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Schweiz : Voll im Flow am Runcatrail

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So rollen wir also auf schmalen Pfaden Richtung Bergwald. „Steine und Wurzeln bis zwanzig Zentimeter Höhe könnt ihr einfach platt überfahren, die Federung schluckt das weg.“ So schickt Dani uns ins Abenteuer, und rät: „Wichtig: Den Blick immer fünfzehn Meter voraus auf den Weg richten, das hilft, die Balance zu halten.“ Wie gut, dass wir die Tricks bereits am Morgen auf dem Pumptrack des Laaxer Signinahotels trainiert haben: Mit Schwung lenkten wir dabei das Bike über einen Rundparcours aus Hügelwellen, und – oh Wunder der Physik! – ähnlich einem Perpetuum mobile liefert bei richtiger Technik der jeweils letzte Abschwung den Antrieb für den nächsten Aufschwung. Und so weiter. Hurra, das klappt und macht auch noch richtig Spaß. „Flow“ nennt die Community dieses kleine große Glücksgefühl im typischen Bikersprech.

Punktlandung in der Schnitzelgrube

Doch das war morgens. Jetzt und hier, oben am Berg, scheinen die Trailkurven steiler, die Wurzeln vertrackter, die Bodenwellen höher – und ebenso der Spaß. Schnell haben wir raus: Ein Mehr an Geschwindigkeit stabilisiert das Rad, während jeweils zwei Finger die Bremsen griffbereit halten. Wie geschmiert läuft der sechs Kilometer lange Runcatrail dahin, mal legt er sich in enge Bögen, dann schnurrt er geradewegs über Almen direkt in den Wald. Nur einmal bremst ein Bike-Kollege zu stark und steigt unfreiwillig über den Lenker ab. Er kommt unterm Rad zum Liegen. Schrecksekunde. Aber nix passiert, dank Highend-Schutzmontur. Aufsteigen, weiterfahren. Rein in den Flow! Zu schnell ist der Trek vorbei.

Möglichst kunstvoll und kontrolliert in die Luft zu gehen, dieser Ehrgeiz verbindet Biker, Skater, Freerider und Boarder. Damit es auch klappt mit all den Spins und Jumps und Flips – Drehungen, Sprüngen und Salti – gibt es hier in Laax unterhalb des Signinahotels die Freestyle Academy. Der 2010 eröffnete Parcours hat es in sich: Mit Snowflex bespannte Sprungschanzen, bis fünfzig Grad steile Rampen und hochelastische Trampoline offerieren eine vielfältige Spielwiese für Luftnummern aller Art. Hier trainieren Freunde des akrobatischen Snowboardvergnügens, darunter auch Halfpipe-Weltmeister Iouri Podladtchikov, das Jahr über, um die Stunts draußen im wahren Leben zu testen. Der Ort Laax machte als erste Snowboard-Destination der Schweiz Furore, seine Snowparks und Mega-Halfpipes sind ein Magnet für Brettlfahrer. In der Academy darf nicht jeder Neuling einfach so die Spanntücher strapazieren. Vorher muss ein Einführungskurs für fachgerechtes Springen und Fliegen her. Der heißt neudeutsch „Royal Coachman“: In knapp drei Stunden lernen Anfänger die Grundregeln. Wir sind ganz Ohr. Dann geht’s auf das Trampolin. Körperspannung halten, Füße kräftig abdrücken. Kerzengerade hoch hüpfen, bis zu zwei Meter, oder um die eigene Achse drehen, dann ein großer Satz. „Kasch du flüga?“, fragt ein Graffiti an der Wand.

Klar können wir fliegen. Aber, halt, wo landen? Weder Wasserbecken noch Auffangnetz sind zu sehen. Stattdessen gibt es eine Schnitzelgrube – ein randvoller Pool gefüllt mit Schaumstoffkissen, größer als Schweizer Goldbarren. Nach der Punktlandung schlagen die Polster über dem Kopf zusammen. Gut, ein bisserl stauben tut das schon. Und es braucht Technik, um sich aus dem Plastikmeer wieder heraus zu wühlen. Und Kraft. Doch die kann man nachtanken.

Noch so ein geologischer Super-GAU

Das Krafttanken macht hier in Graubünden mit am meisten Spaß. Selten isst man flächendeckend so gut. Zum abendlichen Grillieren treffen wir auf der Berghütte „Tegia Larnags“ ein. Sie stammt von 1836, wurde innen behutsam renoviert, schlicht und trotzdem raffiniert, mit indirektem Licht – das bringt das Vorspeisenbuffet gut zur Geltung. Qualität ist in der Schweiz halt ein Begriff, raunen sich die Gäste zu, während sie Bündner Fleisch auf den Teller schaufeln. Dazu Fisch und Steaks vom offenen Feuer vor der Tür, bestes Fleisch, frische Salate, was will man mehr?

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