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Hamburg : Die Metamorphose der Wurst

  • -Aktualisiert am

Den Olymp der Haute Cuisine erreicht: Bianka Habermann und Sascha Basler in der Curry Queen. Bild: Sven Weniger

Zu fettig, zu salzig, zu viel Zucker - darauf konnte man sich beim Griff nach Fastfood immer verlassen. In Städten wie Hamburg erobern jetzt aber Gourmetimbisse den Markt. Einer hat es gerade in den Gault Millau geschafft.

          Wer sie googelt, findet 5,6 Millionen Einträge. Herbert Grönemeyer besingt sie, der Autor Uwe Timm hat ihr ein Buch gewidmet, Ex-Kanzler Gerhard Schröder liebt sie. Sie hat ein eigenes Museum und ist Esskultur, wie sie deutscher nicht sein könnte – einfach, solide, egalitär: die Currywurst. Seit kurzem klebt ihr nun eine ganz außergewöhnliche Ehrung an der Pelle. Die Schlemmerbibel Gault Millau hat eine Hamburger Wurstbude zum Gourmettempel erklärt. Das gab es noch nie. Die Fleischbrätpampe im Darm ist in den Olymp der Haute Cuisine aufgestiegen.

          Bianka Habermann und Sascha Basler haben das Curry Queen im Stadtteil Eppendorf im Jahr 2007 eröffnet. Sie sind zwei Aussteiger aus der Musikbranche, die lieber kochen wollten. Aber anders. Das Besondere aus dem Alltäglichen zu kitzeln war ihr Plan, Einfaches schnell in höchster Qualität zu bieten das Ziel. Die ordinäre Wurst schien den beiden da die adäquate Herausforderung.

          Wurst aus handmassiertem Kobe-Rind

          Jede einzelne der zehn Fleischkreationen, die auf dem Lavasteingrill des Curry Queen landen, wird exklusiv für die beiden Hamburger in Pelle gepresst. Die Tierzüchter und Schlachter, die mit ihnen zusammenarbeiten, sind handverlesen. Die Feinabstimmung von Gewürzen und Fleisch übernehmen die Mittvierziger selbst. Wie bei einem guten Song feilen sie wochenlang an der richtigen Mischung der Ingredienzen. Schließlich soll das Ergebnis immer ein Hit werden. Wurst vom Rothirsch, Lamm, Bisonbüffel stehen auf der Tageskarte. Die Aromen der Currypulver reichen von milder Vanille bis zu King Chili Killer, das die Geschmacksnerven im Feuersturm verglühen lässt. Die delikate Kalbscurrywurst kostet drei Euro, das genauso große Exemplar aus handmassiertem Kobe-Rind neun Euro neunzig.

          Kochen mit den Jahreszeiten: Das Souperia im Schanzenviertel

          Unverhofft sind Habermann und Basler als Trendsetter einer Branche dingfest gemacht worden, die oft mit kulinarischem Grauen verbunden wird. Seitdem es McDonald’s gibt, haften Fastfood neben dem Ruf, schnell zu sein, vor allem die Etiketten ungesund und eintönig an. Zu fettig, zu salzig, zu viel Zucker – darauf konnte man sich beim Griff nach Burger, Pommes und Shake verlassen. Das stimmt so nicht mehr. Gerade in urbanen Zentren haben Menschen mit engem Zeitbudget inzwischen hohe Ansprüche an das, was sie hastig und meist stehend beim Snack zwischendurch oder in der Mittagspause verzehren. Noch vor zehn Jahren war es völlig legitim, den Gästen standardisierte Fertigprodukte anzubieten. Doch damit darf man ihnen nicht mehr kommen: Frisch und individuell lautet das Mantra von Büroangestellten, Stadtspaziergängern und Arbeitern. Findige Jungunternehmer in Hamburgs Innenstadtquartieren haben das erkannt und bedienen die neuen Wünsche auf dem rasant wachsenden Markt der Schnellesser. Dabei fallen die vielen Seiteneinsteiger auf.

          Lieblingssaltat von Profihand

          Im Eimsbüttler Thai Gourmet Imbiss steht ein ehemaliger Zahntechniker aus Bangkok an den Töpfen. Mit feinsinniger asiatischer Liebenswürdigkeit erfüllt er jeden Sonderwunsch. Köstlichkeiten wie Basilikum Chili, Satay und Garnelen mit Zitronengras werden direkt vor den Augen der Gäste zubereitet. Im Souperia, das wenige Straßen entfernt im Schanzenviertel liegt, serviert ein Kollektiv ausschließlich selbstgemachte Suppen. Das Angebot auf der Speisekarte wechselt mit den Jahreszeiten und der Verfügbarkeit der frischen Zutaten. Auch Kundenideen werden aufgegriffen. Das Salads nahe der Binnenalster hat erst vor drei Monaten eröffnet. Neben der Auswahl auf der Karte kann sich dort jeder Gast seinen Lieblingssalat von Profihand zusammenstellen und mit einem edlem Dressing abschmecken lassen – innerhalb von wenigen Minuten.

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