geschäftstüchtigen Schwiegervater zu einem unschlagbaren Team zu verbinden. Die merkantile Spürnase der beiden Herren war ausgeprägt: Schon Ende der siebziger Jahre hatte Schultz den Skibetrieb im Hochzillertal eröffnet, später kaufte er die Gebiete Ankogel, noch später Matrei.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Heute führen seine Kinder Heinz und Martha die Geschäfte, offensichtlich mit Erfolg. "Skifidelity" nennt sich die Schultz-Gruppe selbstbewusst. Fünf Skigebiete und zwei große Sporthotels zählen zum Imperium, das jüngste Projekt ist Mitte Dezember eingeweiht worden: Der Zusammenschluss der Ortschaften Kals und Matrei, er firmiert unter dem Namen "Großglockner Resort". Kals-Matrei, das behauptet jedenfalls die Eigenwerbung, ist das erste für Massentourismus geeignete Skigebiet in Osttirol. Masse? Wer wirbt denn heute noch mit solchen garstigen Worten?

          Ankurbelung des Tourismus

          Die Voraussetzungen für den Zusammenschluss waren längst vorhanden, die Natur hat sie geschaffen, indem sie rundherum, um es skifidel zu sagen, "legendary mountains" hingestellt hat. Man ist hier in den Zentralalpen, am Hauptkamm des Gebirges, und das hat Folgen: Sechzig Dreitausender in Sichtweite, die man vom Gipfel der Großglockner-Resorts sehen kann, zum Greifen nahe er selbst, der höchste Berg des Landes. Eine solche Lage hat Begehrlichkeiten in der Bevölkerung nach Ankurbelung des Tourismus geweckt. Aber fast dreißig Jahre sind ins Land gegangen, bis das Projekt verwirklicht werden konnte.

          Die Adler Lounge mit Aussichtsplattform, 2621 Meter über dem Meer.

          Das war ein wenig teurer als in den Anfangstagen. In der aktuellen Ausbauphase hat die Schultz-Gruppe einunddreißig Millionen Euro investiert - gut das Dreizehnfache der ersten Bauphase war nötig, um Pisten, Liftanlagen und die Gipfelstation zu errichten; auch ein Speichersee für die Schneekanonen wurde angelegt. Ein Finanzierungsproblem scheint es indes im innovationsfreudigen Österreich nicht zu geben. Das Arbeitsplatzargument ist auch hier unschlagbar, zudem hält man am Alpenhauptkamm offenbar weniger von den Erderwärmern ringsum - auch wenn die Demographen dem alpinen Skisport schwindende volkswirtschaftliche Bedeutung vorhersagen. Als "erfolgreiches familiengeführtes Unternehmen" hat die Schultz-Gruppe nach Auskunft von Martha Schultz kein Problem, solche Summen zu stemmen; zudem hat sich die öffentliche Hand in Form des Landes Tirol mit sieben Millionen Euro beteiligt. Zielgruppe des neuen Resorts seien sportliche Genießer, insbesondere auch Familien, die keinen Wert auf Après-Ski oder Boutiquen-Shopping verspürten.

          Vorteil der Verschlafenheit

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