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Start der Skisaison : Wie wird der Winter?

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Echt oder nicht echt? „In den Bergen wird ganz sicher nachgeholfen werden“ Bild: dpa

Die wichtigsten Fragen, bevor die Saison in den Bergen beginnt: Wie wird das Wetter? Wieso gibt es eigentlich Skilehrer? Und warum braucht kein Mensch Flügerl?

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          Wie wird das Wetter?

          Der neue Werbespot von Schweiz-Tourismus geht so: Ein Mann in Hut und Hosenträgern steht auf einer Alm und redet, dann geht er in den Wald zu einem Ameisenhaufen und redet, und am Ende ist er von oben bis unten mit Ameisen bedeckt - und redet immer noch. Doof ist nur, dass er Schweizerdeutsch spricht, und das verstehen genau jene nicht, an die sich der Spot richtet: die Touristen. Am Ende wird zwar „Jetzt Winterferien buchen“ eingeblendet, aber warum, hat sich dem Nordeuropäer nicht erschlossen, zumal gar kein Schnee zu sehen ist.

          Wenn man jemanden kennt, der Schweizerdeutsch versteht, erfährt man Folgendes: Der Mann ist ein Wetterprophet, ein Mitglied der Muotathaler Wetterschmöcker, die das Wetter anhand von Naturbeobachtungen voraussagen. Und die Ameisen guckt er sich so genau an, weil er von ihnen auf den Winter schließt. Angeblich sagt er: „Die Ameisen haben Oberschenkel wie Skirennläufer, und deshalb gibt es bei uns einen verreckt-schönen Winter.“

          Weil der Winter in der Schweiz in den letzten Jahren eher verreckt als schön war, hat man jetzt wohl lieber einen Wetterschmöcker als einen Meteorologen nach der Prognose gefragt. Denn die Meteorologen sind da etwas vorsichtiger. Urs Keller von Meteo Schweiz in Zürich sagt zwar, dass es ganz sicher Schnee geben werde, aber er fügt hinzu: „In den Bergen wird da auch ganz sicher nachgeholfen werden.“ Ein seriöser Meteorologe könne gar nicht den ganzen Winter voraussagen, bei Meteo Schweiz mache man nur Aussagen für die nächsten drei Tage, maximal für die nächsten zwei Wochen. „Alles andere ist Spekulation“, sagt Keller, „ich aber bin Prognostiker!“

          Nach dem unausweichlichen Desaster des ersten Wintersporttages sucht man Trost beim Après-Ski
          Nach dem unausweichlichen Desaster des ersten Wintersporttages sucht man Trost beim Après-Ski : Bild: dapd

          Die Voraussagen der Muotathaler Wetterpropheten kann man auch im Internet lesen, aufgeschrieben versteht man sie auch. Und offenbar sind sich auch die Naturburschen nicht ganz einig. Einer spricht von Schnee im Überfluss, einer von einem mageren Winter, einer hat Mitleid mit den Mäusen unter dem gefrorenen Boden , und einer sagt voraus, dass sich Schmelzwasser mit den Tränen weinender Skifahrer mischen wird.

          Am besten, wir spekulieren nicht mehr. Nicht für die Schweiz, nicht für Österreich, Italien, Deutschland oder Tschechien. Wir setzen jetzt alles auf die muskulösen Oberschenkel der Ameisen. Und auf die Wetterprognose für die nächsten Tage: Da ist nämlich Schneefall in den Alpen vorausgesagt.

          Was ist Schnee?

          Schneekristalle sind Individuen. Zwar bestehen sie aus Wassereis, doch handelt es sich keineswegs um gefrorene Regentropfen. Vielmehr entstehen sie, wenn sich Moleküle aus dem Wasserdampf in der Atmosphäre bei Temperaturen zwischen etwa -35 und 0 Grad Celsius zusammenlagern und dabei sechseckige Gebilde formen. Die Sechseckigkeit wird dabei noch durch die Form der Wassermoleküle diktiert.

          Alles andere jedoch - ob sich Scheiben, Plättchen, Prismen, die bekannten verzweigten Sterne, bilden oder Mischformen aus alledem, und wie die dann jeweils aussehen -, all das hängt äußerst empfindlich von Temperatur und Dampfkonzentration ab. Da diese aber je nach Ort und Luftschicht variieren und jeder wachsende Schneekristall etwas anders durch jene Schichten hindurchgewirbelt wird, ist es nicht die Materie, das Wasser, das seine Form bestimmt, sondern seine Geschichte, gewissermaßen seine Biographie.

          Der amerikanische Atmosphärenphysiker John Hallet hat einmal die Anzahl der mit einer guten Lupe unterscheidbaren Formen ausgerechnet, die ein komplexer Schneekristall haben kann. Er kommt auf die unvorstellbare Zahl einer Eins mit fünf Millionen Nullen. Das sind wesentlich mehr als die Zahl solcher Schneekristalle, die seit Anbeginn der Erde gefallen sind. Damit ist es praktisch unmöglich, dass es jemals zwei Schneeflocken gleichen Aussehens gegeben hat. Ob in den Alpen, am Südpol oder unserer Fensterbank, ob letzten Winter oder in einer lang vergangenen Eiszeit: Jeder einzelne Schneekristall ist ein einmaliges Einzelstück.

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