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Hamburg : Zugfahren wie Kaiser Wilhelm

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Der schönste Bahnhof der Stadt: Dammtor ist den Hamburgern viel mehr als nur eine Eisenbahnhaltestelle. Bild: ddp

Hamburg-Dammtor ist einer der letzten seiner Art: Ein Bahnhof, in dem der Zugverkehr und nicht der Kommerz im Mittelpunkt steht. Und wenn man dort, statt am Hauptbahnhof, aussteigt, bekommt man auch noch eine Stadtführung gratis dazu.

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          Wenn man mit dem Zug nach Hamburg fährt und am Hauptbahnhof aussteigt, verpasst man eines der zentralen Panoramen der Stadt. Bliebt man nur drei Minuten länger bis zum Haltepunkt Dammtor sitzen, wird man von der Deutschen Bahn gratis und ohne Zuschlag an der prächtigen Binnen- und Außenalster vorbeigeführt: weiße Segelboote, Häuser mit grünem Kupferdach, eine hohe Fontäne wie im Genfer See, eitle Schwäne rechts und links - eine bessere Einstimmung auf Hamburg kann es nicht geben. Vor allem aber verpassen die Voreiligen einen der letzten verbliebenen Großstadtbahnhöfe, der den Namen Bahnhof tatsächlich noch verdient und keine Shopping-Mall mit Gleisanschluss ist.

          Seit Mitte der neunziger Jahre haben sich fast alle großen Bahnhöfe in Einkaufszentren verwandelt. Leipzig und Köln sind dafür Beispiele, Hannover und Frankfurt, natürlich auch der neue Hauptbahnhof von Berlin, bei dem sich die Läden gleich über mehrere Etagen stapeln, verbunden mit Rolltreppen wie bei Karstadt oder Hertie. Es ist allerdings kein deutsches Phänomen, in Bahnhöfen anderer europäischer Großstädte hat sich längst Ähnliches vollzogen. Und auch den Flughäfen ist es so ergangen. Nur in Dammtor ist es anders. Hier steht noch der Zugverkehr im Mittelpunkt. Und der Fahrgast hat die Gelegenheit, in Ruhe und vom Kommerz fast unbehelligt ein- und auszusteigen.

          Wladimir Putin war auch schon da

          Dass Dammtor eine der letzten Oasen im Bahnverkehr ist, liegt nicht etwa daran, dass es sich um eine vergessene Randstation handelte. Dammtor ist Hamburgs Messebahnhof, das Congress-Centrum befindet sich gleich gegenüber. In Dammtor hält fast jeder Fernzug, der durch die Hansestadt fährt, Tag für Tag mehr als hundert - ICEs nach Berlin und München, Intercitys nach Köln und Frankfurt, Sylt und Basel, hinzu kommen die S-Bahnen und der Regionalverkehr. Mehr als sechzigtausend Reisende nutzen jeden Tag die Station. Der Grund ist vielmehr, dass Dammtor von Anfang an eine besondere Aufgabe zugewiesen war. Während sich der anderthalb Kilometer entfernte Hauptbahnhof mit seinen Schienen im Untergeschoss um die Abfertigung des Massenverkehrs kümmern sollte, war der höher gelegte Bahnhof Dammtor, in dem alle Züge im ersten Stock abfahren, für besondere Gäste vorgesehen. 1903 wurde er als Kaiserbahnhof eröffnet und diente jahrzehntelang zum Empfang von gekrönten Häuptern, Politikern, Künstlern und anderen Honoratioren, sozusagen als First-Class-Terminal des Hamburger Eisenbahnbetriebs. Davon profitieren die Zugreisenden bis heute, und zwar jedermann, auch derjenigen ohne großen Namen und nur mit Zweite-Klasse-Ticket.

          Einen luxuriösen Wartesaal findet man freilich nicht mehr, nur noch eine "DB-Lounge" für die Premiumkundschaft. Er wurde lange vor der letzten großen Renovierung von 1999 bis 2002 geschleift, genauso wie das Fürstenzimmer und der Abort für Beamte. Auch Staatsoberhäupter lassen sich nur noch selten blicken, sie kommen inzwischen lieber mit dem Flugzeug. Zuletzt war im Dezember 2004 Wladimir Putin da und stieg in einen Sonderzug nach Schleswig-Holstein. Aber die kurzen Wege für die schnelle Abfertigung der Prominenz gibt es in Dammtor immer noch. In zwei Minuten ist man aus dem Zug heraus, die Treppe hinunter, durch die Bahnhofstüren hindurch und winkt ein Taxi herbei. Oder man läuft zur fünfzig Meter entfernten U-Bahn-Station Stephansplatz.

          Champagner von Feinkost Brügmann

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