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Schloss Velden am Wörthersee : Keine Angst vor dem eisgrauen Männlein

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Roy Black schmachtet hier nicht mehr: Schlosshotel Velden am Wörthersee Bild: www.schlossveldencapella.com

Schloss Velden am Wörthersee war einmal ein Epizentrum des Jetsets. Dann fiel es in einen Dornröschenschlaf. Nun ist es als Hotel wachgeküsst worden und zelebriert wieder den Luxus. Nur die Gäste sucht es noch dafür.

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          Vor langer, langer Zeit, so will es die Sage, stand dort, wo heute der Wörthersee liegt, eine prächtige Stadt. Reich waren ihre Bewohner, und sie liebten es, ihren Reichtum bei üppigen Gelagen zur Schau zu stellen. Selbst als am Vorabend des Osterfestes die Kirchenglocken die späte Stunde ankündigten, wollten sie mit dem Tanzen und Feiern nicht aufhören. Und als ein eisgraues Männlein durch die Tür des Festsaals trat und mahnend die Stimme erhob, feierten sie nur umso ausgelassener weiter.

          Kurz vor Mitternacht kehrte das Männlein mit einem Fass unter dem Arm zurück und verkündete Tod und Verderben all denen, die nicht auf es hörten. Doch es erntete nur Gelächter. Da schlägt es Mitternacht, die Lichter im Saal verlöschen, ein Gewitter bricht über die Stadt herein, und aus dem offenen Hahn des Fasses strömt das Wasser - unaufhörlich, bis seine Fluten die frevelhafte Stadt mit Mann und Maus verschlungen haben.

          Sehen und gesehen werden ist die Devise

          Rings um den Wörthersee, den größten See Kärntens, schert man sich heute kaum um diese Sage. Es liegt viel Geld in der Gegend, und man zeigt es gern. Die Flicks haben hier ein zur Festung ausgebautes Anwesen, der österreichische Waffenfabrikant Glock residiert am See, die Horten-Witwe Heidi auch und Peter Alexander. In den neunziger Jahren ging es freilich noch viel doller zu. Der frühere Playboy und Fotograf Gunther Sachs besaß das Schloss Velden im gleichnamigen Prominentendorf und feierte eine Party nach der anderen.

          Roy Black hielt währenddessen in der TV-Serie „Das Schloss am Wörthersee“ Hof. Uschi Glas, Julia Biedermann, Helmut Fischer und Pierre Brice gaben sich dort die Klinke in die Hand. Sehen und gesehen werden war die Devise, und kein eisgraues Männchen machte dem fröhlichen Treiben ein Ende, sondern Gunther Sachs selbst: Als er sein fürstliches Domizil für 22 Millionen Euro verkaufte, zog die Jetset-Karawane weiter.

          Ein Riegel aus weißem Beton und Glas

          Siebzehn Jahre lang stand das Anwesen mit der schönbrunngelben Fassade und den verschnörkelten Türmchen leer, ehe es vor einem Jahr wieder seine Tore öffnete. Jeder Gedanke an „Das Schloss am Wörthersee“ ist indes verfehlt. Das ist nicht mehr das Serienhotel der neunziger Jahre, das ist jetzt etwas ganz Neues: eine Kombination aus Schlossromantik und modernem Hightech-Luxus.

          Ein Riegel aus weißem Beton und Glas ergänzt das romantische Schlösschen und schottet es gleichzeitig nach außen hin ab. Und wer nicht ordentlich Geld auf dem Konto hat, sollte besser draußen bleiben. Mindestens 550 Euro kostet eines der weitläufigen Zimmer, achtmal so viel die Kaisersuite. Dafür will man in diesem Refugium der Reichen unter sich sein, ungestört von Busladungen voller Roy-Black-Fans oder den neugierigen Blicken ganz gewöhnlicher Wörthersee-Touristen.

          Derzeit trifft man höchstens Siemens-Chef Löscher

          Das Haus gehört zu den Capella Hotels & Resorts und soll schon bald wieder Treffpunkt der Schönen und Reichen werden wie in der guten alten Zeit, als einem in der Lobby die Queen über den Weg laufen konnte oder wenigstens Peter Alexander. Derzeit trifft man höchstens Siemens-Chef Peter Löscher, der vier der exklusiven Residenzen im Schlosspark sein eigen nennt. Noch hat Verkaufsdirektor Mario Sonnleitner viel zu tun, die 104 mit allerlei Pomp und teurem Schnickschnack eingerichteten Hotelzimmer zu füllen. Gerade einmal dreißig Prozent Auslastung konnte er im ersten Winter verbuchen.

          In der kalten Jahreszeit hat Velden bisher Winterschlaf gehalten. Das werde sich ändern, ist Sonnleitner überzeugt. Vom „Leuchtturmprojekt“ Schloss Velden profitiere schließlich der ganze Ort. Auch von Chefkoch Silvio Nickol, einem Schüler Harald Wohlfahrts, der gleich zum Einstand drei Hauben und einen Stern erkocht hat, erhofft sich Sonnleitner Renommee fürs Haus - und neue Gäste.

          38.000 Swarowski-Kristalle

          Der prunkvolle Ballsaal soll ein „Hotspot für die High Society“ werden, sagt Sonnleitner, und auch sonst setzt sich das Hotel so richtig in Szene: 38.000 Swarowski-Kristalle funkeln in den Lüstern, vergoldetes Schnitzwerk ziert die Zimmer, der - nicht benutzbare - offene Kamin ist aus Marmor, die Vorhänge an den großen Fenstern lassen sich elektronisch vom Bett aus steuern. An den Wänden der langen Gänge hängt großflächige moderne Kunst, und im schwarzen Marmor der eher abweisenden Eingangshalle spiegeln sich die wertvollen Blumengestecke und die betuchten Gäste. 130 Millionen Euro wurden investiert, um das Schloss wieder zu einem diskreten Treff der Schickeria zu machen.

          Die Privatsphäre der Gäste wird auch im Strandbad gewahrt. Eine siebzig Meter lange, mannshohe Bretterwand schützt sie im hoteleigenen Beach Club vor neugierigen Blicken. „Berliner Mauer in Velden“, schimpften die Gazetten vor einem Jahr. Der Sturm der Entrüstung hat sich inzwischen gelegt. Doch auch in diesem Sommer müssen die Veldener draußen bleiben - und das gilt sogar für das eisgraue Männlein.

          Information: Wörthersee Tourismus, Villacher Straße 19, A-9220 Velden, Telefon: 0043/4274/38288, E-Mail: office@woerthersee.com, Internet: www.woerthersee.com; Schloss Velden - A Capella Hotel, Schlosspark 1, 9220 Velden, Telefon: 0043/ 4274/520000, E-Mail: info.velden@capellahotel.com, Internet: www.schlossveldencapella.com.

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