https://www.faz.net/-gxh-pwsq

Luftfahrt : Gratistrip oder: Das Geheimnis von Tarif Z

  • -Aktualisiert am

Der kürzeste Weg muß nicht der billigste sein - vor allem nicht in der Business Class der Lufthansa. Wer beispielsweise den Preis für ein Business-Class-Ticket München-Dubai und zurück von stolzen 4039 Euro reduzieren will, muß nur einen kleinen Umweg - vielleicht über Italien - in Kauf nehmen.

          Der kürzeste Weg muß nicht der billigste sein - vor allem nicht in der Business Class der Lufthansa. Wer beispielsweise den Preis für ein Business-Class-Ticket München-Dubai und zurück von stolzen 4039 Euro reduzieren will, muß nur einen kleinen Umweg - vielleicht über Italien - in Kauf nehmen. Der Rabatt kann dann bis zu vierzig Prozent betragen. Also mittags in der "Holzklasse" nach Ancona fliegen, dort ausgiebig zu Mittag essen und sich dann - natürlich in der Geschäftsreiseklasse - wieder auf den Weg nach München machen, damit man den Abflug der Maschine um 21 Uhr 30 Uhr nach Dubai erreicht. Nach der Rückkehr nach München wäre der Italien-Ausflug sogar noch einmal drin.

          Diese Reisen nach Italien kosten nichts. Und für den ganzen Trip - einschließlich der beiden Abstecher - berechnet die Lufthansa nur 2350,32 Euro. Der Umweg spart genau 1688,68 Euro. Teilnehmer am Kundenbindungsprogramm "Miles & More" erhalten nicht nur 11340 Meilen für die Strecke München-Dubai- München gutgeschrieben; die beiden Italien-Ausflüge schlagen nochmals mit 5500 Meilen - das ist fast die Hälfte der ursprünglich beabsichtigten Reise - positiv zu Buche.

          Zum Mittagessen nach Brüssel

          Möglich macht diesen günstigen Umweg der Lufthansa-Tarif Z, der in der Business Class nicht nur für Ancona, sondern auch für Venedig, Mailand oder andere italienische Städte gilt. Und wer lieber in Brüssel zu Mittag ißt, erreicht den Tarif Z auch über den Umweg Belgien. Ebenso sind auch andere Länder nutzbar. Deutsche Reisebüros bieten die Variante Z mit dem Abstecher ins benachbarte Ausland nicht so gerne an, denn von Deutschland aus gelten die Vergünstigungen eigentlich nur, wenn die Reise mindestens 60 Tage im voraus fest gebucht wird. Es gibt dafür auch nur Platzkontingente, die sich von Flug zu Flug ändern können - je nachdem, wie gut die jeweilige Verbindung mit Vollzahlern ausgelastet ist. Manchmal ist nur mehr der Tarif D buchbar, der zwar günstiger ist als C, aber nie so billig wie Z.

          "Lufthansa differenziert beim Verkauf von Flugtickets nach den Verkaufsmärkten", erklärt die Fluggesellschaft auf Anfrage. Bei der Preisgestaltung spiele etwa eine Rolle, wie lange die Gesamtreisezeit für die gewünschte Strecke betrage, ob "der Kunde einen geographischen Umweg in Kauf nehmen" müsse und - natürlich "wie die Lufthansa in diesem Markt zu den Wettbewerbern aufgestellt ist".

          Keine Kontrolle

          Kein Wunder, daß man sich besonders um Italien bemüht. Schließlich bedient das dortige regionale Streckennetz die Lufthansa-Tochter Air Dolomiti mit ihren kleinen Flugzeugen, welche die Passagiere gerne zum Umsteigeflughafen München befördert. Strenggenommen will die Lufthansa diesen Kampftarif Z den Deutschen gar nicht so sehr schmackhaft machen, kann sie aber - nach dem EU-Recht - von der Inanspruchnahme nicht ausschließen.

          Nicht mit sich spaßen läßt die Lufthansa allerdings bei den Bedingungen: Wer den Tarif Z in Anspruch nimmt, muß seine Reise im Ausland beginnen. Sonst droht eine saftige Nachzahlung, die auch schon mal direkt im Flugzeug erhoben worden sein soll. Und strenggenommen sollte sie auch jenseits deutscher Grenzen enden, wobei bisher nicht kontrolliert wurde, ob der Passagier vorher aussteigt und den letzten Coupon einfach verfallen läßt. Denn auch ein ausländischer Geschäftsreisender, den die Lufthansa mit dieser Vergünstigung in ihre Maschinen locken will, könnte ja seine Reisepläne für die Rückkehr ändern müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.