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Schweiz : Wischa, wischa, wischa

  • -Aktualisiert am

Curling: auf die „sliding delivery” kommt es an Bild: Volker Mehnert

Witze über „Nachttopf-Schieben“ streng verboten: Beim Curling für Anfänger im Berner Oberland nehmen selbst Männer den Besen gern in die Hand.

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          Wenn zwei Dutzend Männer ihre Besen schwingen und mit Hingabe eine Eisfläche polieren, wenn dabei eine Art Bettflasche mit Henkel im Mittelpunkt des Interesses steht, wenn weder Schneesturm noch Kälte noch Dunkelheit als Störung empfunden werden - dann sind wir beim Curling. Das kann doch so schwierig nicht sein, denkt man unwillkürlich beim ersten Zuschauen. Sieht das nicht so ähnlich aus wie unser altbekanntes Boccia an der Adria, wie das BouleSpiel der Männer mit den Baskenmützen in der Provence? Nur auf Eis eben. Also wagen wir einen Versuch und melden uns zum nächsten Gäste-Curling an.

          Um fünf Uhr nachmittags ist es dunkel. Und kalt. So richtig warm wird es uns an diesem eisigen Winterabend nicht mehr. Dafür, so heißt es, mache Curling an der frischen Luft mehr Spaß. Weil das Eis nicht so perfekt gepflegt ist wie in der Halle, wo die Leistungssportler trainieren, ist die Bahn der Curling-Steine nicht präzise zu kalkulieren. Vieles bleibt Glückssache, was den Unterhaltungswert des Spiels erhöht. Dem Anfänger kann das nur recht sein, denn so besitzt er gegen die alten Hasen wenigstens eine Zufallschance.

          Volkssport der Schweizer

          In der Schweiz ist Curling Volkssport, dort gibt es zehnmal mehr Aktive als in Deutschland, und längst dürfen natürlich die Frauen mitspielen. In jeder größeren Stadt und in vielen Urlaubsorten gibt es Curling-Hallen, doch die Schweizer spielen auch gern im Freien. Spontan trifft man sich zum feierabendlichen Curling-Plausch, und wer sich als Besucher einigermaßen geschickt anstellt, wird nach ein paar Übungsstunden gern in die Freizeitmannschaften integriert. Wie in Wengen zum Bei-spiel, im Berner Oberland, wo Winterurlauber sowieso als erste Curling spielten. Denn es waren die Schotten, die ihren Sport in die Schweiz exportierten. 1911 wurde der Wengen Curling Club gegründet, der bis heute knapp zweihundert britische Mitglieder hat und mitten im Ort in einer eigenen Blockhütte residiert. Wenn im Januar und Februar die Schotten anreisen, dann kommt der kleine Ort am Fuß des Lauberhorns ins Curling-Fieber. Und dann geht es auf der Eisbahn schon mal etwas derber zu als sonst, denn die Gäste von der Insel bringen speziell konstruierte Besenstiele mit, die man aufschrauben kann und in die sich Whisky einfüllen läßt.

          Die Schotten kennen das Spiel seit mehr als fünfhundert Jahren. Im ältesten bekannten Curling-Stein ist die Jahreszahl 1511 eingraviert, und ein schriftlicher Bericht über zwei schottische Geistliche beim Curling datiert aus dem Jahr 1541. Früher spielte man mit groben Natursteinen und ohne präzise Regeln. Häufig soll es zu einem wilden Durcheinander und sogar zu Prügeleien gekommen sein. Erst später kamen genormte Steine mit Hohlschliff auf, die sich in einer Kurve übers Eis schieben lassen. Und seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts spielt man gesittet nach den Regeln des Royal Caledonian Curling Club, dem Mutterklub des Curlings, der bis 1966 sogar als Weltverband fungierte.

          So einfach ist es dann doch nicht

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