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Marathontraining auf der Seiser Alm : Feleke ist unglaublich schnell

  • -Aktualisiert am

Schritt halten klappt nur im Gehtempo: Beim Training mit afrikanischen Marathonprofis lernen Hobbyläufer vieles - auch Bescheidenheit. Bild: Helmut Luther

Im Sommer trifft sich auf der Seiser Alm die Marathonelite Afrikas. Hobbyläufer, die mittrainieren wollen, sind herzlich willkommen - ein Erfahrungsbericht.

          5 Min.

          Auf der Seiser Alm sieht man derzeit viele Afrikaner. Das fällt auf, da die Alm im Herzen der Dolomiten liegt. Es bimmeln Kuhglocken, und ab und zu duftet es dezent nach Dung. Beim Wandern kann man auf Männer in speckigen Lederhosen treffen, die, auf einem Felsen stehend, mit einer ledernen Peitsche knallen. Man wagt nicht zu fragen, ob das tatsächlich aus Begeisterung geschieht oder ob die wettergegerbten Typen den alpinen Brauch im Auftrag des lokalen Fremdenverkehrsamtes pflegen - immerhin ist die Seiser Alm bei Wanderern beliebt. Vor solch Kulisse erstaunen die Kohorten dunkelhäutiger Menschen. Und manche der Besucher lassen sich zu Reaktionen hinreißen, die äußerst unangemessen sind: Gäste eines namhaften Hotels etwa beschwerten sich unlängst über die Afrikaner in Trainingsanzügen, die im selben Raum zu Abend speisten - warum man gemeinsam mit dem Personal essen müsse, wurde die Hotelleitung gefragt.

          Wir liegen auf einer Massagebank im Fitnessraum unseres Hotels, und Ezio, der italienische Trainer, knetet unsere übersäuerten Waden. Der Mann neben uns ist einer der afrikanischen Marathonläufer, die für drei Wochen ihr Trainingscamp auf der Seiser Alm aufgeschlagen haben. Trotz der bekannten Bilder von schmalen Superläufern wundern wir uns nun doch über seine schmale Statur. So lässt sich doch kein Marathon gewinnen! Die gemeinsame Aufwärmrunde am Vormittag war für uns dennoch ziemlich schnell vorbei. Ezio rät deshalb, dass wir morgen mit den Bankern aus Mailand laufen. Wie bitte? Im Zeitlupentempo waren sie losgetrabt, eine Gruppe rundlicher, solariumgebräunter Mittvierziger. Ihnen fühlen wir uns garantiert nicht zugehörig. Niemals!

          Die Fußsohlen des nächsten Olympiasiegers

          Im Herbst wollen wir einen Halbmarathon laufen, deshalb sind wir hier. Der Afrikaner auf der Liege neben uns streckt seine nackten Füße in die Luft. Mit einer elektrischen Feile bearbeitet sein Trainer Claudio Berardelli die Fußsohlen. Sie sind ledrig und erinnern an Elefantenhaut. Der Mann muss also doch ziemlich viel laufen. "Wie gut ist er eigentlich?", fragen wir. Berardelli gibt die Frage an seinen Schützling weiter. Doch der lächelt nur schüchtern und hört weiter die afrikanische Musik aus seinem Handy. Also übernimmt der Trainer das Reden: Feleke Abreham Cherkos, zweiundzwanzig Jahre jung, ist Junior-Weltmeister im 5000-Meter-Lauf, bei den Olympischen Spielen 2008 wurde er Fünfter in dieser Disziplin. Auch beim Boston Marathon im April belegte er den fünften Platz, und zwar in einer Wahnsinnszeit: 2:06,13. "Feleke wird der nächste Olympiasieger", sagt Berardelli. Wir erheben uns von der Massagebank und werfen noch einen Blick auf den schmächtigen Äthiopier. Selbstzweifel beschleichen uns. Plump und übergewichtig kommen wir uns auf einmal vor. Bis zum Herbst müssen noch einige Kilo runter. Den Namen des jungen Mannes aus Assela im äthiopischen Hochland werden wir uns merken.

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