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Perspektiven der Stadt (4): Wolfsburg : Deutschland, Deine Autostadt

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Ein Käfer machte Wolfsburg berühmt. Beliebter sind dort inzwischen jedoch Enten. Bild: Jörn Klare

Wolfsburg geizt mit augenfälligen Reizen und ist deshalb nicht gerade als Stadt für Flaneure bekannt. Dennoch kommt man dort als Spaziergänger Deutschland sehr nah - und kann dabei ganz wunderbar entspannen.

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          Kurzum, die vielen Bibliotheken und Museen an denen ich im Leben vorbeigekommen bin, hatten sich über meine Aufdringlichkeit nicht zu beklagen. Dagegen zog mich von jeher das Leben der Straße an, und den Geräuschen des Tages zu lauschen, als wären es die Akkorde der Ewigkeit, das war eine Beschäftigung, bei der die Genusssucht und die Lernbegier auf ihre Kosten kamen.“ (Karl Kraus)

          Der Zug hält in Wolfsburg. Das ist schon mal gut. Vor zwei Wochen ist der Lokführer entgegen dem Fahrplan einfach nach Berlin durchgebrettert. Im Internet gab es dafür viel Häme. Die Stadt, hieß es dort, sei „irgendein Kaff“, das seinen ICE-Bahnhof gar nicht verdient. Gemein, oder?

          „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“

          Ich will es wissen, steige aus und betrete zum ersten Mal in meinem Leben Wolfsburger Boden. Der fühlt sich ganz normal an. Es soll ein Sonntags- und vielleicht auch Montagsspaziergang werden, ohne festen Plan ganz im Geist des klassischen Flaneurs. Der „ist offen für die Vielfalt der Eindrücke, die sich im bieten, verfolgt, was auf der Straße geschieht, und ist auch interessiert an scheinbar Unbedeutendem“, schreibt Stefanie Proske in dem schönen Büchlein „Flaneure - Begegnungen auf dem Trottoir“. Allerdings schreibt die Autorin auch, dass die Hochphase der Flaneure in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war. Da gab es Wolfsburg noch gar nicht.

          Kein anderer Ort in Deutschland ist so sehr Autostadt wie Wolfsburg - das Firmenlogo von Volkswagen am Stammsitz des Unternehmens.

          Die Stadt, die mit einhundertzwanzigtausend Einwohnern per Definition gar eine Großstadt ist, wurde erst am 1. Juli 1938 gegründet. Auf Betreiben der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ wurde hier, siebzig Kilometer östlich von Hannover, der Grundstein für jene Autofabrik gelegt, die den VW-Käfer bauen sollte. Bis kurz nach dem Krieg trug Wolfsburg deshalb auch den etwas sperrigen Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ - das ist keine wirklich schöne, dafür aber letztlich sehr erfolgreiche Geschichte. Heute ist Wolfsburg Sitz des VW-Konzerns, dem größten Automobilhersteller Europas.

          Fleiß und Ausdauer nicht nur auf dem Fussballplatz

          Aus Fallersleben, einem der Dörfer, die mittlerweile zur Stadt gehören, stammt August Heinrich Hoffmann. Der schrieb viele Kinderlieder, aber auch das „Lied der Deutschen“, dessen Strophen man aus bekannten Gründen jedoch nicht mehr alle singen darf. Nationalhymne, „Kraft durch Freude“, Volkswagen - Wolfsburg, so viel scheint schon mal klar, ist ganz schön viel Deutschland.

          Mit diesem Basiswissen betritt der Flaneur den Bahnhofsvorplatz und trifft auf Felix Magath. Das ist der Trainer des heimischen Fußball-Bundesligisten. Für diesen wirbt Magath mit einem großen Foto, das an einem hässlichen Haus hängt. Magath ist bekannt dafür, dass er autoritär ist, viel Wert auf Fleiß und Ausdauer legt und Wolfsburg so vor zwei Jahren zum deutschen Fußball-Meister machte.

          Wer zu spät kommt, verpasst nichts

          Noch mehr Deutschland, denkt sich der Flaneur, hält sich links und stellt verwundert fest, dass tatsächlich alle Taxen hier VW-Produkte sind. Ansonsten sieht er etwas Himmel und viel Beton. Wohin der Blick auch schweift: Der Beton ist schon da. Nicht in zum Himmel strebender Höhe, sondern in raumgreifender Breite.

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