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Griechenland : Sagt, ihr habt uns hier liegen gesehen

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Santorin liegt etwa 250 Kilometer von Athen entfernt, von Kreta erreicht man die südlichste der Kykladeninseln in zwei Stunden mit der Fähre. Eine halbmondförmige Vulkaninsel mit weißen, immerzu frisch gestrichenen Höhlenhäusern, rot- und schwarzsandigen Stränden und einer Vulkankaldera, an dessen Rändern man sich zum Sonnenuntergang versammelt. "Es fühlt sich seltsam an, über Urlaub zu sprechen", heißt es im Vorwort des "Santorini Island Guide 2010", "wenn die Welt auf Griechenlands Krise sieht, nicht auf seine Schönheit." Dieses Jahr sind noch weniger Touristen da als 2009. Die Hotels melden leere Zimmer, Autovermieter bleiben auf ihren Rollern sitzen. Ob das an der globalen Weltwirtschaftskrise oder den lokalen Unruhen liegt, weiß keiner so genau.

Von den Generalstreiks, die man inzwischen kaum noch mitzählen kann, ist auf Santorin wenig zu spüren. Dass ab und zu keine griechische Tageszeitung herauskommt, stört Touristen meist wenig, genauso wie der Streik der Fußball-Kommentatoren während der WM, dafür gab es beim Public-Tavernen-Viewing großzügige Wirte mit unendlichen Ouzo-Vorräten. Nur wenn die Fähren und Flugzeuge nicht fahren und fliegen, wie sie sollen, wird es ein bisschen mühsam. Vor allem das Hotelpersonal steht dann vor der logistischen Herausforderung, mitten in der Nacht Zimmer zu putzen, Gäste zu verabschieden und andere zu begrüßen, alles gleichzeitig.

Es ist das Jahr, in dem alle, die mit dem griechischen Fremdenverkehr zu tun haben, ein bisschen spontaner sein sollten. „Ein ziemlich besonderes Jahr“, sagt Petra Ibanidis vorsichtig, die seit 17 Jahren bei Attika-Reisen arbeitet, „wir müssen sehr flexibel sein.“ Reisebüros und Veranstalter, die sich Griechenland-Spezialist nennen, sind inzwischen Meister darin, um Generalstreiks herumzubuchen.

Die Wendigkeit, die sich der griechische Fremdenverkehr in diesem Jahr zwangsläufig antrainiert, könnte bald von Nutzen sein. Es gibt eine Vision, sie heißt „Greek Tourism 2020“. Im Moment trägt der Tourismus schon mehr als 16 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, das soll noch mehr werden: In den nächsten zehn Jahren möchte man die Bürokratie ab- und die Infrastruktur aufbauen und den Tourismus zur führenden Wirtschaftskraft machen. Schon auf der Internationalen Tourismusbörse im März hatte die stellvertretende Tourismusministerin und frühere Fellini-Muse Angela Gerekou dafür geworben. Mit professionellem Optimismus war sie durch die Hallen in Berlin gestöckelt und hatte dazu aufgefordert, jetzt - am besten gestern, aber bitte auf jeden Fall! - nach Griechenland zu fahren. Dummerweise musste Gerekou im Mai zurücktreten, weil ihr Mann, ein Schlagersänger, als Steuersünder entlarvt wurde. Griechenland greift jetzt scharf durch. Angeblich chartern die Finanzbehörden sogar Helikopter, um nicht angemeldete Pools aufzuspüren.

Gerekous Idee, jetzt nach Griechenland zu fahren, war trotzdem nicht schlecht: Als EU-Bürger tut man sich ja auch irgendwie selbst etwas Gutes damit. 2010 ist ein Jahr, in dem man seiner weltbürgerlichen Verantwortung nachkommt, wenn man sich an einen griechischen Strand legt. Und sollten über einem Helikopter kreisen, weiß man: Es geht nur ums Geld.

Anreise Im Sommer fliegen etliche Airlines direkt nach Santorin oder Kreta, zum Beispiel Air Berlin (www.airberlin.de), Germanwings (www.germanwings.com), Condor (www.condor.com) oder Tuifly (www.tuifly.com).

Unterkunft Eine Woche im Grecotel „Amirandes“ (www.amirandes.com) auf Kreta kostet inklusive Flug und Halbpension ab 849 Euro pro Person im Doppelzimmer (in Deutschland buchbar über www.tui.com). Ein Zimmer im Agritourismushotel „Enagron“ (www.enagron.gr) in Axos gibt es mit Frühstück ab 44 Euro pro Person.

Veranstalter Kreta und Santorin haben fast alle großen Veranstalter im Programm, die Tui (www.tui.com) zum Beispiel bietet die beiden Inseln auch als Kombination an, 15 Tage mit Flug und Halbpension kosten im September ab 1554 Euro pro Person im Doppelzimmer.

Weitere Informationen bei der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr unter www.visitgreece.gr (dort findet man auch die Imagekampagne „You in Greece“). Informationen über die Tourismusvision für 2020 unter www.greektourism2020.gr.

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