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Kent : Mit James Bond in Englands Garten

An saftigen Wiesen entlang: Dichter und Schriftsteller zollten den grünen Hügeln der Grafschaft Kent in ihren Werken Tribut. Doch bekannt gemacht hat sie vor allem Ian Fleming mit seinen James-Bond-Romanen.

          Eine kräftige Brise weht auch bei strahlendem Sonnenschein vom Meer herüber, das so nah scheint und dessen Blau doch so unerreichbar in der Ferne liegt. Von der Plattform des South Foreland Lighthouse aus betrachtet, liegen dem Besucher die weißgrauen Kalkfelsen von Dover und der Ärmelkanal zu Füßen. Ununterbrochen nähern sich die mächtigen Fährschiffe, die den nahen Hafen ansteuern, und verlieren sich später, nach dem Auslaufen, auf dem Weg nach Frankreich wieder in dem hellen Dunst, der den Horizont umspielt.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Wir befinden uns in der Grafschaft Kent im Südosten des Vereinigten Königreichs. Der Kontinent ist nur vierunddreißig Kilometer entfernt. In St. Margaret's Bay, einem früheren kleinen Fischerdorf, in dem zu viktorianischen Zeiten die bessergestellten Kreise verkehrten, hat uns Janet Alcock an einem der typischen Pubs mit dem Namen „The Coastguard“ zu einem Spaziergang über die Höhen der Klippen von Dover erwartet, der uns zum nicht ganz zwei Kilometer entfernten Leuchtturm führt. Ein schmaler Weg biegt von der Straße ab. Entlang von mehr als mannshohen Hecken und Büschen arbeiten wir uns langsam höher, bis wir an der steilen Kante der Kreidefelsen stehen und uns der Anblick des tief unten rauschenden Meeres in seinen Bann zieht.

          Der erste Ton aus dem Leuchtturm

          Noch hat das Wasser seinen Höchststand nicht erreicht; bei Flut klatscht es heftig an die weiche Kreide und lässt immer wieder höherliegendes Gestein abbrechen. Durchschnittlich ein Zentimeter Küstenlinie gehe im Laufe eines Jahres verloren, sagt Janet. Die frühere Lehrerin ist beim National Trust tätig. Die gemeinnützige Organisation unterhält mehr als dreihundert historische Gebäude und Gärten und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich, kümmert sich aber auch um Industriedenkmäler und Küstenstreifen, darunter die Kreidefelsen von Dover. Freiwillige Helfer sorgen dafür, dass die Landschaft so natürlich wie möglich erhalten bleibt. Seit neun Jahren kümmert sich Janet um den Leuchtturm, der ebenfalls dem National Trust gehört.

          Das markante weiße Gebäude ragt zwanzig Meter in die Höhe, doch mit seinem privilegierten Standort auf den hundert Meter hohen Klippen war sein Licht früher weithin zu sehen. Den Seeleuten half es, ihre Position zu bestimmen und die Schiffe sicher durch den Kanal zu lotsen. Der heutige Leuchtturm stammt aus dem Jahr 1843. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hatte der Physiker Michael Faraday die Idee, nicht mehr Öllampen, sondern Elektrizität als Lichtquelle zu nutzen. Als erster Leuchtturm bekam „South Foreland“ im Jahr 1858 elektrisches Licht.

          Das System erwies sich allerdings als nicht zuverlässig; schon acht Monate später versahen wieder Öllampen ihren Dienst. Mehr Erfolg als Faraday war dem italienischen Physiker Guglielmo Marconi beschieden, der im „South Foreland Lighthouse“ mit der Übermittlung von Funksignalen experimentierte. Am Weihnachtsabend im Jahr 1898 gelang es, die ersten Nachrichten im Morse-Code zwischen dem Leuchtturm und einem zehn Kilometer entfernten Schiff auszutauschen. Neunzig Jahre später machten Computer und Satellitennavigation das Leuchtfeuer überflüssig.

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