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Griechenland : Sagt, ihr habt uns hier liegen gesehen

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Im Fall der griechischen Finanzkrise, so lernt man auf Kreta, gibt es zwei Touristengruppen, die vollkommen erhaben sind über jeden Zweifel, wegen ein paar Streiks ihre Reisepläne zu überdenken: die Luxustouristen und die Stammgäste. Die Luxustouristen, darüber wurde schon gesprochen, sind von der Wirtschaftskrise relativ unbetroffen - die größte Hotelkette Griechenlands, Grecotels, die nur Vier- und Fünf-Sterne-Hotels betreibt, gibt an, genauso viele Buchungen zu haben wie im Vorjahr. Das Fünf-Sterne-Hotel "Sensimar Royal Blue" bei Rethymnon hat gerade erst eröffnet und ist fast ausgebucht, genauso das Fünf-Sterne-Haus "Amirandes" zwanzig Kilometer östlich von Heraklion. In diesen Hotels taucht man in eine Art sorgenfreien Raum, in dem es normal ist, auf iPads herumzutippen, Fernsehsender aus aller Welt zu empfangen und zum Frühstück zwischen Sushi, Eiweißomelett oder Pancakes zu wählen. Es ist wunderbar und sehr mondän, aber der Hoteldirektor Vassilis Minadakis sagt, er habe manchmal den Eindruck, dass viele eher wegen des schönen Hotels kommen würden als wegen des Landes.

Überzeugte Griechenland-Fans, die nicht so aussehen, als würden sie das auf Facebook veröffentlichen, trifft man zum Beispiel im Landhotel "Enagron", ein verwachsenes, duftendes Anwesen im Dorf Axos am Fuße des Psiloritis-Berges. Der Besitzer Jannis Papadakis hat viele Jahre als Manager für Coca-Cola gearbeitet und dann alles hingeschmissen für diesen Agritourismus-Hof. Jetzt, mitten in der Krise, hat er zehn Prozent mehr Gäste als 2009. Gäste wie das Paar aus Franken, das gerade am "Wie mache ich Käse?"-Kurs teilnimmt, seit Jahrzehnten nach Griechenland fährt und sich davon so schnell nicht abhalten ließe: "Manchmal gibt es keinen Strom, manchmal kein Wasser, jetzt eben manchmal keine Fähre."

Die kretischen Gastgeber sehen das nicht ganz so gelassen. Man spricht in diesen Tagen oft von Athen, es ist das Jahr, in dem Athen überall ist. Die wenigen Quadratmeter des Syntagma-Platzes, dem Platz der Verfassung, auf dem sich oft die Wut über das Sparprogramm der Regierung entlädt, bestimmen das Leben auf den gesamten 131 957 Quadratkilometern des Landes. "Schauen Sie sich doch um", sagen die Taxifahrer, Verkäufer, Kellner oder Hoteldirektoren auf den Kykladen, den Ionischen Inseln, auf dem Peloponnes oder den Saronischen Inseln, und sie deuten auf das Meer, die Berge, den Strand, die Pools, den Himmel und die Liegen. "Hier ist alles wie immer. Aber die in Athen, die sorgen dafür, dass wir weniger verdienen."

Auch in Athen gibt es Unmut gegenüber den Gewerkschaften. Im April wurden als Entschuldigung sogar Rosen an gestrandete Touristen verteilt. Nur wenige, die im Tourismus arbeiten, äußern Solidarität mit den Streikenden. Man muss sie fast suchen. Das Sparprogramm der Regierung sei hart, sagt zum Beispiel ein Kellner im Strandort Kamari auf der Insel Santorin, jeder habe das Recht zu demonstrieren: "Wenn meine Gäste etwas nicht mögen, wehren sie sich ja auch."

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