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Flughafen München : Nach dem Flug eine Rolex zur Belohnung

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Flughafen München: Magnet für Millionen Passagiere - und Kauflustige Bild: Dr. Werner Hennies, FMG

Werden Einkaufserlebnisse wichtiger als Umsteigezeiten? Der Flughafen München baut sich zur Shoppingmall für Vielflieger um - und verdient prächtig damit. Hunderte Lokale und Läden reihen sich aneinander - von elitär bis exklusiv.

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          Kleine Geschäfte mit großen Namen, dezent dekorierte Schaufenster, blank polierter Marmor - das ist die Welt von Boss, Zegna, Aigner und Hermès. Gemeint sind allerdings nicht die Designerläden in noblen Innenstadtlagen, sondern ihre nicht minder eleganten Ableger im Erdinger Moos. Hier ist 2003 mit der Eröffnung von Terminal 2 am Münchner Flughafen ein Marktplatz der Konsumfreude entstanden. Am besten verkaufen sich Kosmetik und Parfüms, dicht gefolgt von Textilien. Hoch in der Gunst der Kunden stehen auch alkoholische Getränke und Uhren, gefolgt von Tabak und Süßigkeiten.

          Viele Männer - Geschäftsreisende, Umsteiger und Vielflieger - kleiden sich auch am Flughafen ein. In diesem Jahr wurden allein bis August etwa viertausend Boss-Krawatten an den Mann gebracht. Etwa 1200 Seidentücher gehen jährlich über den Ladentisch des vornehmen Hermès-Shops in der Ebene vier von Terminal 2. Neben Hemden und T-Shirts sind vor allem Anzüge gefragt. In den Boss-Geschäften am Flughafen werden im Jahr 3600 Stück verkauft, das sind etwa dreimal so viele wie in der Münchner Innenstadt.

          Der Verkaufsschlager

          „Viele Kunden probieren den Anzug vor dem Hinflug an und holen ihn dann nach dem Rückflug geändert wieder ab“, sagt Hellmut Gebhardt dazu. Als Geschäftsführer der Eurotrade, einer Tochtergesellschaft der Flughafen München GmbH (FMG), verantwortet der gebürtige Schwabe das Management von rund achtzig Geschäften am Flughafen, der auf seiner Gesamtfläche (Terminal 1 und 2 sowie Zentralbereich) knapp 220 Läden und Lokale aufweist und mit Marken von Bulgari bis Rolex namhafte Firmen an den Flughafen holte. Während elitäre Marken größten Wert auf einen eigenen Laden legen, haben sich nach Gebhardts Erfahrung auch Marken-Kombinationen bewährt. So bieten zum Beispiel Max Mara und Marc O'Polo, Mont Blanc und Ferragamo jeweils in einer Boutique ihre Ware an. Die „Corporate Identity“ beider bleibt jedoch erhalten. Von der Beleuchtung bis zum Bodenbelag wird alles mit dem jeweiligen Unternehmen abgestimmt.

          Ein Verkaufsschlager am Flughafen sind Uhren der Marke Rolex. In dem kleinen Geschäft in der Nähe des Marktplatzes auf Ebene 4, von wo die Fluggesellschaften der Star-Alliance in die Schengen-Staaten abheben, könnten die Mitarbeiter jeden Tag eine der klassischen Herrenuhren zu Preisen ab 3000 Euro verkaufen. Doch limitierte Händlerkontingente bremsen das florierende Geschäft. Auch die Uhrenmarken IWC Schaffhausen und Jaeger-LeCoultre sind gefragt. Offenbar gilt der Kauf einer teuren Uhr nach einem gelungenen Deal bei Managern als die angemessene Belohnung. Insgesamt werden täglich etwa neunzig Uhren am Flughafen verkauft. Der auf Sonnenbrillen und Uhren spezialisierte Shop auf Ebene 4 ist deshalb ein wichtiger Umsatzbringer.

          Millionenumsätze, und Tendenz steigend

          Wie einträglich das Geschäft für den Flughafen ist, zeigt eine Blick in die Bilanz. Im Jahr 2006 erwirtschaftete der Flughafen bei einem konzernweiten Gesamtumsatz von 919 Millionen Euro knapp die Hälfte im „Non-Aviation“-Segment. Von diesen rund 444 Millionen Euro kamen etwa vierzig Prozent aus dem Laden- und Restaurantbereich. Und diese Tendenz ist steigend. In Zukunft erwartet man in München sogar 55 Prozent des Konzernumsatzes aus dem Geschäft jenseits der Fliegerei.

          Von steigenden Retailumsätzen im Terminal profitiert nicht nur der Flughafen. Auch die Lufthansa verdient daran. Denn innerhalb einer deutschlandweit bislang einmaligen Betriebsgesellschaft sind der Flughafen (60 Prozent) und die Kranichlinie (40 Prozent) gemeinsam für die Entwicklung im Terminal 2 verantwortlich. Wie bei einem richtigen Marktplatz soll das Star-Alliance-Terminal alle Bedürfnisse der abfliegenden und ankommenden Passagiere mit Restaurants und Läden erfüllen. Die Konzessionäre des nichtöffentlichen Bereichs auf Ebene 4 (Schengen) sind auf deutsche und europäische Geschäftsreisende, Vielflieger und Umsteiger mit einer eher kurzen Verweildauer ausgerichtet. Dabei unterstreichen die Feinkost- und Restaurantspezialisten Dallmayr und Käfer die Münchner Identität. Auf Ebene 5 (Non-Schengen) finden sich Nobelmarken für internationale (Transfer-)Passagiere - beispielsweise aus Asien.

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