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Perspektiven der Stadt (7): Bergisch Gladbach : Die ganze Wahrheit kennt nur der Wurstseppel

Familienfeier der Küchengötter: Gruppenfoto beim „Althoff Festival der Meisterköche” vor dem Hotel Schloss Bensberg in Bergisch Gladbach.

Ein Zehnjähriger mit dem Gewicht eines Zwanzigjährigen rät uns freundlich, Abstand zu halten, denn der Brunnen sei "ijitt, da machen nämlich immer de Hunde Pippi erinn". Und die Mütter rufen im Chor: "Äwwer nitt nur de Hunde!" Klopfen auf Schenkel, schepperndes Lachen, herzliches Volk. Doch wie ist das nun mit den Gourmetrestaurants? "Wat? Gourmet? Wat meinen Se damit?" Na, diese weltberühmten Lokale mit Michelin-Sternen, Gault-Millau-Punkten, Feinschmecker-Effs. "Dat jiddet hä nitt." Doch, doch, ganz bestimmt gibt es das hier, wir haben Informationen. "Nee, nee, und wenn öwerhaupt, dann kann dat nur dä ,Bergische Löwe' sinn. Dä is äwwer nitt Gourmet oder so wat, dä is Grieche, immer die Fußgängerzone eraff und dann rechts. Super Küche, humane Preise, und die Vorsuppe kriegste sogar umsonst dazu." Nun ja, die griechische Küche - "Wart emol, vielleicht hat auch dä China-Imbiss beim Thalia so ene Stern, der Hang Fu oder Kung Fu oder wie dä häißt." Vielen Dank, meine Damen, wir finden uns zurecht. Ein paar Schritte weiter stoßen wir tatsächlich auf den wohlbeleumdeten Asiaten, das muss er sein: "Hong Fu China Buffet. All you can eat. 6,30 Euro".

Grundausstattung für Satanisten, Raubritter und Blutsauger

Bergisch Gladbach ist eine Stadt, die es sich allen Anfeindungen des Lebens zum Trotz gern gut gehen lässt, und zwar an Leib und Seele. Wer das nicht glaubt, muss nur einmal die Fußgängerzone in voller Länge durchschreiten. Man kommt an einem ganzjährig geöffneten Karnevalsgeschäft vorbei, das den kompletten Satanisten-, Blutsauger- und Raubritterbedarf inklusive abgeschnittener Füße und blinkender Totenschädel nebst radikalfeministischer T-Shirts mit Aufdrucken wie "Superjeilezick" führt. Man stößt auf ein Teefachgeschäft, das dreihundertfünfzig Sorten inklusive der Selektionen "Für's Murmeltier", "Gut's Nächtle" und "Hurleburlebutz" vorrätig hat, aber auch Tees für Menschen, die nicht so gern hurleburlebutzen - sie können auf ein sehr feines grünes Gewächs aus Japan für 86,80 Euro pro hundert Gramm zurückgreifen, sofern sie ganz persönlich keinem Nothaushalt unterliegen.

Und man kann sich von einem Laden mit dem sprechenden Namen "Vom Fass" hinters Licht führen lassen - es schenkt gar kein frisches Kölsch aus, sondern füllt Öle, Essige und Schnäpse direkt aus Holzfässern und Glasbottichen ab. Hier gibt es Calvados, Cognac, Armagnac, Rum, Bourbon, Grappa, Sherry und sogar Absinth, Sesam-, Walnuss-, Trüffel-, Chili- und auch Mandelöl, dazu Fleur de Sel, handgemachte Nudeln und andere Delikatessen für den fortgeschrittenen Feinschmecker, all das dargeboten von einer Verkäuferin, die sich allerdings nicht in sämtlichen Fragen des gehobenen Geschmacks erschöpfend auskennt. "Sterne-Restaurants in Bergisch Gladbach? Ja, ja, da soll es was geben, Lerbacher Hof oder so ähnlich heißt das, glaub' ich. Und die Gastronomie im Schloss Bensberg ist bestimmt auch nicht schlecht." Wir mögen ihre Unkenntnis entschuldigen, sie komme nicht aus der Stadt, sondern aus dem Oberbergischen, "so Richtung Olpe". Kein Problem, man kann schließlich nicht alles wissen.

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