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Kroatien : Mit der roten Zora, auf immer und ewig

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In Senj wird die rote Zora über Satellit ausgestrahlt. Die Serie aus dem Jahr 1979, alle dreizehn Folgen. Einer weiß immer, wann sie der Kinderkanal in Deutschland sendet, und dann wissen es alle. Manche haben sie auch auf DVD. Dass Deutsch kaum einer versteht, stört niemanden. Um Senj geht es schließlich und um die, die damals in der Serie mitgespielt haben. Noch immer leben einige von ihnen in der Stadt. Da ist Damir Vukelic, er spielte den Bruder der schönen Zlata. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie der Regisseur Fritz Umgelter in unsere Schule kam und nach Darstellern suchte, sagt er. Dreizehn Jahre alt war Vukelic damals und sehr sportlich. In schwierigen Szenen war er auch Zoras Double. Heute hat Vukelic einen Bauchansatz und schneidet den Männern von Senj die Haare, im eigenen Friseursalon am Pavlinskiplatz. Da ist auch Dario Grandic, der Stjepan, den Bauernjungen aus Brinje, verkörperte, der an den Markttagen immer mit den Eseln aus den Bergen nach Senj kam. Die Leute erinnern sich gern an damals, sagt er. Jeder wollte mitmachen. Grandic ist heute Dreher und arbeitet in einer kleinen Fabrik. Zu den meisten Darstellern hat er noch Kontakt, sagt er, außer zu jenen, die in Serbien leben. Andjelko Kos spielte den kleinen, zarten Nicola. Obwohl er einem Treffen zugestimmt hatte, kommt er nicht. Er lebe auf Krk, lässt er ausrichten. Die siebzig Kilometer bis nach Senj seien ihm ein Interview nicht wert. Er habe genug Interviews gegeben - Fragen, Antworten, das Hin und Her. Er will das nicht mehr.

Zora soll nicht Serbisch sprechen

Nicht auf Krk, in Senj wohnt er, sagt Stanko, der Fischer. Jeden Tag komme Kos an den Hafen, um Bekannte zu treffen. Stanko weiß das genau: Auch er plaudert dort jeden Tag mit Freunden. Seit Kos als Soldat im Krieg gegen die Serben diente, ist er scheu, sagt Stanko. Er habe so viel Schreckliches gesehen, dass er die Nähe von Menschen nicht lange ertrage. Besonders schwierig sei es, wenn sie Fremde sind.

Jugoslawien hatte die Fernsehserie im Jahr 1979 auf Serbisch synchronisiert. Doch das wollte sich keiner in Senj ansehen, statt dessen kursierten deutschsprachige Videos. Was haben die Serben schon mit dem Meer zu tun, sagen die Senjer. Was mit den Uskoken. Der Kinofilm aus dem Jahr 2008 wird ebenfalls ignoriert, weil er in Montenegro gedreht wurde.

Den Schwur gebrochen aus Liebe

Im Senj von heute ist Zora Patriotin, sie wird verehrt. Auch wenn sie eine Ausgestoßene, Verfolgte ist, steht sie für einen bedeutenden Teil der Geschichte und der Tradition der Stadt. Sie ist eine Zugewanderte, wie die Uskoken Zugewanderte gewesen sind. Ich bin eine Albanerin gewesen, bevor ich in Senj eine Uskokin wurde, sagt sie an einer Stelle im Buch. Einen Frühling und einen Sommer hält die Bande. Dann droht die Gemeinschaft zerstört zu werden: Blind vor Eifersucht und unerfüllter Liebe, bricht Zora den Schwur und verrät Branko an die Gendarmen. Doch dann nimmt Vater Gorian, der milde alte weise Mann, der für alles Worte und einfache Lösungen findet, Zora und Branko bei sich auf - weil er ahnt, dass die beiden zusammengehören. Auch Duro, Pavle und Nicola fügen sich. Sie werden Berufe erlernen, Bauer, Bäcker, Fischer. Die Uskoken sind tot, ruft Zora. Es leben die Uskoken.

Information: "Die rote Zora und ihre Bande" von Kurt Held, Sauerländer im Patmos Verlagshaus, Düsseldorf 2006, 19,90 Euro. Über Reiseangebote nach Senj gibt die Kroatische Zentrale für Tourismus, Kaiserstr. 23, 60311 Frankfurt, Telefon: 069/2385350, Auskunft.

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