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Jungfraubahn im Berner Oberland : Erster Klasse ins ewige Eis

  • -Aktualisiert am

Grindelwald, wir kommen bald: Ein Zug der Jungfraubahn fährt hinab zur Station Kleine Scheidegg Bild: REUTERS

Seit fast 100 Jahren fährt die Jungfraubahn durch das Gebirgsmassiv zwischen Eiger, Mönch und Jungfrau im Berger Oberland. Der Bau der elektrisch getriebenen Zahnradbahn entpuppte sich als Marathonunternehmen.

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          Die Schweiz kennt eine ganze Reihe von Eisenbahnpionieren. Der bekannteste ist Alfred Escher, der entscheidende Förderer des Tunnelprojekts durch den Gotthard im 19. Jahrhundert. Weit weniger bekannt ist der Textilunternehmer Adolf Guyer-Zeller aus der Nähe von Zürich. Das ist erstaunlich, galt der umtriebige Mann in seiner Zeit doch als „Eisenbahn-Baron“. Aber die Welt nimmt nur indirekt von ihm Kenntnis.

          Die Touristen folgen seinen Spuren, wenn sie mit der Jungfraubahn in das beeindruckende Gebirgsmassiv zwischen Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland fahren. Mehr als 760.000 Menschen lassen sich im Jahr auf die Endstation am Jungfraujoch auf 3454 Meter über dem Meer transportieren und erleben auf dem höchsten Bahnhof Europas die Wunderwelt aus Schnee, Eis und Bergen, die unter der Marke „Top of Europe“ gekonnt vermarktet wird. Zu rund zwei Dritteln kommen die Besucher inzwischen aus Asien. Entsprechend erfolgen die Zug-Durchsagen auch auf Mandarin und Japanisch. Und auf dem Jungfraujoch kümmert sich ein indisches Restaurant speziell um diese Besuchergruppe.

          Bau wurde zum Marathonunternehmen

          „Diese Bahn soll unter allen Bergbahnen den ersten Platz erringen und behaupten.“ So schwebte es schon Guyer-Zeller vor. Der Beginn seiner Bahn-Saga ist fast zu schön, um wahr zu sein. Die Idee kam ihm nämlich auf einer Wanderung mit seiner Tochter unterhalb des beeindruckenden Gipfel-Trios. Das war am 26. August 1893. Der damals Vierundfünfzigjährige hielt in seinem Notizblock am Abend nach der Wanderung gleich einen Plan für die Erschließung des 4158 Meter hohen Jungfrau-Gipfels fest.

          Aus dem Gipfelsturm wurde nichts. Auch sonst entpuppte sich der Bau der Jungfraubahn als Marathonunternehmen. Vor Guyer-Zeller waren schon zwei Pioniere gescheitert, die das Projekt von Lauterbrunnen aus in Angriff nehmen wollten. Der Mann aus dem Mittelland kam hingegen auf den Gedanken, erst von der Kleinen Scheidegg aus zu starten und sich bis zu diesem Punkt die damals gerade erbaute Wengernalpbahn zunutze zu machen.

          Ein Zug der Jungfraubahn an der Station Kleine Scheidegg im Berner Oberland
          Ein Zug der Jungfraubahn an der Station Kleine Scheidegg im Berner Oberland : Bild: REUTERS

          Im Dezember 1894, also 16 Monate nach der ersten Skizze, erhielt Guyer-Zeller die Konzession für die Jungfraubahn. Im Juli 1896 begannen die Bauarbeiten. Zwei Jahre später sollte die Station „Eismeer“ erreicht sein, weitere zwei Jahre danach war die Fertigstellung unterhalb des Gipfels geplant. Tatsächlich sollten 16 Jahre vergehen, ehe am 1. August 1912, dem Schweizer Nationalfeiertag, die elektrisch getriebene Zahnradbahn das erste Mal die Strecke bis zum Tunnelbahnhof Jungfraujoch befuhr.

          Der Eisenbahnpionier erlebte es nicht mehr. Er war 1899 mit nicht einmal 60 Jahren gestorben. Seine Söhne führten den Bau zwar weiter, entschieden aber nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, die Bahn am Jungfraujoch enden zu lassen. Der Gipfel blieb das Privileg der Bergsteiger, die am 3. August 1811 - ziemlich genau 101 Jahre vor der ersten Bahnfahrt auf den Sattel - den Berg im ewigen Eis erklommen hatten.

          30 Menschen starben beim Bau der Strecke

          Die Mühen der Erstbesteigung sind heute kaum mehr vorstellbar, da den Alpinisten modernste Allwetterausrüstung und ausgefeilte technische Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für den Bau der Jungfraubahn. Die ersten Arbeiter mühten sich noch mit Hämmern und Meißeln auf der Trasse und im Tunnelabschnitt. 30 Menschenleben forderte der Bau unter den meist aus Italien stammenden Arbeitern. Die meisten starben bei Sprengunfällen. Die Arbeitsbedingungen waren hart, der Lohn angesichts der Schwerstarbeit und der Gefahren miserabel. Sechsmal traten die Arbeiter in den Streik.

          Eigentümer der spektakulären Strecke ist heute die 1994 gegründete und börsennotierte Jungfraubahn Holding AG. 2011 erwirtschafteten mehr als 700 Mitarbeiter einen Rekordumsatz von 148 Millionen Franken (123 Millionen Euro). Im Jubiläumsjahr verwöhnt die AG ihre Anteilseigner mit einer Sonderdividende.

          Die Besucher des Jungfraujochs lassen sich derweil seit 100 Jahren in eine andere Welt entführen, die ihre Sinne gefangennimmt. Vielleicht verweilen sie auf den 3454 Metern auch einen Augenblick vor der Büste des „Eisenbahnkönigs“ aus dem 19. Jahrhundert, der ihnen dieses Erlebnis ermöglicht hat. Und Alfred Escher? Sein Denkmal steht vor dem Hauptbahnhof in Zürich - immerhin in Blickrichtung der Berge.

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