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Südtirol : Italienisch für Anfänger

Von hier an: Italien Bild: F.A.Z. - Jan Roeder

Den Brenner im Rückspiegel, den ersten Espresso in der Tasse: Die Raststätte Stilfes ist der beliebteste Ort Südtirols. Denn hier beginnt für den deutschen Touristen Italien.

          5 Min.

          Hier beginnt Italien. Hier, an dieser ersten Raststätte hinter der Grenze, wird die jahrhundertealte Italiensehnsucht der Deutschen endlich gestillt. Endlich der Brenner im Rückspiegel, endlich der tiefblaue Himmel, endlich das Licht des Südens, endlich die warme Luft, endlich das Schild Autogrill, endlich: der erste Espresso! All die Wünsche - hier finden sie ihre Erfüllung.

          Andreas Lesti
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Auf diesem Parkplatz setzen die Menschen ihre Sonnenbrillen auf, kramen ihre piepsenden Handys hervor, lesen die Begrüßungs-SMS von "TMT Italia", und wenn sie vom Display aufblicken, sehen sie direkt auf die Segafredo-Plakate: Una sosta di piacere - eine Rast des Vergnügens.

          Hier beginnt der Massentourismus

          Und hier beginnt der Massentourismus. Seit Italien 1998 Schengenstaat wurde, seit es oben an der Paßhöhe keine Paßkontrollen mehr gibt, halten die 4,5 Millionen Fahrzeuge, die jährlich über den Brenner fahren, nicht mehr am Grenzübergang, sondern erst hier: Die Ankunft in Italien ist ein Stückchen weiter nach Süden gewandert, zu dieser Raststätte, dem beliebtesten Ort Südtirols: zum Autogrill von Stilfes. "Im Jahr 2004 sind rund 450.000 Menschen an dieser Raststätte ausgestiegen", sagt Christina Rossi von Autogrill. Vergleicht man das mit anderen italienischen Urlaubsorten, dann müßten Tourismusexperten neu über diese Raststätte nachdenken.

          Bild: F.A.Z.

          Mit diesen 450.000 Ankünften schlägt sie nämlich sämtliche Südtiroler Tourismusorte bei weitem. Der Weinprobenort Kaltern am See kam im Jahr 2004 auf 78653 Besuche, die idyllische Kurstadt Meran auf 181.518, und selbst die vielseitige Landeshauptstadt Bozen kam mit 207.349 nicht mal auf die Hälfte. Die Surf- und Fahrradhochburg Riva am Gardasee (197.259) und der Badeort Rimini (301.884) können ebenfalls nicht mithalten. Und auch das Kulturziel Verona hat mit 548.985 Besuchen nicht viel mehr. Laut Christina Rossi verzeichnet die Raststätte übrigens jährlich fünf Prozent Zuwachs. Noch so eine Tourismustraumzahl.

          Herb und Häßlich

          Doch sind die Zahlen auch noch so schön - der beliebteste Ort Südtirols bleibt herb und häßlich. Die Luft riecht ein bißchen mehr nach Benzin als nach Kaffee, die Motoren sind lauter als die Vögel, und statt einer hübschen toskanischen Villa empfängt ein schäbiger Steinbau mit der Leuchtschrift Alemagna all die Deutschen, die sehnsüchtig mit dem Auto nach Italien reisen. Das keilförmige Gebäude fällt architektonisch nur durch seine silbernen Lüftungsschächte auf dem Dach auf. Zwei gläserne Schwingtüren führen in den Raststättensaal, an dessen Ende eine Kasse und ein Marmortresen die schummrige Deckenbeleuchtung absorbieren. Hinter dem Drehständer mit Chipstüten warten Spielzeugmotorräder und Batman-Kostüme, Plastikkampfhubschrauber und Minidinosaurier darauf, Kinder in Versuchung und Eltern in den Wahnsinn zu führen.

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