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Kreuzfahrtschiff Aidadiva : Jeder bekommt seinen Platz an der Sonne

  • -Aktualisiert am

Ein Paradoxon im Ferienkleid: Die Aidadiva Bild: REUTERS

Die „Aidadiva“ ist der größte und bunteste Spaßdampfer, der jemals für deutsche Kreuzfahrer in See stach. Doch er ist viel mehr als ein schwimmendes Riesenspielzeug - dahinter steht die Geschichte einer unglaublichen Unternehmenskarriere aus der Nachwendezeit.

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          Ein Tisch ist mit blutroten Rosenblättern bestreut - wohl ein Geburtstag -, sonst herrscht im „Rossini“ minimalistische Kühle: weißes Leder, dunkler Hochglanzlack, Stahl. Im Eis silberner Kühler klirren Champagnerflaschen, auf viereckigen Designertellern servieren Kellner in langen Schürzen Parmesanmousse mit gebratener Riesengarnele und Tomaten-Brot-Salat. Zum Entrecote mit Kartoffel-Dim-Sum und Pfefferschaum empfiehlt der Sommelier einen Barolo Pareij.

          Wir speisen in einem Designertempel der Esskultur, aber wir befinden uns nicht in London und auch nicht in New York, sondern auf der Jungfernfahrt des größten und buntesten Spaßdampfers, den die deutsche Kreuzfahrtindustrie je über die Meere geschickt hat. Was wir essen, kommt aus der Küche von Günther Kroack, der zu Recht als einer der fünfzig Besten seiner Zunft in Deutschland gilt. Doch wir zahlen für das sechsgängige Gourmetmenü nur vierundzwanzig Euro und fünfzig Cent - der Aufpreis zur Vollpension auf dem Schiff. Mit zweitausend Mitpassagieren an Bord laufen wir gerade aus dem nordspanischen Hafen Vigo aus, aber wir haben nichts vor Augen als die kleine Abendgesellschaft an den weißgedeckten Tischen und das rosig im Licht der untergehenden Sonne schimmernde Meer.

          Wie ein Epos aus Hollywood

          Unser Schiff ist kein gewöhnliches Schiff zum Staunen, sondern ein Paradoxon im Ferienkleid. Hier das „Rossini“, eine Insel der „splendid isolation“, und daneben, darüber, darunter weitläufige Buffetrestaurants im Fantasy-Design von Karibik bis Tausendundeine Nacht, um deren üppige Buffetlandschaften dreimal täglich die Schnitzeljagd von Hundertschaften tobt. Die vierzehn Stockwerke hohe, zweihundertfünfzig Meter lange „Aidadiva“ ist das größte je gebaute Urlauberschiff für den deutschen Markt, aber unter den Neubauten der übrigen Welt, die bis zu viertausend Urlauber auf ihren Decks versammeln, ein Winzling.

          Public-Relations-Erfolg: Die fünf Millionen Euro teure Taufe

          Ein Superlativ jedoch war ihr Public-Relations-Erfolg. Die fünf Millionen Euro teure Taufe mit Gert Hofs spektakulärer Oper aus Laser und Licht vor drei Wochen in Hamburg schauten sich im Fernsehen Millionen Menschen an, und Hunderttausende harrten in der Kälte der Nacht am Ufer der Elbe aus, dreimal mehr Zuschauer als bei der Taufe des Ozeangiganten „Queen Mary 2“. Denn was die „Aidadiva“ einzigartig macht, was jeder spürt, auch wenn er nichts davon weiß, ist jene herzergreifende Mischung aus Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg, die sich aus der hollywoodreifen Geschichte der Aida Cruises ergibt, einem Schicksalsstück aus der Pionierzeit der Privatisierung in Mecklenburg-Vorpommern.

          Nicht die Designer der mächtigen Muttergesellschaft Carnival Cruises aus Miami nämlich haben den seetüchtigen Superspielplatz „Aidadiva“, Prototyp für drei weitere, bis 2010 bestellte Schwesterschiffe zum Preis von insgesamt 1,3 Milliarden Euro, erdacht und gebaut, sondern, wie es der allgegenwärtige Neubaudirektor Christian Schönrock aus Rostock stolz ausdrückt, „Fischköppe und Torfstecher“. Und zwar so, als hätten kleine Jungs mit glühenden Wangen an ihrem Lieblingsspielzeug herumgebastelt. Was an Lichteffekten möglich ist, haben die Schiffsarchitekten von der Lasershow am Sonnendeck bis zur blinkenden Bar in allen denkbaren Farben ausprobiert. Selbst die Toiletten sind als Lichtkunstwerke inszeniert. Und bevor man in den mit Minilämpchen gespickten Tunnel zur Discothek gelangt, betritt man eine Röhre mit Lichtboden und möchte am liebsten „Beam me up, Scottie“ ausrufen.

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