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Skibauseminar : Wo gehobelt wird, da fallen Schneeflocken

  • -Aktualisiert am

Beim Laminieren hilft jeder jedem Bild: Andreas Müller

Ski können du zu mir sagen: Hier wird's ganz persönlich - in einem alten Bauernhof in Oberbayern kann man sich sein eigenes Skiglück zimmern.

          Der erste Schnee hat es nicht leicht. Der Boden auf den Feldern ist noch so warm, dass die Kristalle sehr dicht und ausdauernd fallen müssen, damit das Grün endlich verschwindet. Und weil die Erde nicht gefroren ist, wird der Zauber nach ein paar sonnigen Tagen bereits wieder vorbei sein. Das weiß man als Skifahrer und freut sich dennoch jedes Mal aufs Neue über den leicht vergänglichen Premierenschnee, weil er einfach Lust auf den Winter macht. Aber es gibt noch eine Steigerung der Vorfreude: das Skibauseminar in Gschwendt, einem Weiler im tiefsten Oberbayern.

          Im dichten Schneetreiben fahren wir also Richtung Oberammergau und hätten die kleine Tafel mit der Aufschrift "Skibuilding" fast übersehen. Der Wegweiser führt zu einem Bauernhof, vor dem ein altes Sofa steht, das im Schneegestöber recht deplaziert wirkt. Als wir aus dem Auto steigen, knackt es bedrohlich über uns. Dann folgt ein Krachen. Und im nächsten Augenblick saust ein mächtiger Ast, der unter der Last des Neuschnees gebrochen war, vor unseren Füßen auf die Erde.

          Drinnen in der Werkstatt knistert das Feuer im Schwedenofen, um den die ersten Skibaulehrlinge stehen. Die Werkstatt, das ist ein ehemaliger Kuhstall. Wo früher Rindviecher gemolken wurden, werden wir also die ersten eigenen Bretter basteln und uns von der Skiindustrie autark machen. Es klingt unglaublich.

          Beim Design darf sich jeder Bastler austoben

          Felix, der Skibauseminarleiter, begrüßt nach und nach die Teilnehmer. Da sind Gregor, Jakob, Philipp, Burkhard und Steff, die gemeinsam aus der Steiermark angereist sind. Peter kommt aus dem Bayerischen Wald, Markus aus Vorarlberg und Klaus aus Rosenheim.

          Felix heißt eigentlich Andreas Fehlau, und während wir auf einen seiner vier Assistenten warten - "Der Matthias hat noch Sommerreifen droben" -, erzählt er, wie das 2005 mit dem Selbstskibau angefangen hat. "Mir sind meine Ski gestohlen worden", beginnt er, und dann habe er versucht, sich durch die Flut an verschiedenen Skiangeboten zu arbeiten. "Aber die Ski, die ich mir gekauft habe, waren überhaupt nichts." Das nächste Paar aus dem Sportgeschäft war dann allerdings richtig gut, und Felix trieb die Frage um: Warum taugt der eine Ski etwas und der andere nichts? Und weil er, der er als Softwareprojektleiter arbeitet, eine Tüftlernatur ist, begann er verschiedenste Skimodelle aufzusägen, studierte das Innenleben, begann selbst Formen zu zeichnen und erste Prototypen zu bauen. "Irgendwann merkst du, auf was es ankommt. Die Skiindustrie hat einen Mythos um den Skibau gebastelt. Wir entzaubern ihn und verraten den Leuten die Einfachheit", sagt Felix und fügt lächelnd hinzu, dass die großen Skifirmen das gar nicht so lustig finden. "Bestimmt nicht wegen der 200 Paar, die sie pro Saison wegen unserer Seminare weniger verkaufen."

          „Normale Ski habe ich genug zu Hause stehen“

          Mittlerweile ist auch Matthias eingeschlittert, und nun werden wir in grundlegende Dinge eingewiesen - zum Beispiel, wo die Verbandskästen hängen, was eine gewisse Heiterkeit auslöst. Felix' Einleitung endet mit einem Versprechen: "Schon morgen werdet ihr eure Ski in der Hand halten, die vielleicht nicht ganz perfekt aussehen, aber, weil sie voll auf eure Bedürfnisse abgestimmt sind, funktionieren werden."

          Dann teilt er die Schnittmuster aus, die er aufgrund unserer Angaben am Computer vorgezeichnet hat. Größe, Körpergewicht, skifahrerisches Können, Einsatzgebiet - Piste, Funpark oder Tiefschnee -, lange oder kurze Schaufel, harter oder eher weicher Ski, großer oder kleiner Radius, positive oder negative Vorspannung - all das war auf dem Anmeldeformular abgefragt worden. Ohne den sogenannten Skiformenguide, den Felix entwickelt hat, wäre der ein oder andere von uns allein schon damit überfordert gewesen.

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