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Schweden : Luxussuite, tiefgekühlt

  • -Aktualisiert am

Foyer des Eishotesl in Jukkasjärvi Bild: Icehotel Jukkasjärvi

Zehntausend Tonnen Eis und dreißigtausend Tonnen Schnee - dazu frostklirrende schwedische Nächte mit Zimmertemperaturen zwischen minus fünf und minus acht Grad: Im Dezember beginnt die Eishotelsaison.

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          Jetzt im Dezember beginnt wieder die Jahreszeit, in der man die frostklirrenden Nächte in den Zimmern des berühmten Eishotels im schwedischen Jukkasjärvi buchen kann. Zehntausend Tonnen Eis und dreißigtausend Tonnen Schnee werden jedes Jahr benötigt, um zweihundert Kilometer nördlich des Polarkreises die von Polarlichtern umflorte, kristalline Welt dieser spektakulären Herberge aus gefrorenem Wasser zu erschaffen.

          Gemütlich warm ist es im Innern des Eispalastes natürlich nicht. Die Zimmertemperaturen liegen zwischen minus fünf und minus acht Grad, die Gäste schlafen in Thermoschlafsäcken auf Rentierfellen. Das stille Örtchen befindet sich allerdings in separaten Gebäuden aus Holz und sei "angenehm temperiert", wie es in der Werbung heißt. Zum Aufwärmen am Morgen ist zudem ein Saunabesuch im Preis inbegriffen.

          Ein Eispalast als Geschenk

          Auch anderswo entstehen im Winter Hotels aus Eis, in der Nähe von Quebec in Kanada zum Beispiel oder im grönländischen Kangerlussuaq. Erfunden wurde die kalte Herberge allerdings im russischen St. Petersburg an den Ufern der Newa.

          Die Gäste schlafen in Thermo-Schlafsäcken auf Rentierfellen

          Wie die Autoren Fred Anderes und Ann Agranoff in ihrem Buch "Ice Palaces" schreiben und sich dabei auf den deutschen Augenzeugen und Wissenschaftler an der St. Petersburger Akademie Georg Wolfgang Krafft berufen, ließ die Interimszarin Anna Iwanova, die wie ihr Onkel Peter der Große Grausamkeiten als Spaß empfand, 1740 vom russischen Architekten Eropkin ein wahres Wunderwerk an Eispalast errichten: ein Hochzeitshotel für eine einzige Nacht. Es war ein Geschenk für ihren Fürsten Michail Golitsyn, mit dem sie ihn und seine Braut Buzhenina auf ein eisiges Hochzeitslager zwang, auf dem beide nur knapp überlebten.

          Bäume und Vögel aus buntem Eis

          Zuvor war das Paar, in einen eisernen Käfig gesperrt, auf den Rücken eines Elefanten gehievt worden. Drum herum zogen die Hochzeitsgäste auf Pferde- und Kamelrücken oder in Schlitten, die von Rentieren oder Schweinen gezogen wurden, zum Eispalast hin. Eine durch Säulen aus Eis unterbrochene Balustrade umgab den Palast, vor dem Bäume aus Eis aus dem Schnee wuchsen. Vögel aus Eis, bunt bemalt, sangen stumm vor einem zu Eis erstarrten Elefantenbrunnen, aus dessen Rüssel eine Fontäne acht Meter hoch in die Luft geschleudert wurde.

          Im Palast selbst gab es eine Empfangshalle, Schlafzimmer. Schränke, Tische, Uhren und das Bett samt Kissen waren aus Eis wie der Kamin und die Kerzen, die mit Petroleum entzündet wurden. Zwei Delphine, zwei Mörser und sechs Kanonen aus Eis bewachten den Eingang des Palastes, in dem nachts unsichtbare Hände rote, mit erotischen Szenen bemalte Laternen bewegten, deren Lichter bizarre Schatten auf die Eiswände warfen. Dieses Ensemble an der Newa hatte nicht Graf Potemkin entworfen. Es war real, wie Krafft in seinen Aufzeichnungen schrieb.

          Die Gäste bleiben meist nur eine Nacht

          Auch heute bleiben die Gäste in der Regel nur eine Nacht. Immerhin zählte das Eishotel in Jukkasjärvi vorigen Winter etwa vierzigtausend Übernachtungen - bis die Maisonne es zum Schmelzen bringt und das Wasser zurück in den Torneälv fließt. Seine Fluten liefern das Material für das Eishotelgeschäft, das jedes Mal im Dezember von neuem beginnt.

          Icehotel AB, SE - 98191 Jukkasjärvi, Schweden, Telefon: 0046/980/66800, E-mail: info@icehotel.com, Internet: www.icehotel.com; Preis pro Person und Nacht zwischen 133 und 501 Euro.

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