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Liechtenstein : Der Fürst und seine Hobbywinzer

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Schloß Vaduz in Liechtenstein Bild: gms

Ein Streifzug durch die Gasthäuser und Restaurants des Fürstentums wird zur Entdeckungsreise durch die kleine, aber feine Liechtensteiner Weinkultur.

          Wollen Sie einen Wein aus Liechtenstein probieren? Dann versuchen Sie ruhig einmal, eine Flasche zu bekommen. Die Suche wird soviel Zeit kosten, daß Sie lieber gleich selbst in das Alpenländchen fahren könnten. Keine schlechte Idee übrigens, denn in dem kleinen Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz ist der Wein nicht nur rar, sondern auch außergewöhnlich gut.

          Viel Platz ist dort nicht für den Weinbau, und deshalb nutzt man fast jede freie Fläche aus. Da es keine gesetzlichen Beschränkungen für den Anbau von Reben gibt, kann jedermann seinen Schrebergarten in einen Weinberg verwandeln. In der Hauptstadt Vaduz sind sogar die Vorgärten der Einfamilienhäuser und die Grünflächen einiger Bankfilialen mit Reben bestückt, so daß das Ortsbild eher an eine provinzielle Weinbaugemeinde als an einen internationalen Finanzplatz erinnert.

          Krönung der fürstlichen Erzeugung

          Die bekannteste Weinlage in Vaduz ist der Herawingert, der bereits seit dem dreizehnten Jahrhundert mit Reben bepflanzt ist. Die vier Hektar gehören der Fürstlichen Hofkellerei. Pinot Noir ist die wichtigste Rebsorte, die in Liechtenstein lange Zeit unter dem Namen "Vaduzer Beerli" verkauft wurde. Im Kellereigebäude und der angeschlossenen Vinothek können sämtliche Weine verkostet werden, wobei sich der im Barrique ausgebaute Pinot Noir aus dem Abtswingert, ebenfalls mitten in Vaduz gelegen, in den letzten Jahrgängen regelmäßig als Krönung der fürstlichen Erzeugung erwiesen hat.

          Die kleinen Weinbauern in Vaduz haben ihren Anteil an den Weinen der Herrschaft, denn die meisten liefern ihre sorgsam behandelten Trauben an die Hofkellerei. In den Dörfern des Liechtensteiner Unterlandes hingegen ist in den letzten Jahren eine Winzergeneration herangewachsen, die neue Wege geht. Hier erzeugt jeder seinen eigenen Wein.

          Schrebergärtner mit Vorliebe für Rebbau

          Der Winzerverein hat etwa dreißig Mitglieder, die sich nicht einmal als Nebenerwerbswinzer betrachten, sondern eher als Schrebergärtner mit einer Vorliebe für den Rebbau. Schließlich braucht man lediglich drei Rebstöcke und ein Etikett, um dem Verein beizutreten. Die Winzer aus dem Liechtensteiner Unterland verbringen jede freie Minute mit ihren Weinstöcken und pflegen sie mit einer Liebe zum Detail, die sich kein professioneller Weinbauer leisten könnte. Sie haben es nicht nötig, Aufwand und Ertrag zu messen und gelangen wohl gerade deshalb zu ungewöhnlich guten Resultaten.

          Weil diese Hobbywinzer nur kleine Mengen Pinot Noir oder Müller-Thurgau erzeugen, bleibt der Wein in der Familie oder wird im Bekanntenkreis getrunken. Einige erteilen auch einem befreundeten Wirt das Exklusivrecht für den Ausschank ihrer Überschüsse. Noch das einfachste Gasthaus in den Dörfern Balzers, Triesen, Schaan oder Bendern wartet deshalb mit einer Weinrarität auf. Welcher Wein von welchem Winzer, dies ist immer die spannende Frage, wird hier wohl serviert? Der Gast kann sicher sein, daß der jeweilige Wein nirgendwo sonst zu bekommen ist. So wird ein Streifzug durch die Gasthäuser und Restaurants des Fürstentums zur Entdeckungsreise durch die kleine, aber feine Liechtensteiner Weinkultur.

          Leichte und originelle Saisonküche

          Die Gastronomie in Vaduz und Umgebung bemüht sich, ihre Gerichte auf den heimischen Wein abzustimmen. Eine gelungene Kombination von Ambiente, Wein und Speisen findet der Gast im vielgerühmten Restaurant Torkel, das sich im Besitz der Hofkellerei befindet und mitten im Herawingert liegt. Von der Terrasse hat man einen herrlichen Ausblick auf die Schweizer Alpen. Die modern inspirierte alpenländische Küche kann mit diesem Panorama mithalten, und natürlich serviert man die feinsten Weine des Fürstenhauses, die nicht nur aus Liechtenstein, sondern auch aus den herrschaftlichen Besitztümern im österreichischen Weinviertel stammen.

          Die Weinkarte des Restaurants Real im Zentrum von Vaduz beeindruckt auf den ersten Blick durch ihre Bordeaux- und Champagnerauswahl. Doch sollte man zur leichten und originellen Saisonküche bei den Liechtensteiner Tropfen bleiben, zumal sich hier die seltene Gelegenheit bietet, einen Chardonnay aus der Lage Herawingert zu probieren, der nicht einmal auf der Preisliste der Hofkellerei zu finden ist. Von diesem Wein stehen selbst in guten Jahrgängen höchstens zweitausend Flaschen zur Verfügung, so daß man ihn nur ausgewählten Kunden zuteilt.

          Dem Ursprünglichen auf der Spur

          Anspruchsvolle regionale Küche bietet das Restaurant Alte Eiche in Triesen. Ausgehend von einigen traditionellen Rezepten wird dort eine frische, moderne Kochkunst betrieben. Dazu serviert der Hausherr selbstverständlich eigene Weine, die er auf einem malerisch gelegenen Weinberg unterhalb der Kapelle St. Mamerten anbaut. Müller-Thurgau und Blauburgunder sind Raritäten; die gesamte Erzeugung kommt lediglich in der Alten Eiche und bei einigen befreundeten Wirten zum Ausschank.

          Wer kulinarisch dem Ursprünglichen auf der Spur ist, sollte nach Schellenberg fahren, ans nördliche Ende des Fürstentums. In der Wirtschaft zum Löwen, im letzten Haus vor der österreichischen Grenze, kocht der Küchenchef noch buchstabengetreu nach "urchigen" Liechtensteiner Rezepten. Wie früher, als die Reisenden auf ihrem Weg von Österreich in die Schweiz hier einkehrten, gibt es Sauerkäse, Schwartenmagen und "Leua z'Brenn", die Löwenjause mit Schinken, Käse und Salsiz, einer luftgetrockneten Wurst. Spezialität sind die Käsknöpfli, ein klassisches Liechtensteiner Gericht mit der kulinarisch gewagten Zusammenstellung aus weichen Eiernudeln, Sauerkäse und Apfelmus. Der passende Wein dazu kommt natürlich entweder vom Fürsten oder von einem Hobbywinzer.

          Liechtenstein Tourismus, Städtle 37, FL-9490 Vaduz, Tel.: 0 04 23/2 39 63 00, Internet: www.tourismus.li.

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