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Klostertal am Arlberg : Traue nie dem ersten Blick

  • -Aktualisiert am

Tiefschnee-Dorado Bild: AP

Seine wintersportlichen Qualitäten wie das Tiefschneeglück offenbaren sich dem Besucher nicht unmittelbar. Doch das Klostertal am Arlberg erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. „Hier fällt besserer Schnee als anderswo in den Alpen“, berichtet ein Freerider.

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          Man bekommt keine zweite Chance, um einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Diese Regel gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Orte - und ganz besonders für das Klostertal im äußersten Westen Österreichs. Seine wintersportlichen Qualitäten offenbaren sich dem Besucher nicht unmittelbar. Schuld daran ist die Geographie: Fast zwei Kilometer hoch türmen sich die Gipfel des Lechquellengebirges im Norden und die Verwallkette im Süden über dem Talgrund auf. Die Steilheit der dicht bewaldeten Hänge und die schroff darüber aufragenden Felswände sind es, die auf den ersten Blick eher abschrecken, anstatt einzuladen.

          Für die meisten Besucher ist das Tal zwischen Bludenz und Stuben ohnehin nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach St. Anton, Lech oder in die großen Tiroler Wintersportgebiete. Die Arlbergschnellstraße sorgt dafür, dass die Reisenden das Klostertal in wenigen Minuten durchfahren, bevor sie in den Arlbergtunnel eintauchen. So erhalten sie keine Gelegenheit, einen Blick hinter die alpine Drohkulisse zu werfen. Doch hoch oben, zwischen den felsigen Gipfelregionen und der Baumgrenze, nicht einsehbar vom Talgrund aus, erstreckt sich eine Winterlandschaft, die viel Abwechslung für Schneesportler aller Alters- und Könnensklassen bietet.

          „Besserer Schnee“

          Die Liebhaber gepflegter Pisten können am Anfang eines jeden Skitages wählen, ob sie sich dem überschaubaren Skigebiet am Sonnenkopf mit seinen dreißig Pistenkilometern zuwenden oder den kostenlosen Postbus Richtung Stuben besteigen, um dort in den Skizirkus von St. Anton einzusteigen. Vor allem aber breitet sich unter den Gipfeln auf der Südseite des Tals ein Tiefschnee-Dorado für Tourengeher und Variantenfahrer aus. Zusammen mit den unzähligen Skirouten weiter oben am Arlberg bildet das Klostertal ein Geländerevier, das dem Vergleich mit den anderen Top-Spots in Europa wie Chamonix oder Verbier mühelos standhält.

          Viele Skifreaks haben das Klostertal deshalb zu ihrer zweiten Heimat erklärt, so wie Andi, den man ohne Übertreibung als „Skibum“, als fanatischen Tiefschneefahrer, bezeichnen kann. Mehrere Jahre seines Lebens hat er mit der Suche nach dem besten Pulverschnee verbracht und dabei fast alle Freeride-Reviere der Alpen besucht. Trotzdem ist der gebürtige Allgäuer immer wieder ins Klostertal zurückgekehrt, er wohnt und arbeitet mittlerweile sogar im Örtchen Wald. „Das liegt auch daran, dass hier einfach mehr und besserer Schnee fällt als anderswo in den Alpen“, sagt er. Legt er sich einmal nicht meterdick auf die Hänge, spricht Andi nur abfällig vom „Zillertal-Schnee“.

          Sieben Meter Schnee pro Jahr

          Die heftigen Schneefälle am Arlberg haben aber auch Nachteile. Oft sorgen sie für erhöhte Lawinengefahr, besonders auf den Nordhängen. Keinesfalls fehlen dürfen bei Alpintouren im Klostertal deshalb Verschüttetensuchgeräte. Durchschnittlich sieben Meter Schnee pro Jahr bedeuten aber auch, dass die Saison am Arlberg länger dauert als anderswo. Meist kann man Ende April noch bis auf den Grund des Klostertals auf tausend Meter Höhe abfahren. Um sicherzustellen, dass man Sackgassen und Naturschutzzonen umfährt, sollte man sich als Neuling im Klostertal einem Bergführer anvertrauen, eben jemanden wie Andi.

          Den passenden Einstieg in das Skiplateau oberhalb des Klostertals bietet die Sonnenkopf-Gondel in Dalaas, die tausend Höhenmeter überwindet und in das gleichnamige Skigebiet führt. Oben breitet sich ein überraschend vielseitiges Pistenrevier aus, dessen höchsten Punkt man mit dem Sessellift auf den Glattingrat erreicht. An der Bergstation auf 2300 Meter Seehöhe trennen sich die Wege der Wintersportler: Während der Großteil der Besucher die acht Kilometer lange, präparierte Talabfahrt angeht, stehen den Variantenfahrern mehrere lohnende Optionen offen. „Eine gute Möglichkeit, um einen Geländetag bei Neuschnee zu beginnen, ist die Route am Purtschakopf“, sagt Andi.

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