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Familienurlaub : Warum ist ein Fettnäpfchen ein Fettnäpfchen?

  • -Aktualisiert am

Lernen fürs Leben – praktische Anwendung aber bitte erst später: So köpft man Champagner korrekt mit dem Säbel. Bild:

Die ganze Welt der Küche und die lange Geschichte der Kochkunst sind im Museum „World of Kitchen“ in Hannover zu besichtigen. Erwachsene werden hier leicht wehmütig. Kinder aber werden klüger.

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          Das Ziel des Kindergeburtstages sollte ein Geheimnis bleiben. Als die Gäste dann vor dem Küchenmuseum in Hannover stehen, ist die Skepsis in einigen Gesichtern nicht zu übersehen. Ihre Erwartungen waren hoch, sie hatten vielleicht mit einer Party in einem dieser Hallen-Spielplätze gerechnet, in denen man sich auf Riesentrampolinen und Kletterwänden austoben kann. Aber ein Küchenmuseum? Das klingt in ihren Ohren so aufregend wie gehäkelte Topflappen. Doch von diesem Geburtstag sollten ihnen nicht nur erhitzte Gesichter in Erinnerung bleiben, sondern etwas, das sich nicht so schnell verflüchtigt wie ein roter Kopf.

          Schon in der Eingangshalle, die mit den dunkelroten Wänden und dem Kronleuchter an ein altes Theater erinnert und in der die Kinder vom Leiter des Museums in gestärkter Kochuniform inklusive Haube begrüßt werden, weicht ihr kritischer Blick einem Raunen. Ehrfürchtig betrachten sie in der Fotogalerie die handsignierten Porträts der Fernsehköche Tim Mälzer und Sarah Wiener. Die Bilder der Altmeister Eckart Witzigmann oder Harald Wohlfahrt hingegen würdigen sie keines Blickes. Bewunderung entlocken ihnen dafür wieder die opulent verzierten Sahnetorten, die in einem schwarzen Konzertflügel drapiert sind. Gerne hätten sie eine Kakaobohne genascht, was ihnen allerdings nicht gut bekommen wäre, denn sie sind aus Fimo, und die Sahne ist aus Styropor. Die Tortenkunstwerke sind ein letzter optischer Leckerbissen aus der Gegenwart, bevor sich die Besucher auf eine Zeitreise begeben, die tief im Mittelalter beginnt.

          Eisschrank mit Naturkühlung

          In der sechshundert Jahre alten Rauchfangküche offenbart sich das erste Mal, wie eng unsere Geschichte mit dem Zubereiten von Mahlzeiten verbunden ist. Denn dort löst sich das Rätsel um das sprichwörtliche Fettnäpfchen, das auf dem Boden stand, um das herabtropfende Fett der Würstchen aufzufangen, die an der Decke zum Räuchern aufgehängt wurden. Dann zeigt das „World of Kitchen“ in chronologischer Reihenfolge anhand von Kojen mit verschiedenen Küchen, wie sich die Küchenkultur vom Mittelalter bis in die heutige Zeit verändert hat. Kein anderer Raum ist geeigneter als die Küche, um das Auf und Ab der menschlichen Zivilisation zu verdeutlichen. In der Koje der Nachkriegsküche wird deutlich, wie mühselig es damals war, Mahlzeiten zuzubereiten; man sieht zum Beispiel einen Kirschkernentferner, mit dem die Hausfrau jede einzelne Frucht von Hand entsteinen musste, bevor sie einen Kuchen backen konnte. Das Gerät stand einmal in einer Berliner Konditorei, überlebte einen Brand und wurde schließlich von einem Nachkommen dem Museum gespendet. In der Küche der sechziger Jahre staunen die Kinder, für die eine Geschirrspülmaschine so selbstverständlich ist wie fließendes Wasser, dass viele Menschen vor vierzig Jahren noch keine Kühlschränke besaßen, weil diese ein Vermögen kosteten. Die Hausfrau musste einen Holzschrank mit Eis füllen, das im Winter aus gefrorenen Seen geschnitten und während des Sommers unterirdisch gelagert wurde.

          Das Grauen der siebziger Jahre: Pril-Sterne und Kochutensilien in psychedelischen Farben.
          Das Grauen der siebziger Jahre: Pril-Sterne und Kochutensilien in psychedelischen Farben. : Bild: Nina Dörmann

          Der Rundgang ist nicht nur gut für den Kopf, sondern auch für den Magen, denn an viele Stellen sind Leckerbissen für die Besucher versteckt: In der holländischen Küche gibt es ein Stück Käse, im maurischen Palast ein Glas Minztee und in der andalusischen Küche eine Olive, eingerollt in eine Scheibe Salami. An solch einer Führung finden die Geburtstagskinder von Koje zu Koje mehr Geschmack, und auch die mitgeschleppten Väter kommen spätestens dann auf ihre Kosten, wenn der Gründer des Museums mit gezücktem Säbel demonstriert, wie man eine Champagnerflasche nach französischer Art köpft. Dazu müsse man die Waffe diagonal an der Naht entlang schlagen, bis das Glas an einer Sollbruchstelle nachgibt. Sorgen um eventuelle Splitter müsse man sich nicht machen, die werden mit der Kohlensäure nach außen gedrückt. Und wer das zu Hause ausprobieren will, muss darauf achten, dass die Flasche exakt vier Grad kalt ist. Kinder staunen, Väter auch, und alle freuen sich, Lebenspraktisches dazugelernt zu haben.

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