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Spanien : Das verkorkste Wetter gehört dazu

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Nachschub für Flaschenhälse: Fast alle Korkeichen wachsen im Mittelmeerraum, kaum irgendwo sonst findet man so viele wie in den Alcornocales in Andalusien. Bild: José Francisco Mingorance

In den urwüchsigen Korkeichenwäldern diesseits von Gibraltar ist es meistens windig, und häufig regnet es. Außerdem ist es bergig. Ideale Bedingungen für masochistisch veranlagte Radwanderer.

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          Die langen Blätter der alten Dattelpalmen bogen sich unter dem Gewicht des Wassers zu Boden. Im schmucken, von Säulengängen umrankten Patio tropfte es in Blumenbeete und Brunnenschale, auf Orangenbäumchen, Bananenstauden, Jasminsträucher, Tische und Stühle. Es klang wie Musik, Himmelsmusik des sonnenverbrannten Südens, eintönig, beruhigend, melancholisch, einschläfernd. Der Regen gab im Dämmerlicht ein Konzert, privatissime, denn wir waren die einzigen Gäste auf der Almoraima, einer der größten Latifundien Andalusiens. Sie birgt in ihrem Innern ein Gebäude, das erst Kloster, dann Jagdschlösschen der Herzöge von Medinaceli war und nun ein Hotel ist. Da fiel uns auf, dass wir doch nicht die einzigen Gäste waren: Auf dem Glockentürmchen der Klosterkapelle hatte sich ein Storchenpaar eingenistet. Hoffentlich war das volllaufende Nest solide gebaut und hielt dem Druck des Wassers stand.

          Kaum saßen wir an der langen Tafel des Speisesaals einsam zwischen Gobelins und Stichen mit Jagdszenen an den Wänden, da krachte es fürchterlich. Die Kronleuchter flackerten, dann ging das Licht ganz weg und kam nicht wieder. Das Abendessen fiel aus, die Heizung fiel aus, der Kamin auf dem Zimmer war nicht darauf vorbereitet, angezündet zu werden. Wir kramten Zusatzdecken aus dem Schrank und lauschten liegend dem Trommelwirbel der Tropfen und den Paukenschlägen des Donners.

          Ein Berg wie eine maurische Burg

          Am Morgen strahlte die Sonne, und einer der Störche klapperte im Nest. Wir verstanden das Geklapper als Omen für stabiles Wetter und machten uns auf den Weg durch den Naturpark der Alcornocales, der Korkeichenwälder, mit mehr als hundertsiebzigtausend Hektar einer der größten geschützten Naturräume und eines der ausgedehntesten Waldgebiete Spaniens. Doch die Korkeichenwälder bestehen vor allem aus Weiden und Getreidefeldern. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man durch das breite, allenfalls hügelige Tal des Río Hozgarganta nach Jimena de la Frontera fährt. Der ehemalige Grenzort zwischen den Christen Westandalusiens und den Muslimen von Granada klammert sich an einen Berg, dessen Spitze eine maurische Burg einnimmt. Im achtzehnten Jahrhundert bekam Jimena eine weitere militärische Anlage, doch unten im Tal: eine Manufaktur, in der Kanonenkugeln für die Belagerung des britischen Gibraltar gegossen wurden. Die Artilleriefabrik wurde nach wenigen Jahren aufgegeben, weil der Fluss so unzuverlässig war und oft in den Ausstand trat. Wenn er wenig Wasser führte, standen alle Räder still.

          Märchenwald mit Greisen von Korkeichen
          Märchenwald mit Greisen von Korkeichen : Bild: José Francisco Mingorance

          Sechshundertfünfzig Meter weit begleiten die Ruinen eines breiten, gemauerten Grabens, durch den das Wasser ins Räderwerk der Fabrik geleitet wurde, den Río Hozgarganta. Trotz seines Namens - ein Pleonasmus - formt der Fluss keine Schlucht, jedenfalls nicht bei Jimena. Aber er lässt Berge und Wälder ahnen. Sein Tal wird enger, die Vegetation dichter, der Weg schmaler, bis er sich zwischen Steinen und Felsbrocken, Bergeichen und wilden Ölbäumen, Ginster und Oleandersträuchern, feindlichen Stechpalmen und Zistrosen verliert und man es vorzieht, nach Jimena zurückzukehren, bevor man am Ufer einsam verblutet.

          Himmel und Erde fließen

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