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Reisen mit Tieren : Spitz, Paß auf!

  • -Aktualisiert am

Fährt der Hund mit in den Urlaub, muß der Besitzer einiges beachten Bild: dpa

Bald benötigen Hunde und Katzen auf Reisen einen Heimtierausweis der EU. Der Paß enthält die Kenn-Nummer des Tiers und attestiert die Tollwut-Impfung.

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          Das Tier verreist nicht gern. Am allerliebsten sitzen Hund und Katze zu Hause und hüten das Revier. "Grundsätzlich sind Tiere in ihrer gewohnten Umgebung am besten aufgehoben", sagt Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Am ehesten noch könne ein Hund reisen, für alle anderen Tiere sei ein Urlaub aber eine fast unzumutbare Belastung. Wenn schon Tiere nicht mit rechtem Vergnügen reisen, so haben künftig wenigstens ihre Besitzer weniger Mühen, falls sie ihren Hund oder ihre Katze mitnehmen. Der Tierpaß gilt fortan in zweiundzwanzig Ländern, also in der gesamten EU mit Ausnahme Irlands, Schwedens und Großbritanniens. In diesen Ländern sind noch einige Jahre lang strengere Bedingungen mit Impfungen und diversen Blutproben vorgeschrieben. Eigentlich sollte die EU für Tiere ja pünktlich zur Hauptreisezeit im Juli verbindlich beginnen. Aber nun ist der neue EU-Heimtierausweis, der für Hund, Katze, Frettchen und ihre jeweiligen Besitzer Europa fast grenzenlos macht, erst von Oktober an Pflicht.

          "Für Reisende mit Tieren ist das eine deutliche Vereinfachung, weil der Bestimmungsdschungel aufgelöst wird", sagt Jochen Oesterle vom ADAC. Bislang galten in jedem europäischen Land unterschiedliche Vorschriften. Eine Autofahrt zum Urlaubsort irgendwo in Europa wurde da vor allem zum bürokratischen Ausflug. Mit der Vorbereitung der Reise konnte der Tierbesitzer schnell mehr Zeit verbringen als später am Urlaubsort. Wenn Hunde gewußt hätten, gegen was man sie alles laut der Vielzahl der Bestimmungen hätte impfen müssen, wären sie mit Sicherheit noch vor Reiseantritt krank geworden: Gefordert wurden beispielsweise oft nicht nur verschiedenste Tollwut-Papiere, sondern auch Staupe- und Hepatitis-Impfungen.

          Registrierung hilft bei der Suche nach dem Besitzer

          Der Paß attestiert nun vor allem, daß der Hund gegen Tollwut geimpft ist. Außerdem enthält er eine Kenn-Nummer, denn jedes Tier bekommt entweder vorübergehend eine Tätowierung oder bald nur noch einen kleinen Mikrochip in die rechte Halsseite. Aus Sicht des Tierschutzbundes ist schon allein die eindeutige Registrierung ein großer Fortschritt. "Nun können die Besitzer aufgefundener Tiere leichter gefunden werden. Das hilft besonders bei Tierschutzverletzungen", sagt Thomas Schröder. Das dürfte beispielsweise auch dem Gedächtnis derjenigen Tierhalter helfen, die ihre dauerkläffende Promenadenmischung angeleint auf einem Rastplatz in Spanien vergessen wollten.

          Der Tierpaß kostet nach Informationen der Tierärztekammer Berlin etwa zehn Euro, wenn nur die Daten eingetragen werden müssen. Und wer sein Schätzchen vorher fotografiert hat, der kann den Tierarzt auch bitten, das Bild in das Dokument zu kleben. Noch haben sich allerdings wenige Tierhalter überhaupt für den Paß interessiert. Viele seien durch die verlängerte Übergangsfrist verunsichert, sagt Jochen Oesterle vom ADAC. Selbst in größeren Tierkliniken, wie etwa in Berlin-Biesdorf, ist der neue EU-Tierpaß noch nicht gefragt. Bislang wurde er hauptsächlich ausgestellt, wenn das Tier ohnehin zur Impfung kam. Einige Tierärzte haben den Tierpaß zudem bis jetzt noch nicht erhalten.

          „Nimmst du mein Tier, nehm' ich dein Tier“

          Der EU-Heimtierpaß macht zwar künftig das Passieren der Grenze leichter, es bleiben aber immer noch Weg und Zielort selbst, die organisiert werden müssen: Im Flugzeug müssen die Tiere beispielsweise in spezielle Transportboxen. Lediglich Blinden- und Gehörlosenhunde dürfen sich einfach ihren Besitzern zu Füßen legen. Schwerere Tiere vom großen Hund bis hin zum Nashorn fliegen dagegen immer im Frachtraum. Gleich bei der Buchung muß das mitreisende Tier angegeben werden. Zum Teil fallen für den Transport und die Box Kosten an. Mit einem Tier im Gepäck ist die Anreise per Auto am einfachsten, weil Pausen für Hund und Herrchen selbst bestimmt werden können. Allerdings gelten auch hier Sicherheitsvorschriften. Der Hund sollte immer ganz hinten sitzen und durch ein stabiles Gitter vom Fahrer getrennt sein. Der Kofferraum ist für ihn völlig tabu. Außerdem muß der Hund vorher das Ein- und Aussteigen üben.

          Erholt sich der Tierbesitzer endlich fernab von zu Hause, muß er daran denken, auch für seinen Hund oder seine Katze wieder ein vertrautes Heim zu schaffen. Am besten für das Tier ist schließlich, wenn Klima, Futter, Auslauf und Spielzeug genauso sind wie im eigenen Revier. Zur Not muß das Auto eben zum Kombi werden, um all das Futter, Spielzeug und die Schnuffeldecken unterzubringen. Wenn all diese Reisevorbereitungen nun nicht nur dem Tier, sondern auch seinem Besitzer zu anstrengend werden, hilft die Urlaubsbörse des Deutschen Tierschutzbundes. Die vermittelt die passenden Tier-Sitter. Ursprünglich sollten sich die Tierbesitzer bei dieser Aktion, genannt "Nimmst du mein Tier, nehm' ich dein Tier", gegenseitig helfen. Oft melden sich dann aber auch Menschen, die schon immer mal vorübergehend auf ein Tier aufpassen wollten. So hätten Hund und Katze endlich mal die Möglichkeit, sich zu Hause Urlaub von ihrem Besitzer zu gönnen. Informationen zum EU-Heimtierpaß gibt es beim Tierarzt oder dem Deutschen Tierschutzbund. Dieser hat auch unter Tel. 0228/6049627 eine Urlaubshotline geschaltet.

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