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Schweiz : Welche Krise? Aufbruchstimmung in Zermatt

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Ganz alltäglich - auch das ist Zermatt Bild: F.A.Z. / Aura

An einem schönen Morgen ist man in Zermatt selten allein auf dem Balkon. "Come on out, darling", ruft der amerikanische Nachbar im Hotel "Mont Cervin", "that's what we came to Switzerland for."

          An einem schönen Morgen ist man in Zermatt selten allein auf dem Balkon. "Come on out, darling", ruft der amerikanische Nachbar im Hotel "Mont Cervin", "that's what we came to Switzerland for." Obwohl das Matterhorn längst zum globalen Reklamesymbol geworden ist, obwohl es Banken und Schokoladenhersteller dutzendfach als Werbeträger vereinnahmen, dieser Star unter den Bergen macht Touristen noch immer zu begeisterten Frühaufstehern. Und wenn sie das Horn wenigstens einmal im Morgenlicht sehen, hat sich offenbar eine ganze Schweizreise gelohnt. So verzückt reagieren nicht allein Amerikaner: Am Anblick der felsigen Pyramide, die gleichzeitig schroff und erhaben ist, können sich viele nicht satt sehen, sie macht fast süchtig.

          Auch Zermatt selbst kennt im Angesicht des Matterhorns keine Grenzen. Der Lockruf des Berges ist wie eine schier unerschöpfliche Geldquelle. Der Tourismus wuchert daher immer weiter in die Bergwiesen hinein. Schon seit langem wartet man auf einen Sommer, in dem keine Kräne mehr zu sehen sind. Doch auch in diesem Jahr drehen sie sich, klettern neue Hotels und Ferienhäuser die Hänge hinauf. Dabei ist schon jetzt die Zahl der Betten mit vierzehntausend mehr als doppelt so groß wie die Zahl der Einwohner. Das Dorf ist somit, touristisch gesehen, eine Großstadt: Es rangiert hinter Zürich und Genf auf dem dritten Platz im Schweizer Fremdenverkehr.

          Renovieren, fusionieren, jubilieren.

          Zeitweise stotterte die gut geölte Tourismus-Maschine. Vor fünf Jahren zum Beispiel gab es eine Krise, als einige Betriebe der Burgergemeinde (Vereinigung der Alteingesessenen) wegen des Debakels im Walliser Kurort Leukerbad ebenfalls in Finanznöte gerieten und Notverkäufe tätigen mußten. Dann spürte auch dieser Ort wegen der vielen internationalen Kunden die Terrorangst. Doch inzwischen boomt das Reisegeschäft im hinteren Mattertal wieder stärker denn je. 2004 war ein Rekordjahr mit 1,8 Millionen Übernachtungen.

          Zermatt: Blickfänger Matterhorn

          Daher wird in Zermatt gebaut und renoviert, fusioniert und jubiliert. Die Seiler-Gruppe, mit ihren vier Häusern das Urgestein der Zermatter Hotellerie, feiert in diesem Jahr das hundertfünfzigjährige Bestehen. Sie tut dies nicht allein mit Festen und mit Konzerten, sondern auch mit einem finanziellen Kraftakt: Für vierzehn Millionen Franken wurde das Fünf-Sterne-Haus Mont Cervin prächtig umgebaut. Seiler verkaufte dazu die restlichen Aktien an der "Riffelalp", die nun allein der Sandoz-Stiftung gehört. Weil es nun neue Suiten gibt und ein erweitertes Wellness-Angebot, nennt sich das Mont Cervin nun "Palace". Dennoch ging die sehr persönliche Atmosphäre nicht verloren.

          Blamage wegen Baumängeln

          Ehrgeiz zeigt Zermatt auch bei der weiteren Erschließung der Berge. Nach der Fusion der sechs Seilbahnen zum größten Schweizer Bergbahn-Unternehmen vor drei Jahren gab es jetzt einen Zusammenschluß auf Schienen: Die mehr als hundert Jahre alte Gornergrat-Bahn wurde von der viel größeren Matterhorn-Gotthard-Bahn übernommen, die die Verbindung in das Unterland nach Visp und Brig herstellt. Die fusionierten Bahnen können viel mehr Kapital in neue Projekte stecken, was sich auch bei der Renovation der Bergstation auf dem Gornergrat zeigt. Da sollen die Gäste nicht mehr bloß Gletscher schauen, sondern auf dreitausend Metern auch durch eine Einkaufspassage bummeln.

          Gebaut wird auch beim Bahn-Terminal in Täsch, wo die Gäste ihr Auto abstellen. Hier entsteht ein Parkhaus mit zweitausend Stellplätzen. Die Aufbruchstimmung hat sogar dafür gesorgt, daß das ehemalige Projekt des Künstlers Heinz Julen ("Into the Hotel"), das stolz über dem Ort thront, wegen diverser Baumängel aber jahrelang eine Blamage war, im Dezember endlich fertig wird - unter einem anderen Besitzer und unter neuem Namen. Es heißt jetzt "Hotel Omnia".

          Boom dank Basistunnel

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