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Klimawandel im Schnee (5): Obersaxen-Mundaun : In der Tiefkühltruhe gibt es keine Erderwärmung

  • -Aktualisiert am

Nicht umsonst trägt die Region den Namen „Tal des Lichts” Bild: Obersaxen.ch

Das Skigebiet Obersaxen-Mundaun in Graubünden spürt die Folgen des Klimawandels. Doch es hat sich für eine einfache Strategie entschieden: Es steckt den Kopf in den Schnee und hofft, dass alles schon nicht so schlimm kommen werde.

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          Der Tag beginnt mit einem weltfernen Leuchten. Dort oben, wo sich Himmel und Erde berühren, kündigen orangerote Schneehänge die wärmende Morgensonne an und lassen das Herz des Skifahrers schneller schlagen. Doch die Pisten liegen in weiter Ferne, fünf Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Seite des Tals. Hier, in Meierhof, kommt die Sonne im Hochwinter erst spät, bleibt nur wenige Stunden und wärmt dann auch kaum.

          Meierhof ist der größte Weiler von Obersaxen, der einzigen Wintersportgemeinde auf der Schattenseite des Bündner Oberlands. Alle anderen Skistationen - Laax/Flims, Brigels, Disentis und Sedrun - sind mit weiten Südhängen gesegnet, die sich vom Bett des jungen Rheins bis zum Horizont hinaufziehen. Selbst im Januar kann man dort auf den Gasthausterrassen im Hemd sitzen. Ganz anders in Obersaxen. Wer hier morgens zum Skilift geht, zieht alles an, was er dabeihat. Denn das langgezogene Hochplateau unterhalb des Piz Mundaun gleicht einem Freilufttiefkühlfach. Lange Eiszapfen hängen von den schneegepolsterten Dächern der urigen Holzhäuser, weißer Rauch zieht aus den Schornsteinen kerzengerade nach oben, der kalte Schnee knarzt unter jedem Schritt - ein Wintermärchen, ohne Zweifel, aber ein frostiges.

          Das Tal des Lichts

          Ein Sessellift bringt die Skifahrer der Sonne näher und braucht dafür eisige siebzehn Minuten. Oben angekommen, muss man sich dann entscheiden, ob man sich von der Sonne erst einmal auftauen lässt oder gleich die Schattenhänge herunterfährt, bevor die anderen den herrlichen Pulverschnee zerfurcht haben. Die meisten ziehen Letzteres vor. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn im zweitgrößten Skigebiet des Bündner Oberlandes versammelt sich ein eher robustes Wintersportpublikum, für das bequeme Aufstiegshilfen und klimatische Rahmenbedingungen von nachrangiger Bedeutung sind. Auf den anspruchsvollen Nordhängen finden sie auch nachmittags noch eine Schneequalität, die man auf der anderen Seite des Tals lange suchen kann. Und wenn die Temperaturen allzu garstig sind, macht man zwischendurch einfach von der Piste ins Nachbartal Gebrauch. Sie endet in Vella, dem Hauptort des Val Lumnezia, auch Tal des Lichts genannt. Hier scheint selbst im Januar von neun Uhr an die Sonne. Denn im Winter bezieht es sein Wetter aus dem Tessin, das direkt hinter dem markanten Piz Terri beginnt.

          Das Skigebiet Obersaxen-Val Lumnezia hat noch weitere Vorteile. So ist die Tageskarte fast ein Drittel günstiger als beim mächtigen Nachbarn Laax/Flims, ohne dass einem viel weniger geboten würde. Und während man sich in Laax an schönen Tagen die Pisten mit zwanzigtausend Menschen teilen muss, sind zwischen Meierhof, Surcuolm und Vella Liftschlangen nahezu unbekannt. Der eigentliche Standortvorteil aber ist der Abwechslungsreichtum. Neben den hochkarätigen Tiefschneehängen im oberen, offenen Teil besticht das Skigebiet mit Passagen, die durch einsame Waldstücke führen - nicht einmal einen Schlepplift hört man hier klappern.

          Eine Atemberaubende Stille

          Wer vom Piz Sezner, dem mit 2310 Metern höchsten Punkt des Skigebiets, die fünfzehn Kilometer lange Talabfahrt nach Vella macht, gerät vollends ins Zauberreich unberührter Schneehänge. Die Stille ist atemraubend, alle Bewegung wie eingefroren, keine Liftmasten und Strommasten weit und breit. Im Tal des Lichts findet das Skifahren noch mitten in der Natur statt, nicht in großflächig planierten Industriegebieten des Schneesports, in denen an jeder Hangschulter prall gefüllte Sechsersessel nach oben rasen und überall Maschinen brummen und Lautsprecherboxen dröhnen. Welches Glück doch in jener Rückständigkeit liegen kann, die andernorts als Investitionsstau beklagt wird.

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