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Gruselausflug nach Tschechien : Fürchte dich nicht

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Viele Rätsel

Die Geschichte von Eleonore geht so: Vor dreihundert Jahren lebte Eleonore, eine gebürtige von Lobkovicz, auf der Burg von Krumau. Sie war keine besonders schöne Frau, hatte ein fliehendes Kinn und einen leichten Oberlippenflaum.

Eleonore züchtete Wölfe in einem Zwinger, ließ die Weibchen melken und trank ihre Milch. Sie wollte unbedingt einen männlichen Stammhalter gebären. Die Milch, davon war die Adelige überzeugt, sollte sie fruchtbarer machen. Als Eleonores Sohn endlich zur Welt kam, war sie vierzig Jahre alt. Für die Menschen unten im Ort grenzte das an Hexerei.

Ein paar Jahre später erkrankte Eleonore, doch niemand wusste, woran. Es war eine Zeit, in der Menschen sich das Unheil mit ihrem Aberglauben erklärten. Die Pocken rafften damals Tausende dahin, die Scheiterhaufen brannten.

Eleonore bestellte Alchimisten und Okkultisten auf die Burg und verschleuderte Unsummen für vermeintliche Wundermittel wie Narwalzähne oder Krebsaugen. Sie konnte nächtelang nicht schlafen, in ihren Gemächern flackerte stets Licht, die Wölfe heulten – und im Ort sprachen die Menschen von der Fürstin, die nur in der Nacht lebt.

Ein Biss-chen geht immer, was? Vor dreihundert Jahren lebte Fürstin Eleonore Amalie zu Schwarzenberg auf der Burg von Krumau. Ihr Sohn ließ die Burg zum Schloss mit Rokokokapelle und Maskensaal umbauen.

Sie starb am 5. Mai 1741 in Wien, 58 Jahre alt. Nur wenige Stunden nach ihrem Tod fanden Ärzte eine Krebsgeschwulst im Unterleib. Sie vermerkten den Krebs im Obduktionsbericht, aber nicht als Todesursache. Stattdessen entnahmen sie ihr Herz. Die Obduktion ersetzte die Pfählung.

Eleonores doppelte Grab

Eleonores Leichnam wurde nach Krumau überführt. Die Schwarzenbergs wollten sie nicht in der Familiengruft in Wien haben, sie fürchteten, die verdächtige Verwandte würde die Ruhe der anderen Toten stören. Sie schmatze wie alle Vampire. Dabei waren es nur die Fäulnisgase, die aus der Leiche blubberten. Eleonore wurde in der St.-Veit-Kirche vergraben und ihr Herz in der Wand eingemauert.

Der Pastor der St.-Veit-Kirche, Václav Picha, will darüber nicht sprechen. „Ich habe damit nichts zu tun“, sagt er.

Stanislav Jungwirth sagt: „Das Medium in mir, meine dunkle Seite, meint, das ist sehr interessant.“Jungwirth weiß, dass die Vampirlegende gute Werbung ist für Krumau. Vampire sind ja schon lange keine Dorfungeheuer mehr, sondern Helden der Popkultur. Aus dem blutrünstigen Grafen Dracula ist ein sanfter Twilight-Verführer geworden.

Von der St.-Veit-Kirche führt Jungwirth mich in ein Geschäft für Marionetten. Er sagt, Bauarbeiter hätten hier einmal einen Geist gesehen, als sie den Dachstuhl ausbauten. Sie schossen ein Foto; doch alles, was man darauf sah, war ein weißer Fleck.

Das Geschäft gehört Jan Vondrouš, dem ehemaligen Bürgermeister von Krumau. Vondrouš ist ein Mann wie ein Mammut, riesig und sehr behaart. Sein Hausgeist, sagt er, heiße Wilhelmina. Er sei zwar Katholik, aber es gebe viele Dinge, die man mit der Bibel nicht erklären könne.

1,2 Millionen Touristen

Vondrouš weiß, wie man Dinge verkauft. Nach 1989 hat er den Tourismus nach Krumau geholt. Heute kommen 1,2 Millionen Touristen im Jahr, aus den Vereinigten Staaten, Japan oder Korea. Sie kommen wegen der Knödel und der Altstadt, die zum Weltkulturerbe zählt. Nach Prag ist Krumau das beliebteste Reiseziel Tschechiens.

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