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Literarisch unterwegs : Von Wegen

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Alte Pfade mit Stifter

Die Wanderwege wurden schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. Auch Stifter selbst dürfte auf ihnen spaziert sein. Es sind Wege, „auf denen eine Frau mit seidenen Pantoffeln hätte gehen können“, erklärte er bei einem seiner Aufenthalte auf dem Gut Rosenberg einmal. Insgesamt 24 Kilometer sind die vier Rundwege und Wegstrecken lang, die im Bayerischen Wald Stifters Namen tragen. Und garniert werden sie mit Tafeln, auf denen Zitate des Schriftstellers abgedruckt sind. Auch im österreichischen Mühlviertel, ebenfalls eine biographisch und literarisch aufgeladene Stifter-Region, kann man gleich auf sechs Spazier- und acht Wanderwegen auf den Spuren des Autors unterwegs sein, und auch dort gibt es Stifter zu lesen.

„Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen“, hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt, und deswegen muss natürlich auch er für Wanderwege herhalten. In Ilmenau gibt es so einen Goethe-Wanderweg, sogar zertifiziert als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Goethe war vom Herzog nach Ilmenau geschickt worden, um die Finanzen der Stadt auf Vordermann zu bringen. Zwanzig Kilometer ist der Weg zwischen Ilmenau und Stützerbach lang, und er führt sogar zu der Jagdhütte, an deren Bretterwand Goethe 1780 sein „Wanderers Nachtlied“ geschrieben hat.

Und in Weimar haben sie natürlich auch einen Goethe-Wanderweg. Er führt nach Großkochberg und soll der 28 Kilometer langen Strecke nachempfunden sein, die Goethe zurücklegte, um Charlotte von Stein zu besuchen. Goethe notierte 1777, er sei „halb Sechs zu Fuß von Weimar abmarschiert und war halb zehn schon hier“. Die Sehnsucht war offensichtlich groß.

Unterwegs mit Jean Paul

Pünktlich zum 250. Geburtstag Jean Pauls wurde nun auch der Jean-Paul-Weg vollendet - ebenfalls samt Smartphone-App, die in diesem Fall die Bayerische Staatsbibliothek entwickelt hat. Eine biographische Linie zieht sich durch die Landkreise Hof, Wunsiedel, Bayreuth und Kulmbach - auf 200 Kilometern. Wem das aber zu anstrengend und zu weit ist, der kann den Weg im Internet auf den Seiten des Literaturportals Bayern virtuell nachgehen.

Und wo es keine namhaften Literaten gibt, da lässt man einfach die Dorfschreiber ran. Wie im Teutoburger Wald, wo ein Wanderweg die „Waldgaststätte Bienen-Schmidt“ mit dem Haus des Gastes in Hörste verbindet. Im Luftkurort Lage-Hörste wurde ein literarischer Wanderweg erfunden, indem man eine Autorenvereinigung schreiben ließ. „Lyrische Gedanken“, wie es heißt, haben deren Mitglieder sich gemacht. Alle zwei Jahre werden die Gedichte der Hobbyliteraten ausgetauscht. An Verweilstationen soll der Spaziergänger über das Gelesene nachdenken können. Wer gar nicht genug davon bekommt, dem werden sogar literarische Wanderungen angeboten, samt Lesung - wenn man darauf gar nicht verzichten kann.

Nur Benn blieb daheim

Der österreichische Schriftsteller Thomas Glavinic beschreibt in seinem jüngsten Roman seine Expedition auf den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. Gar nicht auszudenken, was Touristiker daraus machen könnten, wenn sie auf kreatives Marketing setzen.

Bei so viel drohendem Einfallsreichtum ist man heilfroh darüber, dass es auch Autoren gibt, die dem durch eindeutige Aussagen vorbauen. Gottfried Benn zum Beispiel, der klipp und klar erklärte: „Ich finde schon Gehen eine unnatürliche Bewegungsart, Tiere laufen, aber der Mensch sollte reiten oder fahren.“ Da braucht es schon viel Einfallsreichtum, um einen Gottfried-Benn-Wanderweg zu erfinden.

Dichter-Wege

Informationen zu den Twain-Wegen gibt es unter www.zermatt.ch, www.luzern.com und www.ottenhoefen.de. Der Stifter-Litera-Tour-Weg ist auf www.neureichenau.de beschrieben, die Stifter-Wege im Mühlviertel auf www.adalbertstifter.at. Die Goethe-Wanderwege sind zu finden auf den Seiten der Stadt Ilmenau www.ilmenau.de und unter www.im-weimarer-land.de. Den Jean-Paul-Weg findet man unter www.jeanpaul-oberfranken.de, www.literaturportal-bayern.de und die App unter www.jean-paul-2013.de. Den Dürrenmatt-Weg samt App unter www.kiesental.ch. Und wer in Lage-Hörste wandern will, findet alle Informationen unter www.naturpark-teutoburgerwald.de.

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