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Südtirol : Der Herr Graf hat es gern modern

Der Kalterer See, ein freundliches, friedvolles, von Reben idyllisch eingerahmtes Badegewässer im Herzen Südtirols, galt Weinliebhabern lange als Ort des Schreckens und der Finsternis. Denn der See war das Synonym für lieblos hergestellten Massenwein.

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          Der Kalterer See, ein freundliches, friedvolles, von Reben idyllisch eingerahmtes Badegewässer im Herzen Südtirols, galt Weinliebhabern lange als Ort des Schreckens und der Finsternis. Denn der See war das Synonym für lieblos hergestellten, bedenkenlos verramschten Massenwein, für eine süßliche Pfütze, die sich ahnungslose Wandertouristen als klebriges Urlaubssouvenir kistenweise in den Kofferraum luden. Der Kalterer See ist immer noch schön und nett und wird ausgesprochen pittoresk von Burgruinen, Grafenschlößchen, Herrgottskreuzen und den ersten Sendboten des Südens eingefaßt, von Pinien und Palmen, Zypressen und Olivenbäumen, Magnolien und Oleandern, die seit Jahrtausenden dekorativ vor den Dolomiten-Gipfeln ringsum stehen. Ansonsten aber ist am Kalterer See nichts mehr, wie es einmal war.

          Jakob Strobel y Serra
          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          Die Karriere des Südtiroler Weins kann nicht anders als spektakulär genannt werden. Aus der Traubenpansche früherer Tage sind innerhalb eines Jahrzehnts Spitzenerzeugnisse geworden, die keine Konkurrenz mehr scheuen müssen. Vor allem die Weißweine gelten inzwischen neben denen aus Friaul als die besten Italiens. Und von den hundertzweiundvierzig "Grandi Vini" der italienischen Weinbibel Gambero Rosso stammen vierundzwanzig aus Südtirol - obwohl in der nördlichsten Region des Landes nur 0,7 Prozent der nationalen Anbaufläche liegen. Von "sensationellen Qualitäten", denen nun nichts mehr als die internationale Anerkennung fehle, spricht auch der Fernseh- und Gourmetkoch Alfons Schubeck, der es wissen sollte, weil er oft über den Brenner kommt und in München in den "Südtiroler Stuben" hinter dem Herd steht; auf seiner Weinkarte stehen mittlerweile achtundzwanzig Posten aus dem Alto Adige.

          Weniger Ertrag, mehr Qualität

          Die natürlichen Voraussetzungen für den Weinbau sind in Südtirol ideal. Große Temperaturunterschiede mit mitteleuropäisch kalten Nächten und mediterran warmen Tagen sorgen dafür, daß die Säure erhalten bleibt und die Weine trotz der vielen Sonne nicht fett werden, während die Moränenböden als Hinterlassenschaft der Gletscher den Trauben eine starke mineralische Note geben. Doch diese Großzügigkeit der Natur verführte die Winzer jahrzehntelang dazu, vor allem große Mengen zu produzieren. Der Pergola-Anbau, der bei ertragreichen Rebsorten mit schweren Trauben angewendet wird, dominierte bis vor wenigen Jahren und ist noch immer oft zu sehen. Doch mehr und mehr Weinbauern stellen auf das Drahtrahmenspalier um, reduzieren den Ertrag zugunsten der Qualität um bis zu dreißig Prozent und bauen neben den autochthonen Sorten Lagreiner, Traminer und Vernatsch auch die Lieblinge der globalisierten Weinwelt an, also Chardonnay, Sauvignon, Pinot oder Merlot, und stellen sich damit dem internationalen Vergleich.

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