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Ski-Wochenende : Wie im Flug

  • -Aktualisiert am

In gut zwei Stunden vom Flughafen auf die Piste Bild: dpa

Von einem kurzen Skiwochenende konnten Berliner, Hamburger oder Kölner lange Zeit nur träumen. Mittlerweile können aber auch sie samstags die ersten auf der Piste sein. Billigflieger machen's möglich.

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          Der Wecker klingelt um 5.30 Uhr, und eigentlich ist alles wie immer: Die Müdigkeit, die schlechte Laune - und die geschnürte und verpackte Skiausrüstung auf dem Wohnzimmerboden. Das Schweigen, der schnelle Kaffee und die Vorfreude auf die Skipiste.

          Und doch ist alles anders. Denn heute morgen reisen wir nicht aus München, sondern aus Berlin ins Salzburger Land. Wir gehen nicht in die Tiefgarage, sondern zur S-Bahn Richtung Flughafen. Wir fahren nicht auf der A8, sondern fliegen mit X 38638, einem Billigflieger von Hapag Lloyd Express nach Salzburg.

          Und so haben wir schon viel dazugelernt, als wir um 6.20 Uhr am Flughafen Tegel einchecken. Zum Beispiel, daß da noch andere mit Skiern und in Skianzügen mitfliegen. Daß aber die öffentlichen Verkehrsmittel Berlins um halb sieben nicht von Wintersportlern benutzt werden und jeder, der gegen diese Ordnung verstößt, wie ein Quartalsirrer gemustert wird. Und daß es in der S-Bahn keine Ablage für Skier und Stöcke gibt - und beides sehr leicht umfällt.

          Vom Gepäckband auf die Piste

          Alles begann am 1. November 2004, als die erste HLX-Maschine in Salzburg landete. Einen Monat später folgte der erste Flieger aus Berlin. Für ein Wochenende in einem der umliegenden Skigebiete war die Verbindung zunächst noch nicht geeignet. Aber schon im Winter 2005/2006 hat man die Abflugzeiten in den deutschen Städten so verändert, daß die Flüge auch für Skifahrer attraktiv geworden sind, die nur zwei oder drei Tage in den Bergen verbringen wollen.

          Flug X 38638 startet pünktlich um sieben Uhr in Berlin-Tegel. Ein einstündiger Flug nach Salzburg, ohne vereiste Windschutzscheibe, kalte Finger am Lenkrad oder die Staubildung am Irschenberg. Auch am Wolfgang-Amadeus-Mozart-Flughafen in Salzburg geht alles so schnell, daß die Gedanken noch immer in der Berliner S-Bahn hängen. Und als wir um 8.10 Uhr vom Rollfeld in die Sonne blinzeln, die über Salzburg aufgeht, hängt uns der Hauptstadtlärm noch in den Ohren. Taschen und Skiausrüstungen laufen gerade erst über das Gepäckband, da parkt der Shuttlebus zur Piste schon vor dem Flughafen.

          Die anderen kommen gerade erst an

          Auch die Tourismusvereine im Salzburger Land haben sich mittlerweile auf den Billigfluggast eingestellt. Toni Kramer ist seit 22 Jahren Tourismusdirektor von Flachau, er hat schon viele Gäste kommen und gehen sehen - in Auto, Bus und Zug: Er sagt: „Die Märkte Berlin, Hamburg, Köln und Düsseldorf sind für uns sehr wichtig - und etwas Vergleichbares zu diesen Flügen gibt es einfach nicht.“ Jetzt bewähre es sich außerdem wieder, daß Flachau im Verbund der Salzburger Sportwelt auftrete und die Sportwelt wiederum seit vier Jahren im Verbund Ski Amadé gemeinsam mit vier anderen großen Skigebieten. Gemeinsam haben die Gemeinden einen Shuttleverkehr eingerichtet. Mit den Bussen kommt man inzwischen schnell vom Salzburger Flughafen nach Flachau, Kleinarl, Wagrain, Rauris, Zell am See, Kaprun, Gasteinertal, Saalbach-Hinterglemm, Kaprun, St. Johann und sogar nach Kitzbühel.

          Der Fahrer unseres Shuttlebusses sagt „Grüß Gott“. Er fährt uns in 45 Minuten auf den Parkplatz des Achterjets in Flachau. Er spricht nicht viel, ist also nicht viel anders als ein gewöhnlicher Berliner U-Bahn-Fahrer - wäre da nicht der Norwegerpullover. Links und rechts von der Strecke erheben sich hohe Berge. Auf dem Parkplatz in Flachau stehen nur wenige Autos aus Deutschland. Sie haben ein M, R, A oder ein N im Kennzeichen. Die meisten anderen kommen gerade erst an. Es ist genau 9.15 Uhr.

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