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Potsdam : Das Schloß auf dem Weinberg

Vergoldete Rocaillen zum Empfang Bild: "Schloß Sanssouci", Nicolaische Verlagsbuchhandlung

Als „Sitz der Ruhe, des häuslichen Lebens, der schönen Natur und der Musen“ hatte Friedrich der Große sein Weinbergschloß „Sans Souci“ alljährlich zwischen April und Oktober genossen. Jetzt strömen die Touristen durch das historische Interieur.

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          Sanssouci, das Kronjuwel unter den Schloßbauten der Hohenzollern, hat zur Sommerszeit regelmäßig Mühe, die Besucherströme aus aller Welt beim Gang durch die Wohnräume Friedrichs des Großen zu kanalisieren. Während der Hauptsaison sind es täglich nicht weniger als eintausendachthundert Personen, die den historischen Interieurs zugemutet werden. In vierzigköpfigen Gruppen durcheilen sie die friderizianisch geprägten Raumfolgen von Schloß Sanssouci, dessen Entstehungsgeschichte und wechselnder Nutzung als Feudalbau und Museum eine kürzlich erschienene Monographie von Hans-Joachim Giersberg Rechnung trägt.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ibbekens glänzend gedruckte Lichtbilder erlauben verblüffende Nahsichten auf jene Details der Ausstattung des Schlosses, die während der Führungen leicht übersehen werden. Was zurückliegenden Publikationen wie dem 1964 erschienenen Standardwerk von Willy Kurth an Abbildungsmaterial ermangelte, besitzt die Neuerscheinung in überreichem Maße: farbige Wiedergaben vom Schmuck der Wände und Decken in jenem herausragenden Bauwerk, das der preußische König zusammen mit seinem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff wenige Jahre nach Übernahme der Regierungsgeschäfte im märkischen Sand realisierte.

          „Wie ein Wachhund vor seinen Büchern“

          Als „Sitz der Ruhe, des häuslichen Lebens, der schönen Natur und der Musen“ hatte Friedrich der Große sein Weinbergschloß „Sans Souci“ alljährlich zwischen April und Oktober genossen, bis ihn am 17. August 1786 im Arbeits- und Schlafzimmer seines Potsdamer Refugiums der Tod ereilte. Hier lud er führende Köpfe seiner Zeit zu den von Adolph Menzel imaginierten „Tafelrunden“ ein, hier ertönte sein von Kennern bewundertes Flötenspiel, hier widmete er sich dem Studium antiker und moderner Autoren. Als Reminiszenz an das Rheinsberger Turmkabinett, die Bibliothek des Kronprinzen, hatte Knobelsdorff einen ebenso hohen wie breiten Raum entworfen, dessen Zugang lediglich Eingeweihten bekannt war.

          Hier flanierte Friedrich der Große mit Voltaire, hörte Konzerte von Bach
          Hier flanierte Friedrich der Große mit Voltaire, hörte Konzerte von Bach : Bild: "Schloß Sanssouci", Nicolaische Verlagsbuchhandlung

          Wie Hans-Joachim Giersberg, der die Potsdamer Schlösserstiftung bis zur Pensionierung im Herbst 2001 umsichtig geleitet hatte, in seiner Einführung anmerkt, „schlief der König wie ein Wachhund vor seinen Büchern“, die jederzeit griffbereit sein mußten.

          Generalthema „Wein“

          Die Idee, einen „Wüsten Berg“ nahe dem Küchengarten seines Vaters mit Weinstöcken zu bepflanzen und mit einem Schloß zu krönen, hatte bereits im August 1743 von Friedrich Besitz ergriffen. In einem Brief an seine Mutter weiß er begeistert zu berichten: „Wir haben gestern auf dem Hügel gespeist, von wo aus die Sicht reizend ist.“ Gemeint war der weite Blick über die Havel hinweg bis zu den Höhenzügen hinter Caputh. Mit der Bestellung von vierhundert Feigenbäumen und dreihundert Weinstöcken konkretisierte sich das kühne Vorhaben einer Symbiose zwischen Landwirtschaft und Musenhof. Gegen den Plan seines Architekten, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, wollte Friedrich zu ebener Erde vom Wohnbereich in die freie Natur überwechseln. Nicht nur die lebensgroßen Karyatiden an der Gartenfassade, von Friedrich Christian Glume als kraftvolle Bacchanten und Bacchantinnen ausgeformt, unterwarfen sich dem bestimmenden Generalthema „Wein“. Bereits im Vestibül, über den von Kolonnaden gerahmten Ehrenhof zu erreichen, fallen an den Flügeltüren die von Johann Christian Hoppenhaupt geschnitzten, vergoldeten Ornamente mit Weinlaub und Trauben auf, darüber die Reliefs mit turbulenten Szenen aus dem Bacchus-Mythos.

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