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Luxustourismus : Der kleine Preis von Monte Carlo

Bauplatz ist knapp in Monte Carlo Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In den teuren Betonnestern Monte Carlos leben 31.000 Menschen, aber nur 7.000 sind echte Monegassen. Denn die Stadt ist das erste Ziel für Luxustourismus, aber nicht nur: Monaco möchte neuerdings ein ganz gewöhnliches Fürstentum sein.

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          Das Hemd des Galeristen spannte über dem Bauch. Es flatterte ihm auch aus der Hose, seine halblangen Locken glänzten: So stürzte er, halb Gigolo, halb Künstlertyp, seinen beiden Kundinnen hinterher auf die abendliche Rue Grimaldi von Monaco. Die beiden Damen, leicht verwittert, im Pelz und sonst in Burberry gemustert, drehten sich noch einmal zu ihm um. Und da stand er, die Hingabe in Person, führte seine Hände an die Lippen und vor der Brust zusammen wie zum Gebet, dann legte er sie ans Herz: Ihr seid, das zeigt der Galerist den Damen mit dem ganzen Körper, die wertvollsten, besten Kundinnen meines Geschäfts. Ach, was sage ich da: Ihr seid meine Prinzessinnen, und ich bin nur euer ergebener Diener. Kommt wieder, und ich beschenke euch mit Kunst, so wie ihr mich mit eurem Besuch beschenkt.

          Tobias Rüther
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das ist Monaco. Italienisch für Anfänger. Und Französisch für Menschen, die leider die Sprache nicht beherrschen. In Monaco an der Cote d'Azur verjagen einen die Verkäufer im Geschäft nämlich nicht gleich, wenn man sie mal auf englisch anspricht. Das Fürstentum, ein winziger Flecken zwischen Italien und Frankreich, keine zwei Quadratkilometer groß, ist ein Vielvölkerstaat. Nicht nur, weil in diesem sogenannten Steuerparadies über achtzig Prozent Ausländer leben, sondern auch, weil die Monegassen selbst eine Mischung sind: aus Italienern, Franzosen und auch einem Anteil Katalanen, das erzählen einem die Monegassen jedenfalls so.

          Supermärkte in Monaco preiswerter als in Nizza

          Und es ist - jeder weiß das - ein sehr reicher Ort, oder besser: ein Ort der Reichen. Auch wenn das Fürstentum mit all seinen an den Felsen gepreßten Appartement-Silos manchmal wie der Stadtring von Bukarest aussieht: Dies sind Betonnester für Vermögende. In Monaco kann es an einem gewöhnlichen Samstagmorgen passieren, beim Frühstück im „Fusion“ am Yachthafen neben Heinz-Harald Frentzen zu sitzen, dem Rennfahrer. Oder abends im argentinischen Steakrestaurant des Hotels „Fairmont Monte Carlo“ neben der großen Shirley Bassey. Reifere, aber gestraffte Damen wie die Bassey (oder die Kundinnen des pompösen Galeristen) gehören in Monaco zum Straßenbild, auch wenn die Grandezza geschäftsmäßiger geworden ist, die strenge Etikette nachgelassen hat, die Regeln der Garderobe gebrochen werden dürfen: No Smoking ist jetzt erlaubt, abends in den Casinos und Restaurants der Stadt.

          Nun ist es das Schicksal aller Grandhotels der Welt, weniger und weniger die Gäste begrüßen zu können, die sie verdienen. Monaco aber, behauptet immerhin Francois Chantrait, Kommunikationsminister des Fürstentums, ist unglücklich mit dem Ruf, nur den Reichtum und Glamour zu beherbergen. „Wir sind zwar das erste Ziel für Luxustourismus“, sagt der Minister, „aber nicht nur das.“ Und dann zählt er auf, wie Monaco sich eigentlich in der Welt sehen möchte: als modernen Wirtschaftsstandort, der eco-friendly ist. Als Handelsplatz für Banken, Heimat der Kultur und der Kosmetik- und Pharmaindustrie. Als Kongreßzentrum, dank dem neuen „Grimaldi-Forum“, und als Arbeitgeber für die ganze Cote d'Azur, wohin die Leute zum Einkaufen führen, weil Supermärkte in Monaco preiswerter seien als etwa in Nizza.

          „Formel-1-Grand-Prix nur ein Ereignis im Jahr“

          „Hier leben die Leute in ganz normalen Verhältnissen“, sagt Francois Chantrait. Wie Andre Rinaldi, der „letzte Fischer von Monaco“, der an diesem Samstag morgen direkt vor dem „Fusion“ seinen Fang für den Verkauf in Kisten packt. Er drückt einem herzlich die Hand, mit fischigen Händen. Seit er fünfzehn ist, das ist jetzt vierzig Jahre her, fährt er jeden Morgen hinaus auf die See. Ein Vorzeige-Monegasse für die Idee des alltäglicheren, bodenständigeren Monaco.

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