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Oldtimerrallyes : Langsamkeit ist ein lustvoller Luxus

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Die Freude am Fahren hat nichts mit dem Alter des Fahrzeugs zu tun. Bild: dpa/dpaweb

Alte Autos und mit ihnen Rallyes wie die Mille Miglia in Italien, die Silvretta Classic und die Ennstal Classic in Österreich erleben eine erstaunliche Renaissance. Sie sind eine blühende Nische im darbenden Tourismus.

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          Es ist ein Vorurteil, daß sich Frauen nicht für Autos interessierten. Wenn im Sommer in den schönsten Gegenden Deutschlands, Österreichs oder Italiens Hundertschaften gleichermaßen alter wie lauter Automobile auftauchen, scharen sich nicht nur technikverliebte Männer um die Boliden. Auch ältere Frauen umkreisen die Fahrzeuge, in der Hand die Supermarktplastiktüte vom Wochenendeinkauf, und mustern mit respektvollen Blicken die chromblitzenden Klassiker - bei Oldtimer-Ausfahrten ist das Publikumsinteresse groß und von Sozialneid so gut wie keine Spur. Bewundert werden Ferraris und Porsches genauso wie eine kugelrunde BMW Isetta oder ein gepflegter Käfer aus den fünfziger Jahren.

          Alte Autos und mit ihnen Rallyes wie die Mille Miglia in Italien, die Silvretta Classic und die Ennstal Classic in Österreich, aber auch Bergrennen wie das auf dem Roßfeld bei Berchtesgaden oder das am Klausenpaß in der Schweiz, erleben eine erstaunliche Renaissance. Schließlich lassen sich die guten alten Zeiten in Jahren, in denen die Menschen unter wirtschaftlichen Problemen und Zukunftsängsten leiden, besonders gut verkaufen. Nostalgie ist die kleine Flucht aus dem Alltag, und längst geht es nicht mehr darum, wer als Schnellster ins Ziel kommt. Man fährt Gleichmäßigkeitsrennen, bei denen vorgegebene Zeiten oder Durchschnittsgeschwindigkeiten einzuhalten sind.

          Menschenmassen am Straßenrand

          Die legendäre Mille Miglia (www.millemiglia.org) ist mittlerweile ein touristisches Großspektakel. Mehr als dreihundertfünfzig Teams nehmen an ihr teil und dazu noch Hunderte von Privatfahrern. Organisierte Touren zum Startpunkt in Brescia und entlang der Strecke werden von vielen Reiseveranstaltern angeboten. Ähnlich populär ist auch die Rallye Ennstal Classic geworden (www.ennstal-classic.at). Etwa hundertfünfzig Autos umfaßt das Starterfeld, mehr als doppelt so viele Oldtimerfans bewerben sich. An den drei Tagen Ende Juli säumen geschätzte fünfundsiebzigtausend Zuschauer die Strecke. Renommierte Automarken wie Porsche, Mercedes-Benz, Audi und Aston Martin beteiligen sich an der Ausfahrt und schicken prominente Fahrer auf die Reise. Rund um Schladming, dem Ausgangsort der Ennstal Classic, ist die Oldtimerrallye zu einem Fixpunkt im touristischen Kalender geworden. "Viele Leute buchen ihre Urlaubsreise extra für das Rennen. Und die Orte in der Umgebung kämpfen darum, als Etappenziel ausgewählt zu werden", sagt Georg Bliem vom Tourismusverband Dachstein-Tauern.

          Ähnliche Dimensionen hat inzwischen die Silvretta Classic erreicht (www.silvretta-classic.de). Nach den Bregenzer Festspielen ist sie die zweitgrößte Veranstaltung im Bundesland Vorarlberg. Um die hundertvierzig Startnummern buhlen dreimal so viele Kandidaten. Knapp dreihundert Teilnehmer, dieselbe Zahl an Betreuern, dazu die Werksteams der Automobilhersteller sowie eine riesige Zahl von Fans bessern die Übernachtungsstatistik des Vorarlbergs auf. Das Angebot eines Reiseveranstalters aus Tübingen, der Ausflüge zur Silvretta Classic in einem Oldtimer-Omnibus anbot, war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. "In diesem Umfeld ist ein hochwertiger Incentive-Tourismus entstanden", sagt Arno Fricke, Direktor der Montafon Tourismus.

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