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Jagd auf Meeresungeheuer im Norden Norwegens : Ein Käfig voller Krabben

  • -Aktualisiert am

Harte Kerle mit wohlschmeckenden Meeresbewohnern: Norwegische Fischer präsentieren ihren Königskrabbenfang. Bild: Kirsten Panzer-Gunkel

Als die Menschen fort zogen, wanderte die Königskrabbe ein - und plötzlich hat Bugøynes im Norden Norwegens wieder eine Zukunft, der Delikatesse sei Dank.

          9 Min.

          Die Einwanderungspolitik funktioniert, heißt es in Norwegen. Das trifft auch auf den letzten Zipfel des Landes zu. In der nördlichsten Provinz, die einst von den Finnen besiedelt wurde, die Finnmark, lebt heute eine ganze Reihe von Nationalitäten miteinander: Filipinos, Schweizer, Letten, Esten, Deutsche, Thailänder, Somalier, Finnen, Schweden. Man arrangiert sich, teils fürs Leben, teils vorübergehend, arbeitet zusammen und kommt miteinander aus. Fremde sind willkommen im Norden.

          Die Fremden auf dem Meeresgrund der Barentssee sind von Osten gekommen. Diese monströsen Lebewesen kämen in norwegischen Gewässern gar nicht vor, musste sich Mitte der siebziger Jahre ein verwirrter Fischer anhören, der das Meeresinstitut Bergen telefonisch um die Bestimmung eines seltsamen Fangs bat. Nein, so die Wissenschaftler, so etwas gebe es nur am weit entfernten östlichen Ende Russlands, in den Gewässern um die Kamtschatka-Halbinsel, und außerdem ständen sie auf der Roten Liste. Er müsse sich irren. Es war eine Königskrabbe, die dem Fischer ins Netz gegangen war - die erste in ganz Norwegen. Ein Meter achtzig Spannweite von Bein zu Bein. Dieser Fang blieb kein Einzelfall. Es folgte eine russische Invasion. Erst die eine als einsame Vorhut der Krabbenkolonie, die die Russen in den sechziger Jahren vor Murmansk angesiedelt hatten. Dann ging alle paar Wochen ein solches Ungetüm ins Netz, und Anfang der neunziger Jahre kam man schließlich wöchentlich auf eine königliche Krabbe.

          Kostbarkeiten auf dem Grund des arktischen Meeres

          „Inzwischen ist das Meer voll davon, auf dem Meeresgrund wimmelt es nur so von diesen Viechern“, erzählt Leif Ingila, während wir auf seinem Kutter durch die Hafeneinfahrt von Bugøynes hinausfahren, hinein in den Varangerfjorden, der dem arktischen Meer Einlass ins Land gewährt. Auf dem „Fishfinder“-Radar lässt sich das große Krabbeln nicht erkennen, darauf werden nur die vorbeiziehenden Fischschwärme gezeigt. Doch im Moment liegt das Augenmerk auf anderen kleinen Punkten, den festgelegten Positionen der Krabbenkäfige. Die schwimmenden Meeresbewohner stehen erst wieder Ende der Woche auf dem Arbeitsplan.

          Stolze Flotte, reiche Beute: Das Meer im Norden Norwegens macht alle Fischer satt.

          Schon eine halbe Stunde später heißt es Maschine drosseln, den sicheren Stand wahren, eine Hand für den Mann (oder die Frau), eine Hand fürs Boot. Schiffsbewegungen ausgleichen - auch an herrlichen, außergewöhnlich ruhigen Herbsttagen rollt der Kahn - und Ausschau halten. Irgendwo hier muss eine Boje auf den Wellen tanzen. Pro Boje ein Käfig, zwischen zwanzig und dreißig Käfige setzt Leif aus. Dann, auf etwa zehn Uhr, leuchtet es orange auf dem Wasser. „Jetzt müsst ihr mit anpacken“, weist er uns an. „Versucht mit dem Bootshaken die Boje zu fangen, während ich ganz langsam ranfahre. Nur fangen und halten, den Rest mach ich.“

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